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US-Präsiden Donald Trump spricht in ein Mikrofon

Gesellschaft

Interview zur Weltwirtschaft: Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft

Die Trump-Rede von dieser Woche hat in der Wirtschaft Hoffnungen geschürt auf ein Ende der Unsicherheit. Leider zu Unrecht, erklärt Stormy Mildner vom BDI im makro-Interview.

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makro: Im Handelsstreit stehen die Zeichen gerade auf Entspannung. Kann die Weltwirtschaft aufatmen?

Stormy Mildner: Leider haben wir solche Zeichen der Entspannung zwischen den USA und China bereits zuvor gesehen, und es waren dann doch nur Pausen vor einer neuen Eskalationsphase. Aufatmen können wir erst, wenn es konkrete Vereinbarungen gibt, die auch umgesetzt werden, beim Zollabbau oder der Reform der Welthandelsorganisation. In Bezug auf den US-Chinesischen Handelsstreit sehe ich aber bisher nur wolkige Ankündigungen. Die Unsicherheit, die damit verbunden ist, ist Gift für die Wirtschaft.

Porträt Stormy-Annika Mildner
Die Ökonomin Dr. Stormy-Annika Mildner ist seit 2014 Leiterin der Abteilung Außenwirtschaftspolitik im Bundesverband der Deutschen Industrie. Hierbei vertritt sie den BDI in zahlreichen internationalen Gremien (B7, B20, B20 Coalition, BIAC, ICC, BUSINESSEUROPE). 2016-2017 war sie Sherpa der Business 20, dem Begleitprozess der G20 durch die Wirtschaft. Zuvor war sie Mitglied der Institutsleitung der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Sie lehrt zudem seit 2007 an der Hertie School of Governance.
Quelle: ICC Falcon

makro: Handelsstreitigkeiten sind zum größten Belastungsfaktor der Weltwirtschaft geworden. Ist die Welthandelsorganisation WTO eigentlich nur noch Zuschauerin?

Stormy Mildner: Die WTO ist die Hüterin des Welthandels. Heute steht die multilaterale Handelsorganisation unter starkem Beschuss. Die USA blockieren die Nachbesetzung von Posten im wichtigen Berufungsgremium. Wenn diese Blockade nicht durchbrochen wird, könnte der Streitschlichtungsmechanismus Ende des Jahres zum Erliegen kommen. Dass die Mitglieder der WTO jedoch noch nicht aufgegeben haben, zeigt, dass sie den Streitschlichtungsmechanismus nach wie vor stark in Anspruch nehmen. Allein dieses Jahr haben sie bisher 17 Klagen bei der WTO eingereicht.

makro: Viele amerikanische Unternehmen verlagern ihre Produktionsstätten zurück in die USA. Im Februar beginnt der Wahlkampf in den USA. Kann sich Trump das auf die Fahnen schreiben?

Stormy Mildner: Die USA sind aufgrund ihrer Größe, ihrer kauffreudigen Bevölkerung und ihrer Innovationskraft immer schon ein attraktiver Investitionsstandort gewesen und werden es auch bleiben. Die jüngste Steuerreform hat den Wirtschaftsstandort USA gestärkt und die Konjunktur gestützt. Finanziert wird die Steuersenkung allerdings mit höheren Staatsschulden. Das US-Haushaltsdefizit beträgt für dieses Jahr kaum vorstellbare 984 Milliarden US-Dollar. Wie nachhaltig ein solches, schuldenfinanziertes Wachstum ist, ist allerdings fraglich.

makro: Die Aussichten für die stark exportorientierte deutsche Industrie bleiben trübe, die Rezessionsgefahr ist nicht gebannt. Die US-Konjunktur dagegen ist weiter auf Wachstumskurs. Denken Sie da als Vertreterin der deutschen Industrie: Schönen Dank, Herr Trump?

Stormy Mildner: Es gibt einige wichtige Unterschiede zwischen den USA und Deutschland. Vor allem ist Deutschland viel stärker in den internationalen Handel eingebunden. Exporte und Importe ergeben zusammen 87 Prozent des deutschen BIP, in den USA beträgt diese Quote nur 27 Prozent. Dies bedeutet, dass Deutschland sehr viel stärker betroffen ist, wenn Zölle und andere Handelsschranken aufgebaut werden. Die Zölle zwischen China und den USA treffen deutsche Unternehmen direkt, wenn sie in einem der Märkte produzieren und entweder in den anderen Markt exportieren oder von dort Komponenten beziehen.

makro: Welches Thema beschäftigt die deutschen Unternehmen aus Ihrer Sicht gerade am meisten?

Stormy Mildner: Das große Thema für unsere Unternehmen ist die von der Politik des US-Präsidenten ausgehende Unsicherheit. Wenn Unternehmen nicht wissen, ob ihre Produkte oder Zulieferprodukte im nächsten Monat von Zöllen oder Gegenzöllen betroffen sind, können sie nicht planen. Und dies schadet dem Wachstum von morgen, kostet Arbeitsplätze und Wohlstand. In Europa und in den USA.

Das Interview führte Eva Schmidt

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