Kultur

"Kulturzeit" vom 23.01.2023: 100 Jahre Frankfurter Institut für Sozialforschung

Die Themen der Sendung: 100 Jahre Frankfurter Institut für Sozialforschung, Energiemuseum Berlin, der Film "Aus meiner Haut" und Maler-Star Daniel Richter

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2023
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 30.01.2023

Die Themen der Sendung:

Adornos Erben - 100 Jahre Institut für Sozialforschung in Frankfurt a.M.

Lützerath ist geräumt, doch die Bilder von Demonstranten, die sich Schlachten mit der Polizei liefern bleiben im kollektiven Gedächtnis: Radikale Proteste, angetrieben von der Angst vor der Klimakatastrophe – ein Symptom dafür, wie wir durch die Unterwerfung der Natur unsere Zukunft begraben? Für den Direktor des Frankfurter Instituts für Sozialforschung Stephan Lessenich ist klar: "Was wir in Lützerath sehen, sind gesellschaftliche Auseinandersetzungen um die Beziehungen dieser Gesellschaft zu den Naturverhältnissen. Es gibt jetzt Akteure in der Gesellschaft, die darauf hinweisen, dass unser Verhältnis zur Natur zerstörerisch ist, und zwar selbstzerstörerisch. Und das ist, glaube ich, auch eine ganz zentrale Überlegung der Kritischen Theorie."

Theodor W. Adorno warnte schon früh vor den Folgen einer Welt, in der ein Fortschrittsglaube, der die eigenen Interessen über die der Natur erhebt im Mittelpunkt steht. Gemeinsam mit Max Horkheimer machte er das Frankfurter Institut für Sozialforschung zur Wiege der "Frankfurter Schule", eine Art antikapitalistische Denkschule. Vor genau 100 Jahren, am 23. Januar 1923 wurde das Institut von dem wohlhabenden Getreidehändler Felix Weil gegründet, um Theorie und Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung zu erforschen. 1931 übernimmt Max Horkheimer die Leitung des Instituts. Er bringt jüdische Intellektuelle wie Theodor W. Adorno, Erich Fromm oder Siegfried Kracauer zusammen, um die gesellschaftlichen Verhältnisse aus einer kritischen Position zu analysieren. Unter den Nazis wird das Institut geschlossen. Nach dem Krieg kehren Horkheimer und Adorno aus dem US-amerikanischen Exil zurück. "Es gibt kein richtiges Leben im Falschen", dieses geflügelte Wort Theodor W. Adornos bringt die gesellschaftskritische Haltung der "Frankfurter Schule" auf den Punkt und meint damit vor allem eins: die Bedingungen, die der Mensch sich im Kapitalismus erschafft, halten diesen davon ab, mündig und selbstbestimmt zu leben.  Dies hat für Adorno auch mit dem Fortschrittsglauben zu tun: Der Mensch will die Natur beherrschen und unterwirft sich dabei allein diesem Ziel – so entsteht ein Wettbewerb, bei dem das eigene Interesse wichtiger wird, als die Interessen aller. Diese Unfähigkeit zur Identifikation war für Adorno die wichtigste Bedingung dafür, dass der Holocaust hat stattfinden können.

Institut für Sozialforschung in Frankfurt
Institut für Sozialforschung in Frankfurt
Quelle: dpa

Die kritische Theorie wollte einen Rückfall in alte Mentalitäten stets verhindern. 1968 wurden deren Theorien zum Stichwortgeber für die Studentenproteste. Mit scharfzüngigen  Intellektuellen wie Jürgen Habermas prägte das Institut die geistige Physiognomie der alten Bundesrepublik maßgeblich. Unter Axel Honneth geriet die Bedeutung von Anerkennung in der Gesellschaft und damit sozialphilosophische Fragen mehr in den Mittelpunkt. Der aktuelle Direktor Stephan Lessenich will das Institut internationalisieren und sich verstärkt feministischen und postkolonialen Fragen widmen. Wie kommen wir raus aus Zwangsverhältnissen, in die wir uns selbst hineinbegeben haben - angesichts der Krisen unserer Zeit ist diese Frage der kritischen Theorie aktueller denn je. "Nur wenn was ist, sich ändern lässt, ist das was ist nicht alles." Dieses Zitat  von Adorno gilt noch immer - auch 100 Jahre nach Gründung des Frankfurter Instituts für Sozialforschung.

"Die Unterwerfung" - Gespräch mit Philipp Blom

‎"Macht euch die Erde untertan": Vor rund 3000 Jahren legte der Autor ‎der biblischen Schöpfungsgeschichte, Gott diese Aufforderung an die ‎Menschen in den Mund. Damit war die Idee geboren, dass der Mensch ‎eine Sonderstellung auf der Erde einnimmt, weit über den Tieren steht ‎und die natürlichen Ressourcen rücksichtslos ausbeuten darf. Technik und Wissenschaft, aber ‎auch der Kolonialismus der Europäer bedienten sich daran.‎ Doch diese Idee ist an ihr Ende gekommen, sagt jedenfalls der ‎Historiker und Buchautor Philipp Blom.

In seiner gerade veröffentlichten ‎Universalgeschichte der Umwelt "Die Unterwerfung. Anfang und Ende der menschlichen Herrschaft über die Natur" spricht er ‎von einem "kollektiven Wahn", der die Menschheit heute an den Rand ‎des Abgrunds führt. Der Mensch ist ein Primat, der sich hoffnungslos ‎selbst überschätzt. "Anstatt eines himmlischen Jerusalem erscheinen in ‎der mittleren Distanz ein Sodom und Gomorrha." Blom sieht die Menschheit derzeit in einer einzigartigen Situation: Pandemien und insbesondere der Klimawandel zeigen, dass die bronzezeitliche Illusion vom Menschen als Krone der Schöpfung definitiv an ein Ende gekommen ist. "Endzeitmomente gab es immer wieder. Jetzt wird diese Endzeitrhetorik aber zum ersten Mal durch fundierte Wissenschaft und Forschung untermauert", so der Autor. Wir sprechen mit Philipp Blom über sein Buch.

Das Energie-Museum Berlin

Das Batteriespeicherwerk Steglitz war einmal das größte in ganz Deutschland. Heute ist in dem Gebäude das Energie-Museum Berlin untergebracht, das Daten, Fakten und Ausstellungsstücke aus der rund 130-jährigen Elektrizitätsgeschichte Berlins beheimatet. Teil 3 unserer Reihe "Die Energie, die Krise und wir", die Geschichten aus den 3sat-Ländern rund um den Umgang mit Energie sammelt.

"Aus meiner Haut" eröffnet Max-Ophüls-Preis-Filmfestival

In Saarbrücken beginnt am 23. Januar das 44. Filmfestival Max Ophüls Preis für den jungen deutschsprachigen Film. Nach einer Online- und einer Hybrid-Ausgabe wegen der Corona-Pandemie wird es wieder in Präsenzform stattfinden, ergänzt um einige Online-Angebote. Eröffnet wird das Festival mit dem Spielfilm "Aus meiner Haut" von Alex Schaad. Im Film des zweifachen Ophüls-Preisträgers Alex Schaad tauschen Leyla und Tristan mit einem anderen Paar die Körper. Besonders Leyla ist glücklich und erfüllt über das neue Lebensgefühl. Dann weigert sie sich jedoch, zu ihrem alten "Ich" zurückzukehren. Neben dem Filmteam werden unter anderem auch Barbara Philipp, Peter Lohmeyer, Ben Münchow und Pegah Ferydoni in Saarbrücken erwartet. Bis 29. Januar werden dort insgesamt 127 Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in 225 Vorstellungen gezeigt. "Aus meiner Haut" startet am 2. Februar in den deutschen Kinos.

Doku über Malerstar Daniel Richter

Daniel Richter, einer der wichtigsten Maler der Gegenwart – portraitiert von Pepe Danquart, dem Regisseur, der für seinen Kurzfilm "Schwarzfahrer" 1994 mit dem Oscar prämiert wurde. Da sind die Erwartungen an ein Künstlerportrait hoch. Drei Jahre lang hat Pepe Danquart den Ex-Punk Daniel Richter, dessen Werke heute am Kunstmarkt für Millionen gehandelt werden, für seinen Dokumentarfilm begleitet. Er zeigt ihn beim Malen, beim Yoga, mit Künstlerfreunden wie Jonathan Meese, bei Verhandlungen mit Galeristen, Galadiners in Paris und Ausstellungseröffnungen in New York. Ab dem 2. Februar ist er in den deutschen Kinos zu sehen.

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