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Gesellschaft

Small is beautiful - Die Rückkehr zum menschlichen Maß - Leopold Kohr

Bankenkrise und Klimawandel erschüttern das Gefüge der Welt. Kommt nach dem Globalisierungs-Größenwahn jetzt die neue Bescheidenheit? Vieles deutet darauf hin - und der Österreicher Leopold Kohr hat es schon seit jeher gewusst.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 12.08.2021

Die Globalisierung scheint an ihre Grenzen gelangt zu sein. Eine Wirtschaftskrise, krachende Bankenimperien und die Folgen des Klimawandels bedrohen die globalisierte Welt. Aber ist das zwingend schlecht? Sollte das Dogma des ewigen Wachstums nicht hinterfragt werden? Könnte eine neue Bescheidenheit nicht auch neue Perspektiven bieten?

Leopold Kohr.
Leopold Kohr
Quelle: ORF/RAN Film

Fragen wie diese hat ein Österreicher - der aus Salzburg stammende Leopold Kohr - bereits vor 50 Jahren gestellt. 1983 hat Kohr den Alternativen Nobelpreis erhalten. Dennoch ist er in Österreich weitgehend unbekannt. Der gebürtige Oberndorfer Leopold Kohr hat das menschliche Maß in den Mittelpunkt seiner Lehre gestellt. Das menschliche Maß sind für ihn jene 22 Kilometer, die Oberndorf von Salzburg trennen. Diese 22 Kilometer wurden für Kohr zum Urmeter funktionierender politischer, sozialer und kultureller Einheiten. Alles, was zu groß wird, sei laut Kohr zum Untergang verurteilt.

Die Herausforderungen, vor denen die Welt heute steht, machen Kohrs Ansätze aktueller und zeitgemäßer denn je. Kleinräumigkeit und eine neue Bescheidenheit stehen als Alternativen zur Globalisierung in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Raum. Findet der Mensch nach Jahren des Gigantismus wieder zurück zum menschlichen Maß?

Nach seinem Studium in Innsbruck war Kohr Frontberichterstatter im Spanischen Bürgerkrieg - an der Seite von Ernest Hemingway, mit dem er ein Zimmer teilte.

EU-Parlament in Brüssel. Leopold Kohr sprach sich gegen den Beitritt Österreichs zur EU aus. Zitat von L.Kohr: "Was kann Österreich gewinnen, was es nicht schon ohnehin hat"!
EU-Parlament in Brüssel: Leopold Kohr sprach sich gegen den Beitritt Österreichs zur EU aus. Zitat von L.Kohr: "Was kann Österreich gewinnen, was es nicht schon ohnehin hat"!
Quelle: ORF/RAN Film

Seiner antifaschistischen Grundgesinnung unternahm er, zurück in Österreich, im Umfeld Otto Habsburgs Widerstandsversuche gegen die Nazis, wäre beinahe der Gestapo ins Netz gegangen, floh aber rechtzeitig.

Er schaffte es bis nach Amerika, arbeitete in Kanada in einem Kohlebergwerk am Rande der Arktis und setzte sich während des Krieges als Journalist für Frieden und ein freies Österreich ein.

Leopold Kohr war Vordenker des "Small is beautiful", Vater der Anti-Globalisierungsbewegung, Revolutionär und Prediger einer neuen, überschaubaren Welt. Dennoch ist der Träger des Alternativen Nobelpreises in Österreich kaum bekannt. Deshalb musste dieser Film jetzt gemacht werden. Im Jahr 2009 wäre Leopold Kohr 100 Jahre alt geworden, starb jedoch 1994.

Der inhaltliche Schwerpunkt der "Menschen & Mächte" spezial-Dokumentation liegt auf dem, was von Leopold Kohr und seinen Ideen blieb. Der Film zeigt, dass Kohrs Vorstellungen vom menschlichen Maß heute aktueller sind denn je zuvor. Dies wird anhand von Beispielen sichtbar: die regional(istisch)e Bewegung in Wales, kulturelle Initiativen in Salzburg, Verkehrskonzepte in Amerika, das oberösterreichische Steinbach, ein Vorzeigedorf in Sachen "Nachhaltigkeit", der Bioladen um die Ecke.

Ein erster Anknüpfungspunkt ist Anguilla, eine kleine Karibikinsel, die Anfang des Jahres 2007 im Zuge der Bawag-Affäre in die Schlagzeilen geriet. Vom British Empire heute als Nobelabsteige und "Steuerparadies" missbraucht, war sie in den 1960er Jahren ein erfolgreiches Modell für einen funktionierenden Kleinstaat. Der Vater des Modells war Leopold Kohr, der damals im Alter von 58 Jahren noch zum Revolutionär wurde.

Im Rückblick wird Leopold Kohrs Kindheit und Jugend in Salzburg und in Oberndorf betrachtet, dem Ort der "Stillen Nacht". Kohr gewann hier ein nachhaltiges Gefühl für das menschliche Maß - und vermaß es auch gleich räumlich: die Entfernung von Oberndorf nach Salzburg, 22 km, war für ihn der Radius seiner Welt. Scherzhaft wird dieses räumliche Maß menschlichen Glücks heute "ein Kohr" genannt.

alm und kühe
Im Nationalpark Hohe Tauern setzte Leopold Kohr mit dem Kulturverein TAURISKA eines seiner letzten Projekte um.
Quelle: ORF/RAN Film

Aufgrund seines Widerstandes gegen die Nazis wäre Kohr beinahe der Gestapo ins Netz gegangen, floh aber rechtzeitig. Kohr sah die grundsätzliche Gefahr, die von übermächtigen politischen und wirtschaftlichen Konstrukten ausgeht. 1951 erschien sein Hauptwerk "The Breakdown of Nations".

Die tatsächliche Chance zur Umsetzung seiner Ideen - eine Art Revolution der Kleinheit - bot Anguilla. Die kleine Insel in der Karibik mit ihren 6.000 Einwohnern hatte sich vom britischen Kolonialreich losgesagt und probte die Unabhängigkeit. Das "Mutterland" und alle Experten sahen das Experiment als zum Scheitern verurteilt. Doch dank Kohrs Anleitung erblühte eine autonome und autarke Wirtschaft und Gesellschaft. Bis die britischen Truppen der "anderen 68er Bewegung" den Garaus machte.

Die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen geben Kohr recht: Staaten zerfallen, Großbanken schlittern von einer Krise in die nächste, die kleinen, angeblich zum "Aussterben" verurteilten Kulturen blühen auf und Regionalität wird nicht nur im Lebensmittelhandel vom Schlagwort zur Tatsache.

Von seinem Geburtsort, der "Stille Nacht" - Gemeinde Oberndorf bei Salzburg, über das Studium in Innsbruck weiter in die Welt: nach Spanien, Amerika, in die Karibik, die keltische Welt und schließlich wieder zurück nach Österreich in die Region Hohe Tauern.

Anhand von historischen Archivaufnahmen, Bildern und Schriften wird die Zeit lebendig, in der Kohr lebte: das zerrüttete und schließlich in die faschistische Diktatur abgleitende Österreich der 1930er Jahre, die Konfrontation mit dem American Way of Life, die Karriere als Wirtschaftsprofessor, die sich auflösenden Kolonialreiche in der Karibik, das regionalistisch erwachende Keltentum im walisischen Aberystwyth (Bild ganz oben). Experten erörtern Kohrs Lehren, auch seine Gegner kommen zu Wort.

Zwischen den biografischen Blöcken und thematisch von ihnen abgeleitet, zeigen wir die Welt, wie Kohr sie ersehnte. Denn es gibt sie, die Lebendigkeit in der Kleinheit und Überschaubarkeit: Entwicklungslabor für Elektroautos in der Schweiz und die kulturelle Selbstfindung der Waliser bis zum Nachhaltigkeits-Vorzeigedorf Steinbach an der Steyr und dem Kulturverein Tauriska in Neukirchen am Großvenediger. Leopold Kohr war Mitbegründer des Standortes St. Pölten als niederösterreichische Landeshauptstadt sowie wie Vorreiter der Idee einer Dorferneuerung.

Dokumentation von Alfred Ninaus.

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