Die Webseite verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Sie können der Verwendung von Cookies widersprechen. Nähere Informationen finden Sie hier.

Die teure Einmalinfusion Kymriah soll Krebs heilen

Gesellschaft

Profit oder Leben? – Wenn das Gesundheitswesen an die Grenze geht

Wie viel ist ein Menschenleben wert? Die Frage stellt sich, seit das Schweizer Pharmaunternehmen Novartis eine Gentherapie für 370 000 Franken auf den Schweizer Markt gebracht hat. Wie kommt ein solcher Preis zustande?

Produktionsland und -jahr:
Datum:

Die Dokumentation "Profit oder Leben? – Wenn das Gesundheitswesen an die Grenze geht" folgt den Spuren der Krebs-Killerzellen - ein Pharmakrimi.

Die Gentherapie Kymriah wurde 2018 in Europa zugelassen. Dabei werden dem Patienten Immunzellen entnommen, gentechnisch zu Krebskillerzellen umprogrammiert und dem Patienten als Infusion zurückgegeben. Die Krankenkassen sind nicht bereit, die von Novartis geforderten 370 000 Franken zu bezahlen. Sie klagen über mangelnde Transparenz, ein systemisches Problem: Einerseits halten die Pharmafirmen ihre Entwicklungs- und Herstellungskosten geheim, andererseits sind die Anforderungen der Behörden an die Datenlage bei Medikamenten für seltene Erkrankungen verhältnismäßig klein.

Die Studienresultate von Kymriah reichen nur über 18 Monate: Bei 40 Prozent kehrt der Lymphdrüsenkrebs in dieser Zeit nicht zurück, ob Kymriah langfristig nützt, weiß niemand. Die Killerzellen wurden nicht in den Labors von Novartis erfunden, sondern an einer US-Universität. Das ist kein Einzelfall. Über 60 Prozent der neu zugelassenen Medikamente in den USA wurden von kleinen Biotechfirmen entwickelt. Pharmafirmen fungieren heutzutage vielfach als Kapitalgeber, die mit Universitäten zusammenarbeiten oder Biotechfirmen aufkaufen.

Jüngstes Beispiel ist die weltteuerste Gentherapie Zolgensma, die Novartis in den USA für 2,1 Millionen Dollar verkauft, nachdem der Konzern die Biotechfirma Avexis, die Zolgensma entwickelte, für 8,7 Milliarden Dollar übernommen hat. "Der Kaufpreis beeinflusst den Medikamentenpreis", sagt Investor Alfred Scheidegger. Als Universitätsprofessor Carl June vor fast 30 Jahren mit seiner Forschung begann, interessierte sich kein Pharmakonzern dafür. "Nur dank 20 Millionen an Steuergeldern und Spenden von Philanthropen konnten wir Kymriah entwickeln", sagt June.

Novartis rief erst 2012 an, als die Erfolgsgeschichte eines leukämiekranken Mädchens um die Welt ging, dessen Krebs dank Kymriah verschwand. Durch einen Kooperationsvertrag mit der Universität konnte sich Novartis das exklusive Vermarktungsrecht für Kymriah sichern. Um Kymriah an den Markt zu bringen, hat Novartis sodann weltweite klinische Studien finanziert.

In der Pharmaindustrie hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden: Wurden hohe Medikamentenpreise früher mit den Forschungskosten begründet, so argumentiert die Branche heute mit dem Wert eines Medikaments; dem Wert von gewonnener Lebenszeit. Das Gesundheitswesen sei kein Luxusmarkt, warnen Kritiker und verweisen auf die Rationierung in England, wo ein zusätzliches Lebensjahr nicht mehr als rund 63 000 Franken kosten darf.

Wie viel ist ein Menschenleben wert? Novartis-Manager Emanuele Ostuni preist wertbasierte Preismodelle, auf die Frage, ab welchem Betrag er das Gesundheitswesen rationieren würde, hat er aber keine Antwort.

Meine Merkliste

Alle Inhalte auf Ihrer Merkliste sind noch mindestens 3 Tage verfügbar.

Sie haben derzeit keine Videos in Ihrer Merkliste

Sie können ein Video der Merkliste hinzufügen, indem Sie das "+" am Teaser oder Beitrag anwählen.

Live

Statische Headline

1h 7min