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Gesellschaft

Sehen statt Hören vom 22. November 2019

"Sehen statt Hören" ist das einzige TV-Magazin für Menschen mit Hörbehinderung in Gebärdensprache. Offene Untertitel sind fester Bestandteil der Sendung und kein Zusatzangebot.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 22.11.2020

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo hat sich bei der Übergabe der gesammelten Unterschriften die Zeit genommen, sich mit den Anliegen der Eltern gehörloser Kinder vertraut zu machen.

Es gibt Hunderte solcher "Einzelfälle", Kinder, die den Unterricht ohne Gebärdensprache nicht verstehen. Unterricht in Lautsprache mit unterstützenden Gebärden (LUG) an Hörbehindertenschulen ist immer noch die Regel - wie etwa an der Hörbehindertenschule Dresden. Hier gibt es bisher kein barrierefreies Bildungsangebot, denn die Lehrer haben keine oder nur geringe DGS-Kompetenz (Deutsche Gebärdensprache). Und eine Veränderung dieses Mangels ist auch nicht in Sicht - denn es kommt zu wenig qualifizierter Nachwuchs auf den Arbeitsmarkt.

Weniger als fünf Prozent der Lehrer am Förderzentrum Dresden haben Kenntnisse in Gebärdensprache. Doch auch diese Minderheit ist überfordert, wenn sie alleine unterrichten in einer gemischten Klasse mit gehörlosen, schwerhörigen und CI-Kindern. Den individuellen Bedürfnissen und unterschiedlichen Kommunikationssituationen können sie so nicht gerecht werden. Und wie dieses "gerecht werden" aussieht, da gehen die Meinungen auseinander.

Doch es geht auch anders: Vor drei Jahren entstand in der Gemeinschaftsschule am Roten Berg in Erfurt die erste bilinguale Inklusionsklasse Deutschlands. Hier lernen hörende, gehörlose und schwerhörige Schüler gemeinsam in deutscher Laut- und Gebärdensprache. Das Konzept dahinter: Der bilinguale Unterricht wird von zwei Lehrkräften durchgeführt - jede Lehrkraft eine Sprache. Eine rühmliche Ausnahme. An 80 Prozent der Hörbehinderten-Schulen gibt es keine gebärdensprachliche Förderung. Wie kommt das?

Gehörlose Kinder und ihre Eltern wollen nicht länger warten bis die Politik endlich handelt. Deshalb hat der Gehörlosenverband München GMU die Fachtagung "Inklusive Bildung durch Gebärdensprache" organisiert. Sie haben Fachleute eingeladen, um mit ihnen gemeinsam zu diskutieren und einen Forderungskatalog zu erstellen, der dann an die Politik übergeben werden soll. Rund 100 Eltern, Lehrer und Fachleute sind gekommen.

Und immer mehr Eltern ergreifen auch selbst die Initiative - und versuchen für ihre gehörlosen Kinder Gebärdensprachdolmetscher für den Unterricht an den Förderschulen zu bekommen. Schließlich ist wissenschaftlich längst erwiesen, dass bimodale-bilinguale Bildungskonzepte für alle Kinder vorteilhaft sind. Doch die Anträge sind kompliziert und werden praktisch immer abgelehnt. Eine Ausnahme ist Familie Mittländer: Der Antrag auf bilingualen Unterricht für die Kinder wurde zwar abgelehnt, dem Dolmetscher dann jedoch nach zähem Ringen zugestimmt. Für die Schulleitung hier ist der Einsatz von Dolmetschern im Unterricht ein gangbarer Weg.

Dolmetscher für gehörlose Kinder an Regelschulen sind inzwischen üblich, aber der Einsatz an Förderschulen ist noch Neuland und eigentlich paradox. Ist das die Lösung des Problems? Nein. Es kann nur eine Zwischenlösung sein - da sind sich das Kulturministerium Sachsen und die Eltern einig. Doch der erste Schritt ist gemacht, Kontakte zwischen Politik und Betroffenen geknüpft und erste Ergebnisse sichtbar.

Die Lautsprache ist immer noch Bildungsziel Nummer eins an den Förderschulen für Hörbehinderte. Und Gebärdensprache wird nur als Notbehelf und Unterstützung gesehen. Damit sich daran wirklich etwas ändert, braucht es ein Umdenken und die Anerkennung, dass Deutsche Gebärdensprache und Deutsch gleichwertig sind. Und es braucht die Erkenntnis, dass die Kinder und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen.

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