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Kultur

2014: Geheimnisvolles Turfan - Von der Seidenstraße zum Humboldtforum

Bisher konnte noch kein deutsches Fernsehteam hier drehen. Jetzt ist es gelungen, in eine abgelegene Region Chinas zu kommen, die als Teil der Seidenstraße einen legendären Ruf genießt.

Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 19.12.2020

"Schlimm, was damals passiert ist", findet Klaas Ruitenbeek, Direktor des Museums für Asiatische Kunst in Berlin. Und Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, will, dass künftig im Berliner Humboldtforum die ganze Geschichte der deutschen, archäologischen Beutezüge an der Seidenstraße erzählt wird. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten zwei Berliner Archäologen die Höhlen von Turfan fachmännisch geplündert. Davon erzählt die Dokumentation "Geheimnisvolles Turfan. Von der Seidenstraße zum Humboldtforum" von Carola Wedel.

Vor den Höhlen von Turfan steht eine eiserne Statue eines Buddhas.
Anfang des 20. Jahrhunderts hatten zwei Berliner Archäologen die Höhlen von Turfan fachmännisch geplündert.
Quelle: René Feldmann

An der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert: Die Museumswelt des deutschen Kaiserreiches ist nervös geworden. Russische und schwedische Expeditionen berichten über sensationelle Funde an der Seidenstraße, ein internationales archäologisches Wettrennen beginnt. Da möchten auch die Deutschen nicht hinten anstehen. Der Direktor des Berliner Völkerkundemuseums, Albert Grünwedel, und sein Mitarbeiter Albert von le Coq - ein Lebemann, Turkologe und Erbe einer Wein- und Bierdynastie - brechen zu einer anstrengenden Abenteuerreise auf. Doch ihre Mühen werden belohnt: Was sie vor Ort antreffen, verzückt die beiden Alberts. Einheimische zeigen ihnen frühe Zeugnisse der Buddhismus-Kultur, wie man sie nicht kannte, Artefakte über den Lauf der Weltgeschichte. Und nach viel Überzeugungsarbeit führen sie die beiden Forscher sogar in bis dahin unbekannte Höhlen mit wunderbaren Fresken.

Der blaue Buddha - gut erhaltendes Wandgemälde in den Höhlen von Kizil.
Der blaue Buddha - gut erhaltendes Wandgemälde in den Höhlen von Kizil.
Quelle: Jürgen Dombrowski


Le Coq und Grünwedel freuen sich über die friedliche Naivität der Uiguren, jenes Volkes, das heute gegenüber der chinesischen Zentralregierung in Peking um seine Identität kämpft. Damals, vor gut 100 Jahren, wurden die beiden deutschen Archäologen eher freundlich begrüßt. "Die Einwohner des Landes, so harmlos liebenswürdig wie kein anderes mir bekanntes Volk", schreibt Albert von le Coq in seinem Bericht. In den Höhlen aber bemerken die Forscher erste Zerstörungen: Von Muslimen ausgekratzte Augen in den Darstellungen, von Einheimischen abgetragene Lehmziegel zur Verwendung als Brennmaterial.

Steinhöhlen in der Landschaft
Die Doku zeigt die Schönheit karger Landschaften.
Quelle: Jürgen Dombrowski

Anlass genug für die Deutschen, zuzugreifen und den Erfolg ihrer insgesamt vier Turfan-Expeditionen zu sichern: Le Coq lässt großflächige Steinbilder aus den Höhlenwänden herausmeißeln, packt allein bei der zweiten Turfan-Expedition mehr als 100 Kisten. Wenige Monate später ist alles in Berlin. Als Klaas Ruitenbeek, Direktor des Museums für Asiatische Kunst in Berlin, nun im Museum in Turfan die Duplikate aus jener Zeit sieht, hat er ein pikantes Deja-Vu: "Ach, die sind mir sehr vertraut, die Originale sind bei uns im Museum in Berlin", ruft er vor laufender Kamera aus. Da wird nichts geleugnet, so dass die chinesischen Gastgeber erleichtert aufatmen.

Carola Wedel hat Klaas Ruitenbeek auf seiner Reise nach Turfan begleitet. Ihr Film dokumentiert schonungslos und doch subtil diese archäologische Epoche der deutschen kaiserlichen Kolonialmacht. Er zeigt die Schönheit der kargen Landschaften und die Lebensfreude des uigurischen Volkes. Und auch die Entschlossenheit der Berliner Museumspolitik, im künftigen Humboldtforum dieses Kapitel der Kulturgeschichte zu einem erkenntnisreichen, harmonischen Ende zu führen.

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