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Kultur

Das Scheitern des Schahs

Am 26. Oktober 2019 wäre Schah Mohammad Reza Pahlavi 100 geworden. Angetreten, den Iran zu einem modernen Staat westlichen Stils zu entwickeln, endet seine Herrschaft mit der Flucht 1979.

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DE
Verfügbar bis:
bis 25.10.2019

Nur ein Jahr später stirbt er in Kairo im Exil. Die "Weiße Revolution" des Schahs war endgültig gescheitert. Einst als großer Reformer gefeiert, endet der letzte Herrscher auf dem Pfauenthron als verhasster Despot. Die Doku rekapituliert die Ursachen seines Scheiterns.

Gesellschaftliche Modernisierung - der Westen als Vorbild

Besonderes Augenmerk legt sie auf die Kulturszene jener Jahre, die eine starke Annäherung an den Westen, vor allem den engen Schulterschluss mit den USA brachte. Viele Jahre sah man im Reformprogramm des Schahs, in seiner Charta der Weißen Revolution, die Chance auf Wohlstand, Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit. Seine Pläne betrafen nicht nur Wirtschaft und Politik. Der Schah legte auch ein beeindruckendes Programm für eine gesellschaftliche Modernisierung vor: für eine Alphabetisierung des Landes durch die allgemeine Schulpflicht und für die zivilgesellschaftliche Partizipation von Frauen, ihre Befreiung von rigiden religiösen Barrieren.

Und tatsächlich: Frauen stießen in der weiteren Entwicklung beruflich bis zu politischen und Richter-Ämtern vor. Ikonen der Befreiung der Frau wurden die Ehefrauen des Schahs selbst, sie standen für internationalen Chic. Farah Diba wurde zur inoffiziellen Kulturbotschafterin ihres Landes. Sie gründete das Teheraner Museum für zeitgenössische Kunst und legte selbst eine Kunstsammlung an, die bis heute legendär ist. Rund 4000 Werke, von Renoir bis Warhol, die heute auf einen Wert von 2,5 Milliarden Dollar geschätzt werden.

Reformen spalten das Land

Doch mit den Reformen schien das Land zunehmend in eine kulturelle Zerrissenheit zu geraten. An den Stränden im Norden des Iran sah man spätestens ab Ende der 60er-Jahre Frauen in Bikinis neben tief im Tschador verschleierten. Zeichen gesellschaftlichen Pluralismus oder dramatischen Konfliktpotenzials?

Die Kulturszene blühte zunächst auf unter Schah Reza Pahlavi. Doch gerade Künstler wurden zunehmend auch zu kritischen Instanzen. Romane und Dokumentarfilme, die die Schattenseiten des Schah-Regimes beschreiben, wurden verboten. Politische Gegner, Intellektuelle und Regimekritiker, die gegen Pressezensur und für eine Beteiligung an politischen Entscheidungsprozessen kämpften, ließ der Schah bespitzeln. Der 1957 gegründete Geheimdienst SAVAK, der bis zu 50 000 Mitarbeiter zählte, zog ein engmaschiges Spitzelnetz über den ganzen Iran und wurde zum Instrument des diktatorischen Regimes.

"Schahdämmerung"

Während wirtschaftspolitische Programme wie etwa die Bodenreform im Land scheiterten, sich die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr öffnete, zelebrierte der Schah einen extremen Personenkult. Zunehmend zeigte sich die Bevölkerung angeekelt von den Pahlavis und ihrem luxuriösen Lebensstil. Es begann die Zeit der "Schahdämmerung". Im Herbst 1977 lud das Teheraner Goethe-Institut gemeinsam mit Germanisten der Universität Schriftsteller zu freien Lesungen und Aussprachen in die Bibliothek des Goethe-Instituts. Der Lesezyklus vom Herbst 1977 wurde zu einem Fanal der Revolution. Die Veranstaltungen wurden wegen des großen Andrangs schließlich in die Räume des Deutschen Seminars verlegt und lockten Tausende in die Universität. In den Räumen des Goethe-Instituts wurde im November 1977 der erste freie Autorenverband in der Geschichte des Iran gegründet.

Neben der kulturellen wurde die religiöse Opposition zum Weg des Widerstands. Die Mullahs versprachen allen Iranern eine gerechte Ordnung und mehr Teilhabe am Wohlstand. Aber auch einen Rückweg zu originär eigenen kulturellen Wurzeln. Die Geistlichen wetterten gegen den Schah und die Verwestlichung des Landes, die die Bräuche und moralischen Werte überrollte.

Revolution

Der Traum des Schahs, sein Land zu modernisieren und an westliche Standards heranzuführen, scheiterte nicht zuletzt vielleicht genau an diesem Anspruch. Viele Iraner sahen sich in ihrer eigenen kulturellen Identität bedroht. Die Mullahs wussten dies für sich zu nutzen und riefen die islamische Revolution aus. Als der Schah am 16. Januar 1979 das Land verließ, machten sie den Iran zu ihrem Gottesstaat. Die Folgen dieses Umbruchs beschäftigen die Welt politisch bis heute.

In der Dokumentation äußern sich zahlreiche Prominente, Künstler und Intellektuelle aus dem Iran. Darunter die Witwe des Schahs und letzte Kaiserin, Farah Diba, die Trägerin des Friedensnobelpreises, Shirin Ebadi, und die Schriftsteller Amir Hassan Cheheltan und Bahman Nirumand.

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