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Gesellschaft

Kinder gehörloser Eltern - CODA

Das Gefühl anders zu sein. Das kennen hörende Kinder gehörloser Eltern (Children of Deaf Adults - CODAs) seit ihrer frühen Kindheit. Denn sie wachsen mit zwei Sprachen und Kulturen auf. Für manche ist das bereichernd, für andere stellt sich die Frage nach der eigenen Identität. Sehen statt Hören hat mit zwei CODAs über ihr Anderssein gesprochen.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 11.09.2021

Für manche ist das sehr bereichernd. Gerade für ältere CODAs stellt sich jedoch häufig die Frage nach der eigenen Identität und Zugehörigkeit. "Sehen statt Hören" hat mit zwei CODAs über ihr Anderssein gesprochen.

Rita Mohlau wird 1971 hörend geboren. Von klein auf wird in der Familie gebärdet. Rita hat eine enge Bindung zu ihren Eltern. Nach der Schule will Rita wie viele andere Jugendliche auch erst einmal von Zuhause weg. Ritas Vater wollte das nicht, "Nein, Rita bleibt hier", waren seine Worte. Die Mutter war zwar traurig, aber verständnisvoll. Für Rita eine schwierige Situation: auf der einen Seite der Wunsch, das eigene Leben zu entdecken, auf der anderen Seite ein hohes Verantwortungsbewusstsein ihren Eltern gegenüber.

Rita blieb - aber es war schwer, sich von den Eltern abzugrenzen. Sie hatte immer das Gefühl, helfen zu müssen. Und ihr Vater forderte das auch wie selbstverständlich ein. Gegenüber dem Vater musste sie schließlich Grenzen aufzeigen, was ihr sehr schwer fiel. So wie Rita geht es vielen Codas: "Nein" zu sagen, ohne das Gefühl, die eigenen Eltern dabei zu verletzen oder etwas falsch zu machen, ist für sie sehr schwer.

Rita macht eine Ausbildung zur Erzieherin. Nach einigen Jahren bekommt sie ein Burnout. Während dieser Zeit erfährt sie vom berufsbegleitenden Studium "Gebärdensprachdolmetschen" in Zwickau. Heute arbeitet Rita erfolgreich als Gebärdensprachdolmetscherin.

Erst während der berufsbegleitenden Ausbildung hört Rita ihren ersten Vortrag zum Thema Coda. Sie war vollkommen ergriffen - denn da wurde genau ihr Leben beschrieben. Sie besuchte daraufhin ihr erstes Coda-Treffen und nimmt seither regelmäßig daran teil. Mittlerweile besucht Rita die Treffen nicht nur, sondern betreut auch die "Koda-Camps", die seit 2012 für die unter 18-jährigen Codas angeboten werden. Sie weiß, die Gemeinschaft und der Zusammenhalt sind schon für die Jüngeren sehr wichtig. Und auf diesen Treffen hat Rita auch ganz besondere Menschen gefunden, mit denen sie eine tiefe Freundschaft verbindet.

Ritas Vater ist mittlerweile verstorben. Sie hat sich zuvor bereits ausgesöhnt mit ihm und auch mit ihrer Mutter viel gesprochen. Jetzt beschäftigen sie ganz andere Gedanken.

Marvin van Beek kann es sich nicht vorstellen, mit hörenden Eltern zu leben. Dass für ihn die Gehörlosigkeit seiner Eltern so unproblematisch ist, liegt auch an einer wichtigen Entscheidung, die seine Eltern bei seiner Geburt fällten. Eine echte Weichenstellung: Er sollte – gegen den Willen der hörenden Großeltern – zweisprachig aufwachsen. Die Eltern kommunizierten mit ihm in Gebärdensprache. So wurde für Marvin Gehörlosigkeit völlig normal.

Als "behindert" hat Marvin seine Eltern nie empfunden – gehörlos, ja, aber es gibt ja Gebärdensprache. Die vorhandenen Barrieren sieht er vor allem als gesellschaftliches Problem. Im persönlichen Umfeld bringt er den Hörenden die Gehörlosenkultur näher: In der Schule hat er beispielsweise einen umfassenden Vortrag zu Gehörlosigkeit gehalten. Er selbst ist großer Fan der Gehörlosenkultur.

Auch Marvin ist für Überraschungen gut: Nur kurz vor dem Abitur bricht er die Schule ab. Vielleicht nicht untypisch für Codas. Marvins Eltern machte der Schulabbruch natürlich Sorgen, dennoch unterstützen sie ihren Sohn, der mittlerweile ein freiwilliges soziales Jahr als Schulhelfer begonnen hat. Er ist glücklich mit seiner Entscheidung. Und die Eltern sind entschlossen, ihn im richtigen Moment auch loszulassen. Und ihn selbstständig und unabhängig sein zu lassen.

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