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Kultur

Effi Briest oder die Elastizität des Herzens

Das Jahr 2019 ist Fontane-Jahr. Am 30. Dezember wird der 200. Geburtstag des Dichters gefeiert, der den realistischen Roman in Deutschland etablierte. Sein wohl bekanntestes Werk ist Effi Briest.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 06.03.2020

Es wurde fünfmal verfilmt, so oft wie kein anderer deutschsprachiger Roman. Mehrere Generationen haben Effi durch diese Verfilmungen kennengelernt. Jede Zeit hatte dabei ihre eigene, sehr spezifische Effi-Interpretation.

Effi Briest oder die Elastizität des Herzens
Quelle: Norbert Busé

Die Dokumentation zeigt, wie Fontane mit ihr eine emblematische Frauenfigur erschaffen hat, die auch in Zukunft keine Generation ganz unberührt lassen wird. Und sie fragt, was die unterschiedlichen Verfilmungen über das jeweilige historische Frauenbild erzählen.

Längst ist Effi Briest Teil unseres kulturellen Erbes geworden. Wie ist Fontanes eigene Haltung zu ihr, warum beschäftigte sie ihn so? Kann man den Dichter mit der Liebe zu den ausdifferenzierten Frauenfiguren vielleicht sogar als einen frühen Wegbereiter weiblicher Emanzipationsbemühungen verstehen?

Die erste Effi Briest-Verfilmung fiel in die Zeit des Nationalsozialismus. Gustav Gründgens inszenierte den Stoff 1939 in seinem Privatschloss in Zeesen mit seiner Frau Marianne Hoppe in der Hauptrolle. Die nächste Leinwand-Effi ist eine der Wirtschaftswunderzeit. Auf dem Rittergut Besenhausen setzte Regisseur Rudolf Jugert 1955 die junge Ruth Leuwerik in „Rosen im Herbst“ in Szene. Ende der 1960er Jahre widmeten sich in der DDR die DEFA-Studios dem Stoff, in der Hauptrolle Angelika Domröse. 1974 spielt Hanna Schygulla Effi, Regie führt Rainer Werner Fassbinder. Drehort war Schloss Breedeneck in Norddeutschland. Schließlich die jüngste Verfilmung: Hermine Huntgeburth inszeniert Effi Briest auf Schloss Marquardt bei Potsdam. Die Effi von 2009, dargestellt von Julia Jentsch, erlebt auf der Leinwand sowohl Vergewaltigung, als auch sexuelle Erfüllung.

Effi Briest oder die Elastizität des Herzens
Quelle: Norbert Busé

Fünfmal Effi Briest und eine spannende Zeitreise zu den ehemaligen Drehorten, mit Filmausschnitten und Dokumenten, die das jeweilige Frauenbild widerspiegeln. Expertinnen begleiten diese filmische Reise. Darunter die Leiterin des Potsdamer Filmmuseums Ursula von Keitz, die sich intensiv mit den Effi-Filmen beschäftigt hat. Die junge Dresdner Historikerin Jessica Bock erklärt, warum die spezifischen Rollenbesetzungen so viel über das jeweils herrschende Frauenbild preisgeben. Die Lyrikerin Nora Gomringer schwärmt von ihrer Lieblingsverfilmung des Effi-Stoffes, und in der noch unglaublich gut erhaltenen Fontane Apotheke erklärt Regina Dieterle, die Zürcher Biografin Fontanes, warum der Dichter immer schon einen besonderen Zugang zu Frauen hatte.

Nach dem Fontane-Jahr mit seinen unzähligen Veranstaltungen wird es wieder ruhiger um den Schriftsteller werden. Ganz sicher aber wird es in der nächsten Generation eine sechste Effi-Verfilmung geben. Die Dokumentation verrät, warum.

Die Effi-Briest-Filme auf einen Blick

Titel

Hauptdarstellerin

Regie

Jahr

Der Schritt vom Wege

Marianne Hoppe

Gustaf Gründgens

1939

Rosen im Herbst

Ruth Leuwerik

Rudolf Jugerts

1955

Efiie Briest

Angelika Domröse

Wolfgang Luderer

1970

Fontanes Effi Briest

Hanna Schygulla

Rainer Werner Fassbinder

1973

Effi Briest

Julia Jentsch

Hermine Huntgeburth

2009

Satire Effi Briest

Anna Maria Mühe

Jan Böhmermann

2017

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