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Jagdszenen aus Niederbayern

Film

Jagdszenen aus Niederbayern

Als Abram aus München zurück in sein Heimatdorf kommt, machen Gerüchte die Runde: Der 20-jährige Mechaniker habe sich an einem geistig behinderten Jungen vergangen und im Gefängnis gesessen.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 1968
Datum:

Eine idyllisch anmutende Gemeinde in Niederbayern: Gemeinsam holt man die Ernte ein, mit vereinten Kräften wird ein Schwein geschlachtet. Parallel dazu jedoch wirken die unerbittlichen Mechanismen der Ausgrenzung von "Andersartigen" - darunter leiden besonders das als Dorfhure verschriene Dienstmädchen, der Gastarbeiter und der geistig zurückgebliebene Sonderling.

Einen Sonderstatus hat auch der 20-jährige Abram - zunächst als handwerklich beschlagener Mechaniker, der den Bauern ihre Erntemaschinen instandzuhalten hilft und bereitwillig Motorräder repariert. Abram ist nach längerer Abwesenheit aus der großen Stadt zurückgekehrt. Aber auf einmal entstehen böse Gerüchte. Die Nähe der Dorfbewohner zu dem hilfsbereiten jungen Mann kippt in kalte Ablehnung, und Abram wird zum Objekt ihrer Gehässigkeit. Die unerträgliche Spannung entlädt sich erst, als in einer tragischen Wendung das Opfer selbst zum Täter wird: Das Dienstmädchen Hannelore, die mit verschiedenen Männern des Ortes geschlafen hat, erwartet in Kind - von Abram, wie sie glaubt. Ein Schock für den jungen Mann.

In "Jagdszenen aus Niederbayern" sticheln und hetzen die Dorfbewohner gegen Abram, sind sich dabei aber keiner Schuld bewusst. Eindrucksvoll zeigt der Film, wie Gewalt auch und gerade von den Mitläufern ausgeht, bevor sie eskaliert. "Jagdszenen aus Niederbayern" ist eine verstörende Parabel der Ausgrenzung und zugleich ein subtiler Kommentar zur damaligen deutschen Nachkriegsgesellschaft. Peter Fleischmann realisierte mit seinem ersten Spielfilm ein Meisterwerk des Jungen Deutschen Films.

Starke Auftritte von Angela Winkler und Hanna Schygulla

Nach Filmstudien in München und Paris realisierte Peter Fleischmann Kurz- und Kinderfilme sowie den Dokumentarfilm "Herbst der Gammler", bevor er mit seinem Spielfilmdebüt "Jagdszenen aus Niederbayern" Aufsehen erregte. Der Film basiert auf einem Theaterstück des Autors Martin Sperr, der hier unter der Regie von Fleischmann selbst die Hauptrolle des Abram spielt. Starke Auftritte haben auch zwei junge Schauspielerinnen, die später zu prägenden Figuren des Deutschen Kinos werden sollten: Angela Winkler als Hannelore und in einer Nebenrolle Hanna Schygulla in ihrer ersten Kinorolle überhaupt.

Mit "Jagdszenen aus Niederbayern" steht Regisseur Peter Fleischmann am Anfang einer Tradition des kritischen Heimatfilms, der in den 1960er-Jahren damit begann, die Postkartenidylle zu zerstören, die der traditionelle deutsche Heimatfilm nach dem Zweiten Weltkrieg beschwört hatte. Dabei erwies sich Fleischmann im Verlauf seiner Karriere als äußerst vielseitig interessierter Künstler: Neben einer Vorliebe für polarisierende Dokumentarfilme ("Mein Freund, der Mörder") und Science-Fiction-Stoffe ("Die Hamburger Krankheit", "Es ist schwer, ein Gott zu sein"), veröffentlichte der gebürtige Zweibrücker auch einen Roman: "Die Zukunftsangst der Deutschen".

Im Mai 1969 feierte "Jagdszenen aus Niederbayern" auf dem Filmfestival von Cannes seine Weltpremiere. Nachdem Fleischmanns Meisterwerk im Kino vor ein paar Jahren eine Wiederaufführung erlebte, ist er nun endlich auch im Fernsehen wiederzuentdecken.

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