"Der Stadt-Land-Graben – Einmal quer durch die Schweiz": Schweizer Fahne an einem Stall im Binntal, Oberwallis

Gesellschaft

Der Stadt-Land-Graben – Einmal quer durch die Schweiz

Abstimmungen bringen sie an den Tag: die gesellschaftlichen Gräben in der Schweiz. "Reporter" zeigt Lebenswelten, die immer wieder aufeinanderprallen. In der Stadt, auf dem Land und dazwischen.

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Die großen Städte der Schweiz werden von den Menschen im Land als dominierend wahrgenommen. Aber wenn man die politischen Abstimmungen der letzten Jahre anschaut, sieht es umgekehrt aus: Oft waren es die links-grün regierten Kernstädte, die verloren haben.

Seit Beginn der 1920er-Jahre wurden sie in elf von 22 Abstimmungen überstimmt, sagt der Politologe Michael Hermann. Er hat im Auftrag der Agrargenossenschaft eben erst einen "Stadt-Land-Monitor" verfasst.

Dort, wo das Land verliert, wird es dann aber schnell einmal emotional. Paradebeispiel: das Nein zum Jagdgesetz. Dieses hätte den Kantonen mehr Kompetenzen gegeben bei der Regulierung, sprich beim Abschuss, von Wölfen. Doch die Mehrheit der Schweiz sagte knapp Nein. Beim Besuch von "Reporter" im Val Lumnezia war der Ärger darüber noch spürbar. Ein anderes Thema, das bis heute in den Bergkantonen für Emotionen sorgt, ist die Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative und der Raumplanung.

Was bei der Thematik "Stadt - Land" manchmal vergessen geht: Die große Mehrheit der Menschen in der Schweiz wohnt eigentlich zwischen den beiden Polen, in den Kleinstädten und Dörfern des Mittellands. Dort werden oftmals auch die Abstimmungen entschieden. Einer, der viel über das Lebensgefühl Mittelland weiß, ist der Langenthaler Schriftsteller Pedro Lenz. Er hat jährlich bis an die 200 Lesungen – die meisten davon im Mittelland.

In den Großstädten könne man sich ganz unter Seinesgleichen bewegen, wenn man wolle, sagt Lenz. In der Kleinstadt müsse man offener sein für alle. "Ich habe Künstlerkollegen, die mir sagen, mit SVP-Politikern rede ich prinzipiell nicht." Denen sage ich: "Hey Brother, dann warst du noch nie in Langenthal." Dort könne man nicht in die Beiz gehen und zwei begrüßen, aber den Dritten nicht. "Wir müssen mit allen einen Umgang finden. Das ist ein großes Vermächtnis, das die Schweiz hat. Die Durchmischung der sozialen und der ideologischen Schichten."

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