Kultur

"Kulturzeit" vom 09.11.2022: Die USA nach den Midterms

Die Themen der Sendung: Die USA nach den Midterms - Gespräch mit Annett Meiritz, Doku "Nelly & Nadine", Erinnern an den 9. November - Gespräch mit Armin Nassehi, Nachrufe auf Werner Schulz und Cornelius Kolig und Kunstpreis des Landes Sachsen-Anhalt für Ulrich Wüst.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2022
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 09.12.2022

Die Themen der Sendung:

Die USA nach den Midterms - Gespräch mit Annett Meiritz

Welche der großen Parteien dominiert künftig den US-Kongress? Auch Stunden nach Schließung vieler Wahllokale steht dies noch nicht fest. Bei den Midterms, den Zwischenwahlen in den USA, hat es zunächst keine Klarheit über die Mehrheitsverhältnisse im Kongress gegeben.
Ein Durchmarsch der oppositionellen Republikaner war am Morgen des 9. November noch nicht zu erkennen. Die Demokraten von Präsident Joe Biden schnitten stärker ab als erwartet und nahmen den Republikanern einen Senatssitz in Pennsylvania ab. Die Republikaner reüssierten dagegen in ihren Hochburgen im Süden und im Mittleren Westen der USA. Viele Ergebnisse standen noch aus. Zur Wahl standen sämtliche Abgeordneten des Repräsentantenhauses, etwa ein Drittel der Senatssitze sowie zahlreiche Gouverneursposten. Bisher halten die Demokraten knappe Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses. Sollten sie diese einbüßen, verlöre Biden viel politischen Spielraum nicht nur in der Innenpolitik, sondern etwa auch bei der Unterstützung der von Russland angegriffenen Ukraine. Außerdem könnten die Republikaner in einem solchen Fall parlamentarische Untersuchungen gegen seine Regierung einleiten und etwa die Anhebung der Schuldenobergrenze blockieren. Wir sprechen mit Annett Meiritz, USA-Korrespondentin der Tageszeitung "Handelsblatt".

Queere Liebe im KZ - die Doku "Nelly & Nadine"

An Heiligabend 1944 lernen sich zwei Frauen im KZ Ravensbrück kennen und verlieben sich ineinander: die belgische Opernsängerin Nelly Mousset-Vos und die Chinesin Nadine Hwang. Sie werden getrennt, finden sich aber nach dem Krieg wieder und bleiben ein Leben lang zusammen. Der schwedische Regisseur Magnus Gertten erzählt ihre Geschichte auf der Grundlage von Nellys Privatarchiv, das ihre Enkelin Sylvie zugänglich gemacht hat. "Nelly & Nadine" kommt am 24. November in die Kinos.

Der 9. November - Gespräch mit Armin Nassehi

Am 9. November 1918 verzichtete der Deutsche Kaiser auf den Thron und in Berlin wurde die "Deutsche Republik" ausgerufen. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 gingen die Nationalsozialisten zur offenen Gewalt gegen Juden über und 51 Jahren später endete mit dem Mauerfall vom 9. November 1989 die jahrzehntelange Teilung Berlins und Deutschlands. An den Fall der Berliner Mauer vor 33 Jahren und an den gleichzeitigen Jahrestag der Pogromnacht in der NS-Zeit wird deutschlandweit mit zahlreichen Veranstaltungen erinnert. An diesem Tag werde "deutlich, zu welch großartigen demokratischen Aufbrüchen einerseits und zu welchen entsetzlichen Verbrechen andererseits wir in Deutschland fähig waren", sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anlässlich der Tagung "Wie erinnern wir den 9. November? Ein Tag zwischen Pogrom und demokratischen Aufbrüchen" im Schloss Bellevue. Wir sprechen mit dem Soziologen Armin Nassehi, der einer der Gastredner bei der Tagung war.

DDR-Bürgerrechtler Werner Schulz

Werner Schulz war eine der bekanntesten Persönlichkeiten der DDR-Opposition. Im Unterschied zu anderen Protagonisten von 1989 blieb er auch im gesamtdeutschen Politikbetrieb eine wichtige Stimme. Als Mitglied von Bündnis90/Die Grünen saß er von 1990 bis 2005 im Bundestag. Von 2009 bis 2014 war er zudem Mitglied des Europäischen Parlaments. Sein politisches Engagement begann nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 in der kirchlichen Friedens- und Umweltbewegung. Er war Mitbegründer des Neuen Forums und saß mit am Zentralen Runden Tisch der DDR. In den 2000er Jahren war er auch Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Schulz war Gast bei der Veranstaltung des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue zum Thema "Wie erinnern wir den 9. November? Ein Tag zwischen Pogrom und demokratischen Aufbrüchen". Am Rande dieser Veranstaltung erlitt er einen Zusammenbruch.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier brach die Veranstaltung daraufhin ab. Werner Schulz wurde 72 Jahre alt.

Digitale Plattform führt geraubte Benin-Kunstschätze zusammen

125 Jahre nach den britischen Plünderungen des Jahres 1897 sind die heute in Museen und Sammlungen weltweit verstreuten Kunstschätze des früheren Königreichs Benin erstmals wieder virtuell vereint. Die Plattform Digital Benin verfügt über Daten von 5246 Objekten aus weltweit 131 Museen. Die häufig als Benin-Bronzen bezeichneten Kunstschätze, neben Bronze auch etwa aus Elfenbein oder Holz gefertigt, stammen aus dem Palast des Königreiches, das heute zu Nigeria gehört. "Wir gehen davon aus, dass wir 99 Prozent erfasst haben", sagte Projektleiterin Barbara Plankensteiner, Direktorin des Museums am Rothenbaum Kulturen und Künste der Welt und Mitglied der seit 2010 arbeitenden internationalen Benin Dialogue Group. "Da tauchen sicher noch Dinge auf, die wir nicht kennen." So gebe es einige wenige Privatsammlungen, die historische Werke besitzen. Diese seien noch nicht in der Datenbank enthalten. Erstmals sei nun etwa ein Blick auf 900 Reliefs möglich, die im Königspalast installiert waren. Der Online-Katalog, bei dem von Beginn an auf Transparenz gesetzt worden sei, vereine auch internationales Wissen der Herkunftsgesellschaft. 2023 solle die Plattform an eine geeignete Institution in Nigeria übergeben werden. Finanziert wurde das seit zwei Jahren laufende Projekt mit 1,5 Millionen Euro von der Ernst von Siemens Kunststiftung.

Zum Tod von Cornelius Kolig

Cornelius Kolig wurde oft missverstanden und sogar angefeindet, zugleich war er aber einer der spannendsten und wichtigsten Künstler, die Österreich im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat. Kolig ist in der Nacht zum 7. November im Alter von 81 Jahren gestorben. Bis zuletzt arbeitete er an seiner Kunst im Paradies, jenem Gebäudekomplex in Vorderberg im Gailtal, in dem er seine Kunst schuf und auch lagerte. Cornelius Kolig war der Enkel des großen Spätexpressionisten Anton Kolig. Sein Weg in die Kunst war schon von Jugend an vorgezeichnet. "Das war einfach ein Erbgutgeschenk, dass ich mitbekommen habe. Ich musste mir diese Fähigkeiten sozusagen nicht irgendwie besonders erwerben, sondern ich habe sie einfach gehabt", so Kolig.

Ulrich Wüst erhält Kunstpreis

Der Fotograf Ulrich Wüst bekommt den Kunstpreis des Landes Sachsen-Anhalt. Es ist nicht sein erster Preis und wohl nicht einmal der wichtigste - aber er kommt aus der Gegend, aus dem Land seiner Herkunft - um in seinem Sinne das Wort Heimat zu vermeiden. Berühmt wurde der 1949 in Magdeburg geborene studierte Stadtplaner mit kargen, streng gebauten Schwarzweißbildern aus ostdeutschen Städten. Sie verraten alles, was gern übersehen wird: die Leere, die Lücke, die Brache, die Kriegsversehrtheit, all das "Unwirtliche" der bis in die 1980er Jahre währenden Nachkriegszeit. Dieser Fotograf - seit 1972 in Berlin - verzichtet in seinen Bildern auf Menschen - und lässt umso intensiver erkennen, wie sie leben. Immer wieder werden diese strengen Fotos ausgestellt und gedruckt - auch seiner Heimatstadt Magdeburg hat er ein Buch gewidmet. Allerdings hat Ulrich Wüst - seit vier Jahrzehnten Fotograf - auch ganz andere als die Stadt-Serien fotografiert - und in ungezählten Leporellos geordnet.

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