Kultur

"Kulturzeit" vom 28.11.2023: Deepfake mit der AfD - was darf Kunst?

Die Themen der Sendung: Deepfake mit AfD, "Über Kriege und wie man sie beendet", Daniel Schreiber über "Die Zeit der Verluste", Elgin Marbles, Doku "Holy Shit".

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2023
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 29.02.2024

Die Themen der Sendung:

Satire-Aktion für AfD-Verbot mit gefälschtem Scholz-Video

Eine Satire-Aktion mit einer täuschend echten, aber gefälschten Videoansprache von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat die Bundesregierung verärgert. "Wir nehmen das überhaupt nicht auf die leichte Schulter", sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit in Berlin. Derartige Fälschungen "schüren Verunsicherung und sind manipulativ". Ob die Aktion rechtliche Konsequenzen habe, sei noch unklar - "das müssen wir jetzt uns erst einmal angucken", sagte Hebestreit. Die politische Satire- und Kunstgruppierung Zentrum für politische Schönheit hatte am Montagmorgen vor dem Kanzleramt zunächst gefälschte Plakate aufgestellt, die führende AfD-Politiker hinter Gittern zeigen. Dazu wurde die Falschnachricht über ein Verbot der AfD verbreitet. Im Internet erschien dann ein Video mit einer vermeintlichen Ansprache, in der Kanzler Scholz das Verbot zu begründen scheint. Das Video wurde offenbar mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt. Hebestreit räumte ein, dass das Video täuschend echt sei. "Ich finde, vor allem auch die Sprache ist sehr nah am Original", sagte der Scholz-Sprecher. "Das kann ja witzig sein" - dennoch wolle die Bundesregierung "vor solchen Schritten grundsätzlich warnen", fügte Hebestreit hinzu. Denn durch solche gefälschten Aufnahmen werde es "immer schwerer, zwischen echt und falsch zu unterscheiden". Solche Fälschungen würden eingesetzt, "um öffentliche Meinung zu beeinflussen".

Für die Bundesregierung sei der Umgang mit dem Phänomen nicht einfach, räumte Hebestreit ein. "Wir haben ja nicht die Möglichkeit, ein Wahrheitsministerium zu gründen, und dann sagt die Regierung: Das stimmt, und das stimmt nicht." Eine Arbeitsgruppe des Bundeskanzleramts mit mehreren Ministerien befasse sich derzeit mit Strategien gegen die zunehmende Desinformation. Ergebnisse könnten im Sommer vorgelegt werden. Als Teil der Satire-Aktion schaltete das Zentrum Zentrum für Politische Schönheit eine Webseite zum AfD-Verbot frei. Dort seien "über 1500 Sachverhalte zu rund 350 Personen erfasst, die die Bedrohungslage, Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit des Vorhabens unterstreichen", erklärte die Gruppierung. Dies markiere einen "entscheidenden Schritt im Kampf gegen den Rechtsextremismus in Deutschland und zur Bewahrung der Demokratie".

Frieden schaffen – aber wie? Was wir aus vergangenen Kriegen über die Gegenwart lernen können

Israel und Gaza, Ukraine, Äthiopien, Sudan, Mali: Nur einige der Länder und Regionen, in denen derzeit Kriege und militärische Konflikte toben. Es gibt so viele Kriegstote wie seit 30 Jahren nicht, die Ausgaben für Militarisierung und Waffenexporte sind auf einem Rekordhoch. Im "Weltfriedens-Index" steht es schwarz auf weiß: Die Friedfertigkeit nimmt weltweit immer weiter ab. Doch jetzt: der Geisel-Deal und eine mehrtägige Feuerpause in Gaza. Ein Zeichen der Hoffnung? Der Historiker Jörn Leonhard glaubt nicht daran. In seinem Buch "Über Kriege und wie man sie beendet" hat er analysiert, wie Kriege und Konflikte in der Vergangenheit zu Ende gingen. Eine Feuerpause könne zwar ein erster Schritt auf dem Weg zu Verhandlungen sein, für einen stabilen Frieden aber brauche es noch weit mehr.

In seinem Buch stellt Leonhard zehn Thesen auf. Die Geschichte, sagt er, könne zwar keine Blaupause sein, wohl aber könne sie dabei helfen, Verlaufsmuster und Handlungslogiken zu erkennen: "Man kann mit dem Blick in die Geschichte besser über die Glaubwürdigkeit und die Plausibilität nachdenken und vielleicht diesen Moment besser identifizieren, ab wann das Ende eines Krieges wahrscheinlicher ist", schreibt er. Ursula Schröder ist Friedensforscherin und Sicherheitsexpertin. Mit Blick auf mögliche Verhandlungen im Nahen Osten sagt sie: "Momentan haben wir sowohl auf der israelischen als auch auf der palästinensischen Seite mit Leuten zu tun, mit denen vermutlich eine Verhandlungslösung sehr schwierig wird." Dennoch sei es vollkommen alternativlos über mögliche Wege zu einem nachhaltigen Frieden nachzudenken. Was können wir aus vergangenen Kriegen und Konflikten lernen – und was braucht es jetzt, damit ein stabiler Frieden im Nahen Osten überhaupt denkbar wird.

Daniel Schreiber über "Die Zeit der Verluste"

In der Gesellschaft bröckeln momentan viele Gewissheiten, die Menschen lange für unumstößlich hielten. Mit dieser Unsicherheit umzugehen, ist eine große Herausforderung. Der Schriftsteller Daniel Schreiber hat sich ihr gestellt und seine Erfahrungen in seinem Essay "Die Zeit der Verluste" festgehalten. Wir sprechen mit dem Autor über unseren Umgang mit Verlust, Trauer und Ungewissheit.

Solidaritätskonzert "Gegen das Schweigen. Gegen Antisemitsmus" am BE

"Wir sind doch alle Menschen, kommen auf dieselbe Art und Weise auf diese Welt. Es gibt kein christliches, kein muslimisches, kein jüdisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut", so warb die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer am 27. Novmeber bei der Solidaritätsveranstaltung gegen Antisemitismus im Berliner Ensemble für Menschlichkeit. Der Pianist Igor Levit und das Berliner Ensemble hatten Kulturschaffende eingeladen, das große Schweigen in der Kulturbranche zu brechen und ein Zeichen der Solidarität mit Israel und den Opfern des Hamas-Terros zu setzen.

Streit um Parthenon-Fries zwischen Griechenland und Großbritannien eskaliert

Der Streit um die Rückgabe von Kunstschätzen aus dem British Museum an Griechenland hat einen diplomatischen Eklat ausgelöst. Der britische Premierminister Rishi Sunak sagte kurzfristig ein Treffen mit seinem griechischen Amtskollegen Kyriakos Mitsotakis in London ab, das für den 28. November vorgesehen war. Das britische Kabinettsmitglied Mark Haper bestätigte indirekt, dass der Kulturstreit der Grund war. Die britische Regierung habe ihre Position zu den "Elgin Marbles", wie die Fries-Teile in Großbritannien genannt werden, wiederholt klar gemacht: Sie sollten Teil der ständigen Kollektion im British Museum bleiben, sagte Harper der BBC. Mitsotakis reagierte empört. Er sei verärgert über die Absage, die nur wenige Stunden vor dem geplanten Termin erfolgt sei, teilte er am 27. November mit.

"Die Positionen Griechenlands in der Frage der Parthenon-Skulpturen sind allgemein bekannt", schrieb er. "Ich hatte gehofft, die Gelegenheit zu haben, sie mit meinem britischen Amtskollegen zu erörtern, ebenso wie die großen Herausforderungen der internationalen Lage: Gaza, Ukraine, die Klimakrise, Migration."

Zuvor hatte Mitsotakis erneut mit Nachdruck gefordert, London solle die Friesteile des Parthenon-Tempels auf der Athener Akropolis zurückgeben. Es sei, als würde man die "Mona Lisa" teilen und die eine Hälfte im Pariser Louvre und die andere im British Museum zeigen, hatte der Regierungschef der BBC gesagt. Der Streit um den Besitz der Altertümer währt seit Jahrzehnten. Der Parthenon-Tempel ("Jungfrauengemach") auf der Akropolis ist eines der berühmtesten noch existierenden Baudenkmäler des antiken Griechenlands. Der britische Diplomat Lord Elgin hatte Anfang des 19. Jahrhunderts die am besten erhaltenen Marmorplatten und -skulpturen des Parthenon-Frieses abbauen und nach England bringen lassen. Dort verkaufte er sie 1816 an das Britische Museum.

Doku "Holy Shit"

Eigentlich redet man nicht darüber – über das "große Geschäft", das wir alle tagtäglich verrichten. Und wenn wir doch darüber sprechen sollen, tun wir uns schwer, das richtige Wort zu finden. Ganz anders der Regisseur Rubén Abruña. Er hat einen ganzen Dokumentarfilm über den "Holy Shit" gedreht. Was geschieht mit der Nahrung, nachdem sie unseren Körper verlassen hat? Ist es Abfall oder eine Ressource, die wiederverwendet werden kann? Auf der Suche nach Antworten hat er 16 Städte auf vier Kontinenten besucht. Und dabei überraschende Einsichten und Lösungen gefunden, die unseren Blick auf das "Häufchen" von Grund auf verändern. "Holy Shit" kommt am 30. November in die Kinos.

Meine Merkliste

Alle Inhalte auf Ihrer Merkliste sind noch mindestens 3 Tage verfügbar.

Sie haben derzeit keine Videos in Ihrer Merkliste

Sie können ein Video der Merkliste hinzufügen, indem Sie das "+" am Teaser oder Beitrag anwählen.

Live

Statische Headline

1h 7min

3sat Logo

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutz-Einstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktivert, welcher dies verhindert. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der 3sat Mediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

3sat Logo

Offensichtlich ist in deinem Browser das Plugin "I don't care about Cookies" aktiviert. Eigentlich würden wir dir an dieser Stelle gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Dies wird durch das Plugin verhindert. Falls du die Webseite sehen und nutzen möchtest, prüfe, ob das Plugin in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.