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Gesellschaft

Die Schattenseiten der E-Mobilität

Weg mit Diesel und Benziner - her mit angeblich umweltfreundlichen Elektroautos. Das ist das Mantra von Politik und Medien. Doch die Elektromobilität ist nicht so "sauber", wie es scheint.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2018
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 06.10.2023

Verkehrsplaner setzen große Hoffnungen auf Elektroautos. Noch sieht man sie eher selten, aber das könnte sich bald ändern. Wenn der Mobilitätsforscher Stefan Bratzel recht behält, werden schon ab 2025 mindestens 15% der Neuwagenzulassungen elektrisch sein. "Das wären dann 15–20 Mio. Elektrowagen, die im Jahr 2025 neu zugelassen werden", rechnet er vor.

Millionen von Elektroautos, angetrieben durch Batterien, die mehrere hundert Kilogramm schwer sind. Der Run auf die Batterie-Rohstoffe hat begonnen. Neben den bekannten Industriemetallen Kupfer, Nickel und Aluminium sind dies Graphit und Mangan. Vor allem aber Kobalt und Lithium. Zwischen 20 und 30 Kilogramm Lithiumkarbonat stecken durchschnittlich in jeder Batterie.

Chile: Lithium-Becken bis zum Horizont

Wir reisen in die Atacama-Wüste nach Chile, eine der trockensten Gegenden der Welt. Hier im Dreiländereck zu Argentinien und Bolivien liegt die große Salzebene - und in ihr die sogenannten Salares mit dem Lithium. Es ist keine Mine im klassischen Sinne: Pumpen holen das mineralhaltige Wasser aus dem Boden. In riesigen Becken verdunstet es. 44 Quadratkilometer Fläche bedecken sie allein an diesem Standort. Sie reichen bis zum Horizont.

Rund fünf Monate dauert es, bis aus dem Wasser eine dickflüssige Substanz geworden ist, die rund 6% Lithium enthält. Tanklaster bringen das Konzentrat in eine Fabrik. Dort wird es zu Lithiumkarbonat weiterverarbeitet. Das Problem: Die Lithiumgewinnung benötigt gigantische Mengen Grundwasser, allein hier bis zu 21 Millionen Liter. Das entspricht dem Inhalt von rund sieben olympischen Schwimmbecken, täglich.

Bilderserie

Die neue Dürre

Für die Umwelt und die lokale Landwirtschaft in umliegenden Oasen sind die Folgen des absinkenden Grundwasserspiegels verheerend. Cristian Espindola, ein Kleinbauer, macht die Lithiumminen verantwortlich für die verdörrenden Sträucher: "Man produziert Lithium und opfert das hier", empört er sich. "Sie verdienen Millionen und Abermillionen von Euros. Aber Sie opfern die Menschen. Sie opfern die Tiere. Sie opfern das Leben." So sei die Welt nun mal. Und es interessiere niemanden.

Die Zukunft der indigenen Bauern aus der Salzebene der Atacama ist ungewiss. Immer neue Verdunstungsbecken werden gebaut. Bis 2025 will Chile die Lithiumproduktion mehr als vervierfachen, auf bis zu 350.000 Tonnen pro Jahr.

Der Rohstoffabbau macht einen großen Teil der Wirtschaftsleistung aus. In der Hauptstadt Santiago hofft man, allein mit Lithium bis 2030 gut 15 Mrd. Dollar einzunehmen. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund 280 Mrd. Dollar. Man strebe jedoch danach, mehr von der Wertschöpfung im Land zu behalten, erfahren wir im Bergbauministerium. "Noch exportieren wir zwar das Lithium als Rohstoff. Aber wir wollen möglichst die Lithiumbatterien für die Elektroautos irgendwann selbst produzieren", erklärt Minister Baldo Procurica.

"Blut-Kobalt" aus dem Kongo

Doch in den Batterien der E-Autos steckt noch ein weiterer Rohstoff, den die Autobauer dringend brauchen: Kobalt. Durchschnittlich zwischen 10 und 15 Kilogramm des Metalls sind in den Akkus verbaut. Rund zwei Drittel der Weltproduktion kommen aus dem Kongo. 10-20% des kongolesischen Kobalts wiederum stammen aus kleinen Minen - eher einem Gewirr von Löchern, Schächten und Gängen -, die unter haarsträubenden Umständen irgendwo in die Erde getrieben werden.

Die Stadt Kolwezi ist so ein Ort, im Süden des riesigen Landes. Auf dem Musompo-Markt außerhalb der Stadt warten die Abnehmer. Der Zwischenhandel ist fest in chinesischer Hand. Doch viele Kobaltgräber fühlen sich hintergangen: "Die Chinesen behaupten, unser Erz enthält nur 3% Kobalt", schimpft einer von ihnen. "Auch wenn es 10% enthält. Und auch beim Gewicht versuchen sie, uns zu betrügen."

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