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Messer im Kopf

Film

Messer im Kopf

Bei einer Razzia in einem Jugendzentrum erleidet der Biogenetiker Hoffmann einen Kopfschuss. Aus dem Koma erwachend kann er sich nicht erinnern und wird beschuldigt, Terrorist zu sein.

Produktionsland und -jahr:
BRD 1978
Datum:

München im Jahr 1978: Der Biogenetiker Berthold Hoffmann möchte seine Frau Ann in einem Jugendzentrum abholen und muss mit ansehen, wie Ann zusammen mit weiteren jungen Leuten von der Polizei abgeführt wird. Hoffmann durchbricht die Absperrung und betritt das Jugendzentrum, wo er durch einen Kopfschuss schwer verletzt wird. Als er später in der Klinik aus dem Koma erwacht, kann er sich an nichts mehr erinnern. Sogar das Sprechen muss er neu lernen.

Polizei und Medien sehen in Hoffmann einen mutmaßlichen Terroristen, der seinen Beruf lediglich als Tarnung benutzt habe. Unmittelbar vor dem Schuss soll Hoffmann einen Beamten mit einem Messer bedroht und verletzt haben. Hoffmanns Freunde und Verwandte dagegen beteuern, dass es sich bei dem 35-Jährigen um ein Paradebeispiel des weltabgewandten Wissenschaftlers im Elfenbeinturm seiner Forschung gehandelt habe. Die linke Szene bezeichnet ihn als Opfer staatlicher Gewalt und feiert ihn als Märtyrer.

Nur Berthold Hoffmann selbst weiß nicht mehr, wer er war und wer er ist. Er ist bestrebt, seine Identität zurückzuerlangen und will sich dabei weder stigmatisieren noch instrumentalisieren lassen. Das Einzige, was er weiß, ist, dass eine Kugel in seinem Kopf steckt. Mehr und mehr ahnt er, dass er nur in der Begegnung mit dem Schützen die Wahrheit über sich selbst erfahren wird.

Ein Jahr nach Deutschlands "heißem Herbst" von 1977 verarbeitet Reinhard Hauff das Tagesgeschehen und das extrem aufgeheizte politische Klima der Zeit in einem überraschend subtilen Polit-Thriller und setzt dabei vor allem auf psychologische Spannung. "Messer im Kopf" ist mit Angela Winkler als Politaktivistin, mit Hans Brenner als Kriminalkommissar, mit Hans Christian Blech als Vaterfigur des Berthold Hoffmann, mit dem jungen Heinz Hönig und dem noch jüngeren Udo Samel bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt.

Bruno Ganz macht seine Figur zum emotionalen Zentrum des Films

Dass es Reinhard Hauffs preisgekröntem Film jedoch so perfekt gelingt, den gesellschaftlichen Ausnahmezustand der damaligen bundesrepublikanischen Gesellschaft widerzuspiegeln, ohne dabei selbst in Hysterie zu verfallen, liegt maßgeblich an Bruno Ganz in der Rolle des Berthold Hoffmann. Schon 1978 erweist sich Ganz nicht nur als großer Charakterdarsteller, sondern auch als Komödiant der leisen Töne, der seine Figur - mit entwaffnender Aufrichtigkeit und Selbstironie - zum emotionalen Zentrum des Films macht.

"Erst bei 'Messer im Kopf' wird einem in einer merkwürdigen Rückbesinnung klar, wozu Bruno Ganz in der Lage war", schrieb Regisseur Hans Steinbichler vor ein paar Jahren in der "FAZ". Gleichzeitig ist Steinbichlers Text aber auch eine Eloge auf sein Regie-Vorbild Reinhard Hauff: "Gegen das Brachiale setzt Hauff das Zarte, gegen die Rechthaberei den Zweifel, gegen die Vorurteile das eigene Urteil, gegen Schwarz-Weiß-Malerei das Nuancierte, gegen Todesernst verzweifelten Humor und gegen das Popstar-hafte der Terroristen und ihrer Gegner die Anonymität von Menschen, die unter ihren eigenen Ideologien leiden und ihnen kaum mehr zu entkommen vermögen."

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