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Gesellschaft

Start-Ups: Wie überlebt man eine Krise?

Die Corona-Krise ist für viele etablierte Unternehmen ein wirtschaftlicher Überlebenskampf. Doch wie meistern Start-Ups die existenzbedrohende Pandemie?

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2021
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 12.01.2026

Von Carsten Meyer

Je länger sich die Corona-Pandemie hinschleppt, desto stärker leidet die Wirtschaft. Große Unternehmen wie Lufthansa oder Tui überleben mit Staatsknete, andere zehren von ihren Reserven. Aber wie ergeht es den Start-Ups, jenen Firmengründungen und -gründern, die mit ihrer Geschäftsidee zur denkbar ungünstigsten Zeit auf den Markt kommen?

Einmal alles neu, bitte

Zum Beispiel Katja Wollschläger, Philip Kleiner und dessen Bruder Nikolai. Die drei haben ein nachhaltiges Fitnessgetränk in einer nachhaltigen Verpackung entwickelt. 250.000 Euro hatten sie investiert bis zum markreifen Produkt. Als dieses im April 2020 auf einer Messe präsentiert werden sollte, kam Corona, die Messe fiel aus und der Fitnessdrink war tot.

Stattdessen erfuhren sie von einem Bekannten, dass ein Spargelbauer seine Ware nicht mehr absetzen konnte. Der Spargelbauer war nicht allein: Die regionale Landwirtschaft verkauft viel an die Gastronomie - und die war im Frühjahrslockdown. Gleichzeitig erledigten die drei die Einkäufe für ihre Großeltern.

Digitaler Hofladen

"Da hatten wir also auf der einen Seite die Erzeuger, die ihre Ware nicht abgesetzt bekommen, auf der anderen Seite die Leute, die eigentlich Lebensmittel bräuchten und in der Mitte wir, die eine ausgereifte Infrastruktur für IT hatten", beschreiben die drei Gründer die Geburt einer neuen Geschäftsidee. Sie steckten ihr letztes Geld in ein Kühlfahrzeug und gründeten FridaFrisch, einen Online-Hofladen, über den man sich Ware von lokalen Erzeugern liefern lassen kann.

Bereits in den ersten Monaten konnte das Team mehr als 500 Kunden gewinnen, die mehr oder weniger regelmäßig beim digitalen Hofladen shoppen. Aus der neuen Geschäftsidee scheint mehr als nur eine Notlösung für die Corona-Krise geworden zu sein. Nun wollen die drei sich erst einmal darauf konzentrieren, ein gutes Geschäftsmodell aufzubauen - eines, das auch durchhalten könnte, falls größere Player den lokalen Markt erschließen.

Digitale Lernplattform

Die Geschäftsidee von Annie Dörfle und Lena Spak ist vom Prinzip her immerhin pandemiekompatibel - die digitale Lernplattform Scobees. Das Problem: Als im März 2020 Corona über die Schulen hereinbrach, war sie noch nicht fertig. Quasi von jetzt auf gleich wurden die beiden von Interessenten überrannt. "Wir haben das System praktisch im Live-Betrieb optimiert", erzählt Annie Dörfle.

Zwar ist die Nachfrage nach digitalen Plattformen groß - die Zahl der Anbieter aber auch. Was Dörfle und Spak nun entgegenkommt: Sie haben Scobees von Anfang an zusammen mit Schulen entwickelt, sind also maximal nah am Kunden.

Kampf gegen die Bürokratie

Bis aus interessierten Schulen jedoch zahlende Kunden werden, muss ein kleines Start-Up große Herausforderungen meistern. Die größte Hürde ist in diesem Falle die Bürokratie. Max Maendler, Investor und Kenner des Marktes für Lernsoftware, sieht in der Kultusbürokratie, bei Schulträgern und bis in die Landesstrukturen "viel administrative Innovationsvernichtung".

Im Moment arbeiten mehr als 80 Schulen mit Scobees. Zwar haben die meisten keine volle Lizenz erworben, und die Umsätze steigen entsprechend langsam, doch fast täglich fragen neue Schulen an. Ohne Corona, betonen die beiden Gründerinnen, wären sie nie so schnell so weit gekommen.

Nicht wehrlos

Große, etablierte Unternehmen stützen sich in der Krise auf ihre Rücklagen. Start-Ups haben derlei nicht. Aber sie sind wendig, kreativ und schnell. Viele digitale Geschäftsmodelle, nicht nur die hier skizzierten, spielen diese Stärke aus - und überleben.

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