Kultur

"Kulturzeit" vom 29.08.2022: Afghanische Flüchtlinge in Albanien gestrandet

Die Themen der Sendung: Afghanische Flüchtlinge in Albanien gestrandet, "Kulturelle Aneignung" - Gespräch mit der Sozialanthropologin Serena Dankwa über eine vergiftete Debatte, Claudia Roth trifft den ukrainischen Kulturminister und Goethe-Medaille 2022.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2022
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 29.11.2022

Die Themen der Sendung:

Afghanische Flüchtlinge in Albanien

Shengjin an der nördlichen Adria-Küste, eine Auto-Stunde von der Hauptstadt Tirana entfernt, ist einer der großen Touristenhotspots Albaniens. Vor allem Albaner aus dem benachbarten Kosovo machen hier Urlaub. Im Hotel Rafaelo, einer der großen Bettenburgen vor Ort, leben neben den Urlaubern 800 Geflüchtete aus Afghanistan. Einst gehörten sie zur Führungsschicht Afghanistans, Politiker, hochrangige Militärs, Beamte, Sportlerinnen, Journalistinnen. Was für sie nur ein Zwischenstopp sein sollte auf dem Weg in die USA oder Kanada, ist zu einem fast einjährigen Aufenthalt in quälendem Warte-Modus geworden. NGOs tragen die Kosten für drei Mahlzeiten und Unterkunft. Doch bei aller Rund-um-Versorgung ist dies für die Geflüchteten ein unwirkliches Leben im Transit. Die afghanische Ärztin Frozan Ahmadi weiß um die psychischen Probleme, um das Warten, das sie und ihre Landsleute langsam mürbe macht, das Gefühl, von der Welt vergessen worden zu sein. Viele ihrer Patienten nehmen Antidepressiva.

Debatte über "Cultural Appropriation" in der Schweiz - Gespräch mit Serena Dankwa

Dürfen weiße Musiker Dreadlocks und afrikanische Kleidung tragen und Reggae spielen? Diese Frage wird in der Schweiz gerade heftig diskutiert. "Cultural Appropiration" - die "Kulturelle Aneignung" ist das aktuelle Reizthema im Land. Die "Enzyclopedia Britannica" definiert den Begriff als die ausbeuterische, respektlose oder stereotype Übernahme fremder Kulturtechniken und Symbole. Andere Definitionen sehen "kulturelle Aneignung" gegeben, wenn Mitglieder einer dominanten, in der Regel weißen Kultur Elemente einer Minderheitenkultur verwenden, die sie systematisch unterdrückt hatten, zum Beispiel Afrikaner*innen oder US-amerikanische Ureinwohner*innen. Nebst Karnevalskostümen von Indigenen ist auch das Tragen von Dreadlocks durch Weiße ein häufig genanntes Beispiel. Der Vorwurf der kulturellen Aneignung in der Musikindustrie ist alt. Viele weiße Produzenten - und Künstler wie Elvis - wurden mit Songs reich, die ursprünglich von schwarzen Komponisten stammen. Auch der weiße Rapper Eminem wurde in die Debatte verwickelt, sowie die britische Reggae-Band UB40. Jüngster Fall in der Schweiz ist die Reggae-Band "Lauwarm", die am 18. Juli im "Restaurant Brasserie" in Bern auftrat. Die Band spielt jamaikanische Musik, singt in Schweizer Mundart und trägt teils afrikanische Kleidung und Dreadlocks. Dies störte einige Besucherinnen und Besucher. "Mehrere Menschen" hätten "Unwohlsein mit der Situation" geäußert, schreibt das Lokal auf seiner Facebook-Seite. "Es ging dabei um die Thematik 'Kulturelle Aneignung'." Nach einem Gespräch mit der Band habe man entschieden, das Konzert abzubrechen. Das Restaurant entschuldigte sich bei "allen, bei denen das Konzert schlechte Gefühle ausgelöst hat". Wir sprechen mit der Sozialanthropologin Serena Dankwa über die helvetische Debatte über "Cultural Appropriation".

Ukrainischer Kulturminister trifft Kulturstaatsministerin Claudia Roth

Auf der Suche nach Unterstützung für die von Kriegsfolgen betroffene Kulturszene seines Landes ist der ukrainische Kulturminister Olexandr Tkatschenko in Berlin mit Kulturstaatsministerin Claudia Roth und der im Auswärtigen Amt für Kulturpolitik zuständigen Staatsministerin Katja Keul (beide Grüne) zusammengetroffen. Im Mittelpunkt stand für Tkatschenko der Erhalt ukrainischer Kulturerbestätten, die vor dem Winter gesichert werden müssten. Auch Unterstützung für ukrainische Künstlerinnen und Künstler sei notwendig, von denen bis zu 80 Prozent weiter im Land lebten. "Das gesamte Land verteidigt gerade jetzt Werte, Identität und kulturelles Erbe des Europäischen Union", betonte Tkatschenko. Kulturstaatsministerin Roth sagte, dass bereits umfangreiche Programme für den Kulturgüterschutz auf den Weg gebracht worden seien. Ziel des russischen Angriffskrieges sei es "ganz offensichtlich, die kulturelle Identität der Ukraine zu zerstören". Auch Keul sicherte der Ukraine weiter "uneingeschränkt" Unterstützung zu. "Wir haben diverse Programme speziell für die Ukraine aufgestockt." Bei der Unterstützung für die Ukraine gehe es nicht nur um Wirtschaftssanktionen und Waffen, "sondern vor allen Dingen eben auch im kulturellen Bereich, den Austausch der Zivilgesellschaft am Leben zu erhalten und kontinuierlich zu fördern".

Goethe-Medaille 2022

Die Goethe-Medaille, das offizielle Ehrenabzeichen der Bundesrepublik Deutschland, ist nach zwei Jahren Pandemiebedingter Fern- und Online-Vergabe am 28. August 2022 - Johann Wolfgang Goethes Geburtstag - wieder bei einer großen Feier in Weimar vergeben worden. Die Medaille wird vom Goethe-Instituts an drei internationale Preisträger*innen verliehen, die sich in besonderer Weise für die Vermittlung von Kunst, Kultur und Gesellschaftsthemen verdient gemacht haben. Es ist aber kein Popularitätspreis - und so sind auch in diesem Jahr die Gewinner*innen politisch, kritisch und vielleicht sogar so etwas wie der widerspenstige Kulturstachel in ihren Herkunftsregionen. Die Goethe Medaille 2022 geht an den Maler und Aktivisten Mohamed Abla aus Ägypten, an das Kunst- und Kulturmanager-Duo Sandbox Collective aus Indien und an Tali Nates in Südafrika, die das Holocaust and Genocide Centre in Johannesburg gegründet hat.

Doris Dörries neuer Film "Freibad"

Seit 1886 sonnen sich ausschließlich Frauen im Lorettofreibad in Freiburg: Das einzige Damenbad in Deutschland. Im Sommer 2017 sorgte die Freiburger Badeanstalt für viel Wirbel, denn es wurde zum Schauplatz eines Geschlechter- und Kulturkampfes. Wie das? 150 Jahre lang waren die Freiburgerinnen unter sich, keine Ausländerinnen, keine Muslima. Außerdem legte man Wert auf Bademeisterinnen, akzeptierte aber auch mal einen Mann, damit das Lollo, wie es genannt wird, überhaupt geöffnet bleibt. Schließlich herrscht, wie überall in Deutschland, Bademeister*innen-Not. Das wiederum wollte eine junge deutsche Muslima nicht hinnehmen und startete 2017 eine Petition gegen den Einsatz von Männern als Bademeister. Gleichzeitig kamen immer mehr Muslima aus der weitreichenden Umgebung, aus dem Elsass, aus der Schweiz, um unter sich zu sein. Die Folge waren Konflikte, die teilweise sogar zu Schlägereien führten. Muslima aus der Schweiz, gegen die aus dem Elsass, deutsche Stammgäste, die in Ruhe oben ohne sonnenbaden wollten, gegen alles Fremde. Mehrfach musste die Polizei anrücken. Ursula März veröffentlichte 2017 in "Die Zeit" 2017 einen so inspirierenden Artikel, dass Doris Dörrie daraus einen Film machte, der am 1. September in die Kinos kommt.

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