Kultur

"Kulturzeit extra: Gefahr aus dem Netz - Wege, die Macht von Facebook, Twitter und Co. zu brechen"

Facebook, Twitter und Co. kommerzialisieren Daten und polarisieren die Gesellschaft‎. Was wäre alles zu erreichen, wenn die Bürger die Hoheit über ihre Daten wieder übernähmen! "Kulturzeit extra" berichtet über erfolgreiche Alternativen.‎

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2021
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 25.08.2022

Die Sendung beleuchtet die verschiedenen Facetten der Hoheit über Daten und deren Auswirkung auf die Meinungsfreiheit.

"Sie töten Menschen": Mit diesem Satz hat US-Präsident Joe Biden vor kurzem den Umgang von Facebook mit Desinformationen in der Pandemie kritisiert. Das Weiße Haus fordert, dass das Unternehmen umfassende Daten zu Falschmeldungen über Impfungen herausgibt - doch die Facebook-Führungsebene hat es zu Beginn der Pandemie abgelehnt, mehr Ressourcen für eine solche Erhebung bereitzustellen.

"Inside Facebook. Die hässliche Wahrheit"

Wie gefährlich Plattformen wie Facebook tatsächlich sind, belegen die "New York Times"-Reporterinnen Sheera Frenkel und Cecilia Kang aktuell in ihrem Buch "Inside Facebook": Gleich, ob es um den Sturm auf das US-Kapitol oder darum ging, dass das burmesische Militär mithilfe von Fake-Accounts Gewalt gegen die muslimische Minderheit der Rohingya anstachelte, bei der 24.000 Menschen starben - der Facebook-Führungsebene war das jeweils früh bekannt und sie unternahm nichts.

"Der Buchtitel stammt von einer Facebook-Führungskraft", berichtet die Autorin Sheera Frenkel. "Sie sprach von einer 'hässlichen Wahrheit', um die Realität bei Facebook zu beschreiben. Wie die Führungsriege wiederholt ähnliche Entscheidungen trifft und Fehler in Ländern wie Myanmar und anderswo begeht, die dazu führen das Menschen getötet werden." Facebook riskiere die Sicherheit seiner User und gefährde die Demokratie - davon sind die Reporterinnen überzeugt. Für Adrian Daub, Literaturwissenschaftler an der Universität Stanford, hat sich die Utopie einer neutralen Plattform schon längst ins Gegenteil verkehrt. Er geht heute davon aus, dass es bestimmte Gewaltexzesse in der Welt ohne Facebook gar nicht erst geben würde.

Regulierung und Gemeinwohl

Auch der Medienwissenschaftler Michael Seemann entzaubert das Bild der scheinbaren Neutralität der sozialen Netzwerke und fordert regulierende Maßnahmen. Francesca Bria, Präsidentin des italienischen Nationalen Innovationsfonds und Gründerin der EU-Initiative "Decode" und UN-Beraterin für digitale Städte, sucht Alternativen jenseits kommerzieller Plattformen. Sie hat die Entwicklung von Städten wie Barcelona mit einem einfachen Gedankenmodell maßgeblich beeinflusst: Sie bat die Bürgerinnen und Bürger, ihre Daten dem Gemeinwohl, der Gestaltung einer lebenswerten Stadt zur Verfügung zu stellen.

Für Judith Simon, Professorin für Ethik in der Informationstechnologie ist dies jedoch nur ein Baustein: Sie propagiert neue, nichtkommerzielle Plattformen, auch im Hinblick darauf, dass ein geteilter öffentlicher Diskurs eine wichtige Basis für ein demokratisches Gemeinwesen ist. Wie stellt man der vergifteten, kommerzialisierten Diskussionskultur in Twitter, Facebook und Co. eine neue Öffentlichkeit entgegen? Diese Frage stellt "Kulturzeit extra" mitten im deutschen Bundestagswahlkampf.

Unsere Moderatorin Vivian Perkovic begrüßt den Medienwissenschaftler Michael Seemann als Gesprächsgast im Studio, dessen Buch "Die Macht der Plattformen" jüngst erschienen ist.

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