Kultur

"Kulturzeit" vom 23.09.2022: Frauen-Proteste in Iran

Die Themen der Sendung: Situation in Iran, Rechtsruck in Italien, Nachruf Hilary Mantel, "Stadt.Land.Dorf", Studenten-Oscars und Comictipps.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2022
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 23.10.2022

Die Themen der Sendung:

Frauen-Proteste in Iran

Musste eine junge Iranerin wegen eines schlecht sitzenden Kopftuchs sterben? Der Fall der 22-jährigen Mahsa Amini löste in Iran die schwersten Unruhen seit Jahren aus. Eine neue Protestgeneration stellt sich entschlossen gegen die Islamische Republik. Die Protestierenden lassen sich bisher nicht zurückdrängen und riskieren ihr Leben. Laut der NGO "Iran Human Rights" sind schon 36 Menschen dabei gestorben. Die Wut treibt hunderttausende auf die Straße: Es geht gegen die Kopftuchpflicht. Gegen die religiösen Führer und die alltägliche Brutalität der Sittenpolizei, gegen Willkür und Korruption. Das sei keine Diktatur, sagen Demonstranten, sondern eine Mafia-Regierung. Sie fordern den Sturz des gesamten islamischen Regimes. Eine Zeitenwende im Iran?

Rechtsruck reloaded? Italien 100 Jahre nach Mussolini

Sie gilt als Lichtgestalt der italienischen Rechten: Giorgia Meloni, Chefin der postfaschistischen Partei Fratelli d‘Italia hat alle Aussichten, die nächste Ministerpräsidentin des Italiens zu werden. Sie kämpft gegen Abtreibung, sexuelle Diversität und Einwanderung, zugleich präsentiert sie sich als moderne, emanzipierte Frau mit großem Kommunikationstalent. "Ich habe ein unbeschwertes Verhältnis zum Faschismus", bekennt sie freimütig, mit der Anhängerschaft von Benito Mussolini will sie es sich nicht verscherzen. Will sie ein Viertel aller Italiener gerade deshalb oder trotzdem wählen? Hat das als renitent bekannte Italien hundert Jahre nach Mussolinis "Marsch auf Rom" wieder ein Demokratieproblem? Die deutsch-italienische Schriftstellerin Helena Janeczek und der Trienter Historiker Francesco Filippi über die Modernität des aktuellen Faschismus.

Schriftstellerin Hilary Mantel gestorben

Ihre Romane verkauften sich weltweit millionenfach und sie wurde als erste Frau gleich zwei Mal mit dem renommierten Booker-Preis ausgezeichnet - nun ist die britische Schriftstellerin Hilary Mantel im Alter von 70 Jahren gestorben. "Wir sind untröstlich über den Tod unserer geliebten Autorin, Dame Hilary Mantel", erklärte ihr Verlag 4th Estate Books am 23. September. Ihr anderer Verlag HarperCollins erklärte, Mantel sei am 22. im Kreise ihrer Familie und enger Freunde gestorben. Mantel hatte den Booker-Preis 2009 für ihren historischen Roman "Wölfe" bekommen, den ersten Band ihrer Trilogie über den englischen Staatsmann Thomas Cromwell aus dem 16. Jahrhundert. Die Fortsetzung "Falken" wurde 2012 ebenfalls mit dem renommierten Literaturpreis ausgezeichnet worden. Auch der dritte Teil der Trilogie "Spiegel und Licht" von 2020 war als aussichtsreicher Anwärter auf den Booker-Preis gehandelt worden. Mal. Mal. Die Verfilmungen der ersten beiden Bücher erhielten Emmy- und Golden-Globe-Nominierungen. "Wir haben ein Genie verloren", kommentierte "Harry Potter"-Autorin Joanne K. Rowling Mantels Tod.

Leila Slimanis Roman "Schaut, wie wir tanzen"

Die französisch-marokkanische Schriftstellerin Leila Slimani wurde 2016 mit dem Prix Goncourt für ihren Roman "Chanson Douce" ausgezeichnet. Seitdem zählt sie zu den Stars der Literatur nicht nur in Frankreich, sondern auch in ihrer Heimat Marokko. Dabei nimmt sich Leila Slimani wahrlich kein Blatt vor den Mund, schreibt über Sexualität im arabischen Raum und über die Lust der Frau. Hinzu kommt noch, dass Leila Slimani von Emmanuel Macron zur persönlichen Beauftragten für Frankophonie eingesetzt wurde. Nun hat Slimani sich zum Schreiben nach Lissabon zurückgezogen. Zu groß war der Rummel nach dem Prix Goncourt in Paris um sie geworden. Im neuen Roman "Schaut, wie wir tanzen" wirft Slimani einen Blick auf die 1960er Jahre in Marokko. Hippies strömten aus Europa und den USA in den Süden Marokkos. Auch der zweite Band ihrer als Trilogie angelegten marokkanischen Familiengeschichte erzählt davon, wie das Erbe des Kolonialismus weiter wirkt - in den Köpfen der Menschen, in den staatlichen Strukturen, in subtilen Abhängigkeiten.

Fotoband "Stadt.Land.Dorf"

Für viele Städter ist die Vorstellung vom Leben auf dem Land eine sehr romantische. Die Fotografen Hermann Hirsch und Jan Lehmann, zwei junge Städter, die aufs Land zogen, werfen einen ehrlichen Blick aufs Landleben: "Betrachtungen zwischen Heuballen und Rollrasen", so der Untertitel des Fotobuchs "Stadt.Land.Dorf.". Ihre Fotos thematisieren auch unser entfremdetes Verhältnis zur Lebensmittelproduktion. Wer will schon wissen, wo die Wurst im Supermarkt herkommt? Aber die beiden Fotografen zeigen auch Bilder voller Schönheit, denn eigentlich lieben sie das Landleben.

Drei Deutsche gewinnen Studenten-Oscars

Unter den Gewinnern der Studenten-Oscars sind 2022 drei Filmproduktionen aus Deutschland. In der Kurzfilm-Sparte "Narrative" kommen gleich zwei der insgesamt drei Preisträger von einer deutschen Hochschule: Nils Keller ("Almost Home") und Welf Reinhart ("Eigenheim") sind beide Absolventen der Hochschule für Fernsehen und Film München. In der Sparte "Animation" sind die Regisseure Jan Gadermann und Sebastian Gadow (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf) unter den Gewinnern. Ihr Stop-Motion-Film "Laika & Nemo" handelt von einer Astronautin und einem Tiefseetaucher.

"Mutter": Doku-Drama mit Anke Engelke

Freude, Zweifel, Macht und Ohnmacht, Wut und Liebe. Acht Frauen zwischen 30 und 75 erzählen von ihren ambivalenten Gefühlen als Mutter. Anke Engelke performt all diese Original-Interviews lippensynchron und macht den Film "Mutter" unglaublich sehenswert. Ein Experiment zwischen Dokumentation und Spielfilm von Regisseurin Carolin Schmitz. Der Kinostart ist am 29. September.

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