Kultur

"Kulturzeit" vom 08.01.2024: Bauernproteste - mit dem Trecker nach Berlin

Die Themen der Sendung: Bauernprotest - Gespräch mit Rolf Heinze, Ausblicke 2024: Sarah Bosetti/Josef Hader, Nachruf auf Franz Beckenbauer, Wie aktuell ist Kant?, und der Film "Priscilla" von Sophia Coppola.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2024
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 04.04.2024

Die Themen der Sendung:

Bauernproteste - Gespräch mit Rolf Heinze

Der Bauernverband trägt seinen Frust über die Bundesregierung seit der Vorweihnachtszeit auf die Straße. Ab dem 8. Januar wollen die Landwirte mit einer Aktionswoche auf ihre Lage aufmerksam machen. Verbandspräsident Joachim Rukwied fordert die Koalition aus SPD, Grünen und FDP zur Rücknahme von Einsparplänen beim Agrardiesel auf. Am 4. Januar verkündete Nachbesserungen der Ampel hält er für unzureichend. Entsprechend wurde die Aktionswoche nicht abgesagt. Die meisten Auswirkungen der Proteste dürften die Menschen im Straßenverkehr erleben: In zahlreichen Städten und etwa an Autobahnen gibt es Blockaden und erhebliche Verkehrsbehinderungen. Am Brandenburger Tor in Berlin nahmen rund 550 Demonstranten mit ähnlich vielen Fahrzeugen am Protest teil, darunter zahlreiche Traktoren. Wir sprechen mit dem Soziologen Rolf Heinze über den Protest der Landwirte.

Ausblicke 2024: Sarah Bosetti und Josef Hader

Zum Jahresbeginn 2024 fragen wir Künstler*innen der 3sat-Länder, wie sie auf das neue Jahr blicken. Welche Wünsche, Hoffnungen und Sorgen gehen ihnen durch den Kopf? Welche künstlerischen Projekte, Pläne und Ideen möchten sie verwirklichen? Kriege halten immer noch an, die Demokratie steht unter Druck - die Gräben zwischen links und rechts, liberal und konservativ, arm und reich werden immer unüberbrückbarer. Wie nehmen sie die Lage wahr und welche Hoffnungen und Wünsche haben sie? Im ersten Teil der Reihe blicken die Comedians Sarah Bosetti und Josef Hader auf ihr 2024.

Zum Tod von Franz Beckenbauer

Franz Beckenbauer ist tot. Die größte deutsche Fußball-Legende starb am 7. Januar im Alter von 78 Jahren, wie seine Familie der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Auch weltweit gehörte Beckenbauer zu den Allergrößten im Fußball, er wurde Weltmeister als Spieler und Trainer, holte die WM 2006 nach Deutschland. Er war die viel gerühmte Lichtgestalt. Beckenbauer kam als Junioren-Spieler zum FC Bayern und stieg schnell zum Leistungsträger bei den Münchnern auf. Der Bub aus dem Stadtteil Giesing holte unter anderem vier nationale Meistertitel, wurde dreimal Sieger im Europapokal der Landesmeister und Weltpokalsieger. Mit seiner Eleganz und Leichtigkeit auf dem Spielfeld definierte er die Rolle des Liberos neu und krönte seine Karriere mit dem Gewinn der Heim-Weltmeisterschaft 1974. Zwei Jahre zuvor führte er bereits die deutsche EM-Siegermannschaft an. Nach einigen Jahren in den USA bei Cosmos New York, wo er mit Pelé in einem legendären Team spielte, kehrte Beckenbauer nach Deutschland zurück und gewann mit dem Hamburger SV 1982 noch einen Meistertitel.

Nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 1984 wurde er beim DFB auch ohne Trainerschein Teamchef und führte die Nationalmannschaft gleich ins WM-Finale 1986 gegen Argentinien (2:3). Vier Jahre später gelang mit dem WM-Triumph von Rom die Revanche gegen Diego Maradona & Co. Beckenbauer trat zurück - nicht ohne seinem Nachfolger Berti Vogts mit der Vorgabe der Unbesiegbarkeit eine schwere Hypothek mit auf den Weg zu geben. Als Trainer kehrte Beckenbauer noch zum FC Bayern zurück, als seine Münchner Mitte der 1990er-Jahre kriselten. Sein Charisma und seinen polyglotten Glanz nutzte der DFB bei der WM-Bewerbung für 2006. Das Sommermärchen wurde Beckenbauers Glanzstück als Funktionär - und zugleich für ihn persönlich schwierig. Es gab Vorwürfe, als dubiose Zahlungen publik wurden. Ehemalige deutsche Spitzenpolitiker nahmen Beckenbauer im Skandal um die WM 2006 in Schutz. Bei Beckenbauers imposantem Lebenswerk sorgen die Anschuldigungen um die WM-Vergabe mit dubiosen Millionenzahlungen für einen späten Beigeschmack. Im Sommer 2019 trennte die Schweizer Bundesanwaltschaft das Verfahren wegen des Verdachts des Betrugs gegen ihn von dem der Mitbeschuldigten ab. Letztlich verjährte es wie auch das gegen drei enge Wegbegleiter aus der Sommermärchen-Zeit.

Kant-Ausstellung in der Bundeskunsthalle

Zum 300. Geburtstag Immanuel Kants (1724-1804) zeigt die Bundeskunsthalle in Bonn 2024 eine große Überblicksausstellung über sein Leben und Werk. Der am 22. April 1724 in Königsberg (heute Kaliningrad) geborene deutsche Philosoph gilt als Vordenker der Aufklärung. Sein 1781 veröffentlichtes Werk "Kritik der reinen Vernunft" wird als Wendepunkt hin zur modernen Philosophie betrachtet. Die Ausstellung "Immanuel Kant und der Geist der Aufklärung", die bis zum 10. März zu sehen ist, richtet sich explizit auch an ein junges, nicht philosophisch vorgebildetes Publikum. Die gesamte Ausstellung wird beispielsweise durch eine wandhohe Graphic Novel begleitet, die Kants Biografie nachzeichnet und ihn als Mensch porträtiert. Seine Philosophie tritt in Dialog mit moderner und zeitgenössischer Kunst, darunter Werke von Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Alberto Giacometti oder Peter Fischli & David Weiss.

"Priscilla" von Sofia Coppola

Vom Erwachsenwerden junger Mädchen zu erzählen, sie sensibel in Szene zu setzen, ist die Spezialität von Sofia Coppola. In ihrem neuen Film porträtiert sie Priscilla Presley, für einige Jahre die Frau des "King of Rock'n' Roll". Als Priscilla 1959 ihrem Elvis in Deutschland begegnet, ist sie gerade mal 14 Jahre alt, der King ist zehn Jahre älter. Es knistert heftig, sie wird seine kindliche Königin, die er Jahre später heiraten wird. In Graceland ist für Priscilla das Märchen bald ausgeträumt, stattdessen erlebt sie die Launen, Affären und Drogenprobleme des Kings. Erneut inszeniert Coppola sehr gekonnt und präzise einen weiblichen Emanzipationsprozess, ihren Ausbruch aus dem Goldenen Käfig, wie wir ihn z.B. aus "Marie Antoinette" kennen. Die aus heutiger Sicht nicht einfache Liebesbeziehung einer Minderjährigen zu einem deutlich älteren Mann, dazu auch noch Superstar, wird bei ihr weder diffamiert noch kritisiert sondern mit aller Behutsamkeit entwickelt. Ihre "Priscilla" ist keine "Lolita", sondern das Porträt einer jungen Frau, die sich aus der herablassenden Bevormundung ihres Ehemannes befreien kann. Großartig als Priscilla ist Cailee Spaeney, die für ihre überragende Performance in Venedig als "Beste Darstellerin" ausgezeichnet wurde.

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