Kultur

"Kulturzeit" vom 16.01.2023: Die Energie, die Krise und wir

Die Themen der "Sendung": Österreichs einziges AKW ging nie in Betrieb, Abriss, Neubau und die Klimakrise, Europäische Kulturhauptstadt Timișoara, Nachruf auf Gina Lollobrigida, der Film "Farha" und Brettspiele.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2023
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 16.02.2023

Die Themen der Sendung:

Die Energie, die Krise und wir

Der Angriffskrieg gegen die Ukraine zwingt zu Kompromissen in der Energiepolitik. Was macht Energie mit uns? Unserer Spurensuche in den 3sat-Ländern führt zum einzigen Atomkarftwerk Österreichs in Zwentendorf - das allerdings nie ans Netz ging. Es dient heutzutage als Veranstaltungsort.

Abriss, Neubau und die Klimakrise

Beim Abriss fallen in Deutschland jährlich rund 230 Millionen Tonnen Bauschutt an. Das sind 55 Prozent der gesamten Abfallmenge. Fast 600 Millionen Tonnen nicht erneuerbarer Rohstoffe kommen beim Neubau zum Einsatz. Gut ein Drittel aller Treibhausgasemissionen eines Gebäudes entsteht bei seiner Herstellung und Errichtung – also vor seiner Nutzung. Keine Frage: Abriss und Neubau sind extrem klimaschädlich. Beispiele für alternatives Bauen haben der Architekturhistoriker Christoph Grafe und der Stadtentwickler Tim Rieniets gesammelt und in ihrem Buch "Umbaukultur" veröffentlicht. 

Europäische Kulturhauptstadt Timișoara 

Die ungarische Stadt Veszprém, Elefsina (deutsch Eleusis) in Griechenland und Timișoara/Temeschwar in Rumänien sind die Europäischen Kulturhauptstädte 2023. Unter dem Motto "Shine Your Light!" wird die zweitgrößte Stadt Rumäniens im Rampenlicht stehen. Ein Besuch bei den Kulturschaffenden in der Stadt.

Zum Tod von Gina Lollobrigida

In den 1950er und 1960er Jahren verkörperte Gina Lollobrigida mit ihrer überbordenden Weiblichkeit das damalige Schönheitsideal. Jetzt ist "La Lollo", wie die Diva in Italien genannt wurde, im Alter von 95 Jahren in Rom gestorben. Das teilte der italienische Kulturminister Gennaro Sangiuliano auf Twitter mit. Filme drehte die Schauspielerin schon lange nicht mehr. Mit ungebrochener Willensstärke verteidigte Gina Lollobrigida bei gelegentlichen Fernsehauftritten jedoch ihre Lebensentscheidungen. Vor allem die Regenbogenpresse interessierte sich bis zuletzt für die italienische Schauspielerin. Schlagzeilen machte sie zuletzt jedoch eher mit Skandalen. Dazu gehört auch die Beziehung zu dem rund 34 Jahre jüngeren Spanier Javier Rigau Rifols. Ihrem Sohn Milko gelang es 2021, sie unmündig erklären zu lassen.
Der 1957 geborene Milko junior - er stammt aus der Ehe mit dem jugoslawischen Arzt Milko Skofic - bezichtigte in dem Verfahren Lollobrigidas 30-jährigen Manager Andrea Piazzolla, sie zu manipulieren. Seit er ihre Geschäfte führe, entfremde sie sich von ihrer Familie, so der Vorwurf. Um die Vorwürfe zu erhärten, stellte ihr Enkel sich im italienischen Fernsehen gar als obdachlos dar, nachdem er aus der Wohnung auf dem Anwesen seiner Großmutter an der Via Appia Antica nahe Rom habe ausziehen müssen.

Die Tochter eines Möbelfabrikanten kam 1927 im Bergdorf Subiaco östlich von Rom zur Welt. Nachdem der Vater infolge von Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg sein Vermögen verloren hatte, zog er 1944 mit seiner Familie nach Rom. Tochter Gina - eigentlich Luigina - studierte dort Bildhauerei, Malerei und Gesang. Während sie sich mit Karikaturen und als Model für die in Italien damals beliebten Fotoromane über Wasser hielt, belegte sie immer wieder vordere Plätze bei Schönheitswettbewerben. Nach Auftritten als Statistin in mehreren Filmen soll sie auf der Straße von Filmregisseur Mario Costa entdeckt worden sein, der sie 1948 für ihre erste größere Rolle im Opernfilm "Bajazzo" engagierte. Der internationale Durchbruch gelang wenige Jahre später mit dem Mantel-und-Degen-Film "Fanfan, der Husar" an der Seite von Gérard Philipe, der 1952 in Cannes und Berlin ausgezeichnet wurde. In Hollywood spielte "La Lollo" an der Seite von Stars wie Frank Sinatra, Errol Flynn und Burt Lancaster. Den wohl größten Erfolg hatte sie als verführerische Esmeralda an der Seite von Anthony Quinn in "Der Glöckner von Notre Dame". Lollobrigida wurde als Männerschwarm gefeiert, galt als brünettes Pendant zu Marilyn Monroe.

In Italien erhielt sie mit der ebenfalls für ihre Rundungen und ihre sinnliche Art der Darstellung bekannten Sophia Loren früh Konkurrenz. Im Unterschied zu ihr zog sich Lollobrigida nach rund 60 Filmen weitgehend aus dem Kinogeschäft zurück. Während Loren auch reifere Frauen darstellte, verlegte sich die Ex-Diva auf die Fotografie und die Bildhauerei. Als sie 1986 Jurypräsidentin bei den Filmfestspielen von Berlin war, sorgte Lollobrigida mit Kritik am Hauptpreis für einen Eklat. Rund zehn Jahre später ging die Schauspielerin selbst in die Politik. Als Kandidatin für Romano Prodis Zentrumsbündnis verfehlte sie 1999 allerdings den Einzug ins Europäische Parlament. Zuletzt kandidierte sie bei den italienischen Parlamentswahlen vom vergangenen September für einen Sitz im Senat für "Italia sovrana e popolare" ("Souveränes und populäres Italien"), ein Bündnis aus Protestparteien.

"Farha" - Geschichtsdrama oder Antisemitismus-Film?

Palästinensisches Kino ist kein neues Spielfeld für Netflix. Erst 2022 streamte der Sender unter dem Titel "Palestinian Stories" 30 Filme, die das Leben unter Besatzung zeigten – teils subtil als unterschwellige Realität, teils frontal wie in dem Oskar nominierten Film "Das Geschenk": Die Reaktionen in Israel waren vorhersehbar kritisch, aber im Großen und Ganzen verhalten. Doch jetzt hat Netflix eine Bombe abgeworfen, die, wie viele in Israel sagen, jede rote Linie überschreitet. Der jordanische Film "Farha" führte dazu, dass Abertausende Israelis ihr Abonnement für den Streaming-Dienst kündigten. Der Spielfilm des jordanischen Regisseurs Darin G. Salam enthält eine Szene, in der israelische Soldaten während des Krieges 1948, den Israel den Unabhängigkeitskrieg und Palästinenser die Nakba, die Katastrophe nennen, eine palästinensische Familie mit einem Baby abschlachten. Laut dem Regisseur basiert der Film auf einer wahren Geschichte. In sozialen Medien brach ein Shitstorm aus. Mit dem Babymord bedient der Film eines der ältesten antisemitischen Klischees. Unter der Überschrift "Werte vor Unterhaltung" begründen Israelis ihre Entscheidung, ihr Abo zu kündigen.

Das arabische "Alsaraya"-Theater in Jaffa, das den Film zeigte, läuft Gefahr, keine öffentlichen Gelder mehr zu bekommen. "Die Wahl einer vom Staat Israel finanzierten Kulturinstitution für die Vorführung des Films ist inakzeptabel", heißt es in einem Protest-Statement, "und erfordert alle möglichen zu ergreifenden Maßnahmen - einschließlich der Verweigerung von Fördergeldern für diese Institution". Während die Wut verständlich ist, ist die Geschichte, die der Film erzählt, nicht aus der Luft gegriffen. Laut dem israelischen Historiker Benny Morris wurden während des Krieges von 1948 24 Massaker vom israelischen Militär verübt. "In einigen Fällen wurden vier oder fünf Menschen hingerichtet, in anderen waren es 70, 80, 100." Und der palästinensische Journalist Ahmed Shihab Al-Din sagte in einem Video, das er auf Instagram hochgeladen hatte: "Die israelische Regierung ist in Panik wegen des eindrucksvollen Films über ein palästinensisches Mädchen, das die Nakba überlebte. Die Anklage, dass der Film ein falsches Narrativ gegen israelische Soldaten darstellt, ist nichts als die übliche Propaganda. Auf Netflix kann der Film Millionen von Zuschauern etwas vermitteln, das Israel jahrelang zu verstecken vermochte." Wir haben uns den Film angesehen.

Der Hype um die Brettspiele

International werden sie als "German Games" bezeichnet, weil vor allem Deutschland eine einzigartig große Spielszene hat. Brettspiele erfahren gerade einen echten Hype, nicht zuletzt wegen der Pandemie. Was an ihnen begeistert Millionen von Menschen? Die Flucht aus dem Alltag? Oder gerade die spielerische Verarbeitung alltäglicher Erlebnisse? Das gemeinsame Ereignis – oder der Wettkampf um den Sieg? In jedem Fall ermöglichen Brettspiele es, in fremde, neue Erfahrungswelten einzutauchen, diese spielerisch nachzuvollziehen und bestehende Machtverhältnisse umzukehren. Denn vor dem Spiel sind alle gleich, unabhängig von sozialem Hintergrund. Wissenschaftler*innen nennen genau das das "demokratisierende Element" von Brettspielen. Gleichzeitig geht es - ganz spielerisch - auch um das Einüben von Regeln, die Lust am Triumph, um Siegen oder Verlieren. Nicht nur für Kinder sind das wichtige und besondere Erfahrungen in der Entwicklung ihrer Identität.

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