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Gesellschaft

Highspeed-Internet aus dem All

Das Phänomen "Funkloch" könnte bald Geschichte sein. Rettung naht aus dem All. Gleich drei Konsortien liefern sich ein Wettrennen um die Marktführerschaft im orbitalen Internet.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2020
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 24.03.2025

Von Carsten Meyer

Noch gibt es sie, die Orte, die von moderner Kommunikation fast völlig abgeklemmt sind - nicht nur in der Dritten Welt. Deutschlands Offline-Hotspot ist Bad Säckingen im Schwarzwald, 2018 berüchtigt für den schlechtesten Empfang der Republik. Hier erhofft man sich Hilfe von oben.

Jürgen Albietz, einer der Betroffenen, erklärt warum: für ein paar abgelegene Häuser den Boden aufzureißen, um kilometerlange Glasfaserkabel zu verlegen, sei extrem teuer. Das Internet, das aus dem Orbit kommt, per Satellit, sei hingegen überall verfügbar. Die Infrastruktur, einmal am Himmel, könnte Bad Säckingen versorgen, Afrika und die ganze Welt.

Der Nachteil der Riesen

Von Kourou in Französisch-Guyana starten Airbus und Arianespace seit Jahrzehnten große Kommunikationssatelliten ins All. Die tonnenschweren Riesen kosten bis zu 250 Mio. Dollar. Sie umkreisen die Erde in 36.000 Kilometern Höhe, dem geostationären Orbit, und dienen vor allem der Übertragung von Fernseh- und Rundfunkprogrammen. Also: One-way-Kommunikation.

Für modernes Internet sind sie eher ungeeignet: Das Signal ist zu lange unterwegs, etwa eine halbe Sekunde. Reibungslose Echtzeitkommunikation ist so nicht zu schaffen. Die Satelliten müssen näher an die Erde heran in den sogenannten erdnahen Orbit.

Das Trio

Derzeit starten gleich drei Konsortien eine Offensive im All - OneWeb, Amazon, sowie Google-SpaceX. SpaceX ist die Raumfahrtfirma von Tesla-Gründer Elon Musk. Bei den großen Internetkonzernen Amazon und Google liegt das wirtschaftliche Ziel auf der Hand: ihr Geschäftsmodell auf die Kommunikations-Infrastruktur des Informations-Zeitalters auszuweiten.

OneWeb ist auf den ersten Blick der unabhängige Player des Trios. Aber er kommt nicht allein. Zum Konsortium der Londoner Firma gehören Virgin Galactic – das Weltraumabenteuer des britischen Allzweck-Unternehmers Richard Branson -, Airbus Defense & Space sowie der japanische Technologieinvestor Softbank. Zusammen hat man fast dreieinhalb Milliarden Dollar aufgebracht, um den Traum vom globalen Internetzugang Wirklichkeit werden zu lassen.

Die Zukunft gehört den Zwergen

Alle Konsortien haben ein Ziel: mit einem Schwarm hunderter, dermaleinst gar tausender Mini- Satelliten im erdnahen Orbit den gesamten Globus abzudecken. Derzeit hat OneWeb die Nase vorn. Das Konsortiums-Mitglied Airbus kann hier sein Knowhow in die Waagschale werfen und für die Massenproduktion von Satelliten sorgen.

"Das war eine echte Herausforderung", erzählt die Satelligen-Ingenieurin Varinka Ponamale. Man habe Erfahrung mit großen, geostationären Satelliten, deren Zusammenbau in Toulouse rund neun Monate dauert. Doch für die Next-Generation-Satelliten muss es schneller gehen, viel schneller. "Drei Tage Herstellungszeit hielten die meisten für verrückt", sagt Ponamale. "Wir haben bei den OneWeb-Satelliten in der Produktion viel neu entwickelt." Derzeit schafft man einen Satelliten pro Tag.

Satelliten-Schwarm im All

Dafür wurden in der Satellitenproduktion völlig neue Produktionsmethoden entwickelt und umgesetzt. "Wenn man 900 absolut gleiche Satelliten baut, schlägt sich das auch im Preis nieder", erklärt der Satelliten-Ingenieur Roche Desrousseaux. "Wir müssen weniger testen, brauchen weniger Leute und das macht es um eine Größenordnung von 100 billiger."

Im Februar 2019 hat OneWeb die ersten sechs Satelliten in den erdnahen Orbit geschossen. Im Februar 2020 ging es für weitere 34 Satelliten vom russischen Raumfahrtzentrum Baikonur ins All, am 21. März folgten die nächsten 34 mit dem dritten Start. Bereits Ende 2021 könnte der Satellitenschwarm auf 650 Einheiten anwachsen. Dann will die Firma ihren globalen Service starten und die Satellitenkonstellation in einer Höhe von 1200 Kilometern fliegen lassen. In einem nächsten Schritt soll der Schwarm auf über 2000 Satelliten ausgebaut werden.

Die "digitale Kluft" schließen

OneWeb, aber auch Google-SpaceX und Amazon möchten an jedem Punkt der Erde ihre Internetdatendienste anbieten und damit zusätzlich potentiell vier Milliarden Menschen ins World Wide Web bringen. Man spricht davon, die "digitale Kluft" zu schließen. Aber es geht nicht nur um private Endverbraucher. Potentielle Kunden sind auch Banken und die Industrie. Schiffe, Züge, Fahrzeuge, Flugzeuge - alles was sich bewegt, soll mit dem Internet verbunden werden. Was stationär ist, sowieso.

OneWeb und der Konkurrent Google-SpaceX liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, Amazon hinkt noch hinterher. Ob wirklich schon Ende 2021 Highspeed-Internet aus dem erdnahen Orbit kommerziell angeboten werden kann und ab wann man in Bad Säckingen nicht mehr im Funkloch sitzt, steht derweil noch in den Sternen.

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