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Kultur

Früchte des Zorns - Das kulturelle Erbe der Arabellion

Seit zehn Jahren geht in Nordafrika und im Nahen Osten die Jugend für ihre Freiheit auf die Straße. Nicht mit Waffen und Gewalt - mit Texten, Beats und Mikrofonen. Wer waren diese Rebell*innen, wer sind sie heute?

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Verfügbar in
D / CH / A
Verfügbar bis:
bis 14.11.2021

Die so genannte „Arabellion“ war geprägt von jungen Menschen, die aufbegehrten gegen autoritäre Regime und Despoten, die sie in ihrer Meinungsfreiheit einschränkten und ihr künstlerisches Schaffen unterdrückten. In Flashmobs, Graffitis und Rap-Musik entlud sich ihre kreative Kraft. Voller Hoffnung war diese Zeit, und doch riefen die Unruhen andere, neue Unterdrücker auf den Plan. Für die 3sat Kulturdokumentation „Früchte des Zorns – Das kulturelle Erbe der Arabellion“ reisen wir nach Ägypten, Tunesien und in den Libanon. Wir treffen dort Künstler*innen und Kreative, die damals mittendrin, ja treibende Kräfte und Sprachrohre waren und bis heute sind.

Am 17. Dezember 2010 verbrannte sich der tunesische Straßenhändler Mohamed Bouazizi aus Verzweiflung über seine aussichtslosen Lebensbedingungen. Die darauf folgenden Proteste hunderttausender Tunesier gegen das Regime führten zur Absetzung des Diktators Ben Ali. Eine wichtige Rolle zur Mobilisierung spielten die sozialen Medien. Lina Ben Mhenni war eine der Ikonen der tunesischen Revolution. Ihr Blog „A Tunisian Girl“ wurde unter Ben Ali verboten und zensiert. Wir treffen die Bloggerin und beleuchten, wie es ihr in den zehn Jahren nach der so genannten „Arabellion“ bis zu ihrem Tod im Januar 2020 ergangen ist.

Der Soundtrack der Arabellion: Mashrou’ Leila

Außerdem sind wir mit der Band Mashrou’ Leila unterwegs. Die vier jungen Männer aus dem Libanon machten den Soundtrack der Revolution. Zu ihren Songs gingen die Menschen in der arabischen Welt auf die Straße. In den Texten kritisieren sie Nationalismus, Korruption, Gewalt gegen Frauen und das Gesetz gegen sogenannte widernatürliche sexuelle Beziehungen. Sänger Hamed Sinno ist offen schwul – nach wie vor eine Seltenheit in arabischen Ländern. Auch für diese Haltung genießt Mashrou’ Leila Kultstatus – und ist mittlerweile international erfolgreich. Dass die Musik in der Region heute wilder, ungeschönter, weniger kommerziell und mutiger ist, sind die Früchte der Revolution. Doch leben zwei der vier Bandmitglieder nicht mehr in ihrer Heimat. Zu viel ist passiert.

Dreh und Angelpunkt der Revolution in Ägypten war der Tahrir-Platz – der „Platz der Befreiung“. Heute ist er eine Betonwüste – es erinnert nichts mehr an den Aufbruchsgeist von vor zehn Jahren. Noch immer lebt die Karikaturistin Doaa El-Adl in Kairo. Die 41-Jährige zeichnet, worüber in der ägyptischen Gesellschaft wenig gesprochen wird: die Heirat Minderjähriger, Weltpolitik, Islamismus, die Rolle des Militärs. Ein gefährlicher Job in Ägypten, wo unabhängiger Journalismus, ob in Schrift oder Bild, kaum möglich ist. Wir treffen die Künstlerin bei ihrer täglichen Arbeit und sprechen mit ihr über ihren Umgang mit Zensur und Gefahr.

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