Kultur

"Kulturzeit" vom 21.11.2022: WM-Auftakt in Katar

Die Themen der Sendung: WM-Auftakt in Katar - Gespräch mit Moritz Rinke, Ukraine - Gespräch mit Sofia Andruchowytsch, Schweizer Buchpreis an Kim de l'Horizon, Jean-Marie Straub, Édouard Louis' Roman "Anleitung ein anderer zu werden".

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2022
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 21.12.2022

Die Themen der Sendung:

Fußball-WM in Katar - Gespräch mit Moritz Rinke

Werbung für die WM 2022 auf riesigen Bidschirmen in Katar.
Katar WM 2022
Quelle: Imago

Die äußerst umstrittene Fußball-WM in Katar ist eröffnet. Der Ball rollt, aber die Kritik reißt nicht ab. Knapp die Hälfte der Deutschen fordert einer Umfrage zufolge einen Boykott der WM durch Sponsoren und Politiker. Nach angedrohten Fifa-Sanktionen verzichtet Nationaltorhüter Manuel Neuer auf die "One Love"-Binde. Fifa-Präsident Infantino irritierte mit einer bizarren Rede auf der Eröffnungs-Pressekonferenz. Wir sprechen mit dem Theaterregisseur und Fußball-Fan Moritz Rinke über die Eröffnung der Weltmeisterschaft.

Die wahre Geschichte der Ukraine - Gespräch mit Sofia Andruchowytsch

Der ukrainischen Schriftstellerin Sofia Andruchowytsch, Tochter des Autors Jurij Andruchowytsch, gelang 2014 der literarische Durchbruch mit dem Roman "Der Papierjunge". 2020 erschien ihre große Roman-Trilogie "Amadoka" in der Ukraine und löste heftige Diskussionen über die Rolle der Ukraine während des Nationalsozialismus sowie über die Krim-Annexion von 2014 aus. Auf Deutsch erscheint die Trilogie 2023/24. Darin verwebt die Autorin die Vergangenheit mit der Gegenwart: die stalinistischen Repressionen gegen die ukrainische Intelligenz, die Vernichtung der Juden in einer westukrainischen Stadt, unverheilte Wunden. Der Titel der Trilogie "Amadoka" bezieht sich auf den größten See Europas, den es angeblich auf dem Gebiet der Ukraine im Mittelalter gegeben haben soll, obwohl die Ukraine damals noch nicht existierte. Ein See als Metapher für die Brüchigkeit von Erinnerungen und die Frage nach der Wahrhaftigkeit historischer Ereignisse. Was kann man tun, wenn es keine zuverlässige, offizielle Geschichte der eigenen Gemeinschaft gibt? In Andruchowytsch's Roman führt ein unzuverlässiger Erzähler durch die Handlung. Er zeigt, dass jede historische Erzählung trotz aller Wahrheiten und Fakten subjektive Züge trägt. Und er lässt fragen: Zu welchem Zweck wird die Geschichte erzählt, an die wir glauben wollen? Wir sprechen mit der Autorin.

Édouard Louis' neuer Roman "Anleitung ein anderer zu werden"

Édouard Louis erzählt in seinem neuen Roman "Anleitung ein anderer zu werden", was es kostet, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und wie er die Grenzen seiner Herkunft hinter sich ließ, sein Leben in extremer Armut, die Scham über die eigene Herkunft, die Flucht aus dem Dorf nach Paris, das Ausprobieren von neuen Identitäten, die ständige Neuerfindung seiner Person. Letztlich fragt der Roman auch, was man hinter sich lässt, wenn man ankommt.

Filmregisseur Jean-Marie Straub gestorben

Der französische Filmemacher Jean-Marie Straub ist am 20. November 2022 im Alter von 89 Jahren in Rolle in der Schweiz gestorben. Straub drehte zahlreiche Filme gemeinsam mit seiner Partnerin Danièle Huillet, die 2006 starb. Die überwiegend linkskritisch-politischen Arbeiten charakterisiert ein unverkennbarer Ansatz: der Verzicht auf das illusionistische und emotionale Potenzial des Kinos. Mit ihrem emotionslosen Stil setzten der 1933 in Metz geborene Straub und die 1936 in Paris geborene Huillet vorzugsweise literarische Vorlagen von Kafka, Böll, Malraux und Hölderlin um. Sie lehnten Kommerz und Konventionen ab, leisteten dem Mainstream-Kino, Hollywood und dem Star-System Widerstand. Mit der "Chronik der Anna Magdalena Bach" (1968), die Straub bereits zusammen mit Huillet drehte, gelang ihm einer seiner größten Erfolge.

Zu einer ersten großen Kontroverse kam es 1974 mit "Moses und Aron" nach der Oper von Arnold Schönberg, weil der Vorspann eine Widmung an den Kameramann und deutschen Terroristen Holger Meins enthält. Für Eklat sorgten Straub und Huillet erneut bei den 63.
Filmfestspielen von Venedig im September 2006. Bei der Verleihung des Sonderpreises für "Erfindung filmischer Sprache in ihrem Werkganzen", den die beiden für "Quei loro incontri" erhielten, las einer der Schauspieler in Vertretung des abwesenden Paars eine von Straub verfasste Botschaft vor, die schockierte. Solange es den US-amerikanischen, imperialistischen Kapitalismus gebe, könne es nie genug Terroristen in der Welt geben, hieß es darin.

Film von Jean-Marie Straub

Film -

Ein Besuch im Louvre

Am 20.11.2022 ist Jean-Marie Straub gestorben, 16 Jahre nach seiner Lebens- und ‎Arbeitsgefährtin Danièle Huillet. Ihr gemeinsamer Film "Ein Besuch im Louvre" stammt von 2003.

Kim de l'Horizon gewinnt Schweizer Buchpreis 2022

Kim de l'Horizon ist für den Roman "Blutbuch" mit dem Schweizer Buchpreis geehrt worden. Es ist bereits die zweite bedeutende Auszeichnung nach dem im Oktober verliehenen Deutschen Buchpreis. Kim de l'Horizon wurde in der Schweiz geboren und sieht sich als nicht-binäre Person, also weder als Mann noch als Frau. "Mit diesem Roman hat Kim de l'Horizon erzählerisches Neuland betreten", so die Jury-Begründung. In "Blutbuch" gehe eine non-binäre Erzählfigur ihrer Familiengeschichte nach. "Was geschieht, wenn gesellschaftliche Normen gebrochen werden? Wenn über Gewalt nicht gesprochen wird?" Hier werde Erfahrung in Literatur verwandelt - "eigene Erfahrung und die Erfahrung von Mutter, Großmutter und der Frauen davor". Der zum 15. Mal vergebene Schweizer Buchpreis ist mit 30.000 Franken dotiert.

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