Gesellschaft

Unterm Davidstern - Jüdisches Leben in Dresden

Als am 9. November 2001 die Synagoge am Dresdner Hasenberg eingeweiht wurde, schaute die ganze Welt auf Dresden. Es war der erste Neubau eines jüdischen Gotteshauses seit der Wende.

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D / CH / A
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bis 08.11.2022

Vor 1933 zählte die Jüdische Gemeinde zu Dresden bis zu 5000 Mitglieder. Bei Kriegsende 1945 lebten weniger als 50 Juden in der Stadt. Heute sind es 730, die meisten kommen aus der ehemaligen Sowjetunion.

"Wir waren nicht streng religiös, dennoch haben wir uns als Juden gefühlt - nicht nur, weil es in unseren Pässen stand", sagt Elena Tanaeva. Ihre Familie habe viele jüdische Traditionen weitergeführt, kein Schweinefleisch gegessen, Milch und Fleisch immer getrennt gekocht. Jetzt sei sie hier in Dresden und Mitglied der Jüdischen Gemeinde. Hier fühle sie sich sicher, sagt sie. Sicherer jedenfalls als in St. Petersburg in Russland.

Der latente Antisemitismus sei dort noch deutlicher präsent als in Deutschland. "Hier werde ich beschützt, hier gibt es Gesetze, die für jedermann verpflichtend sind", erklärt sie. Elena Tanaeva gehört zu der großen russischen Community, die sich regelmäßig im Gemeindehaus der Neuen Synagoge Dresden trifft.

Ursula Philipp-Drescher ist über die Musik zum jüdischen Glauben gekommen. 248 Gebote und 365 Verbote - sich an alles zu halten, sei ganz schön schwer, erklärt sie. Sie leitet den Synagogenchor und führt regelmäßig Besucherinnen und Besucher durch das Gotteshaus. Dabei erzählt sie auch die Geschichte der alten Semperschen Synagoge, die 1938 von der SA in Brand gesetzt wurde. Ein mutiger Feuerwehrmann rettete damals den Davidstern und versteckte ihn auf dem Dachboden vor den Nazis.

Valentina Marcenaro kam 1998 aus Italien in die Elbestadt. Eigentlich wollte sie nur ihre Deutschkenntnisse verbessern. Inzwischen hat sie in Dresden eine Familie gegründet und organisiert jüdische Feste. Ihr Lieblingsfest ist der Schabbat jeden Freitag. "Der Schabbat, der ist mir heilig, das ist Primetime mit meiner Familie", erzählt sie. Dass es draußen längst dunkel ist und sie eigentlich nicht mehr in der Küche stehen dürfte, ficht sie nicht an. Valentina Marcenaro bezeichnet sich als Kulturjüdin: "Im Judentum muss man sich nicht immer nur streng an Regeln und Bräuche halten. Jeder hat die Freiheit, so zu leben, wie er will, wie er es für richtig hält."

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