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Film

Die Wache

Polizeiarbeit scheint aus Krimiserien allgemein bekannt. Aber wie sieht der Alltag einer Polizeiwache tatsächlich aus? Was fordert die Beamt*innen heraus, und wann stoßen sie an Grenzen?

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2020
Datum:
Verfügbar in
D / CH / A
Verfügbar bis:
bis 15.01.2022

Dokumentarfilmerin Eva Wolf hat über Monate Beamt*innen bei ihrer Arbeit begleitet und Einblicke in Routineabläufe und fordernde Einsätze bekommen. Sie wissen nie, was sie erwartet, wenn sie zum Einsatz fahren. Aber immer müssen sie angemessen reagieren.

Die Polizei - einerseits brauchen wir sie und verlassen uns auf ihren Schutz, andererseits gibt es immer wieder Skandale, wenn bei einem Polizeieinsatz oder durch einzelne Beamte Grenzen des Rechtsstaats überschritten werden. Keine andere staatliche Behörde ist in Deutschland gleichzeitig so dringend gebraucht wie umstritten.

Es dauerte Jahre, bis Eva Wolf ("Intensivstation") hinter die Kulissen der Polizei blicken durfte. Schließlich konnte sie im Bundesland Nordrhein-Westfalen Pressesprecher, Polizeipräsidenten und den Innenminister von ihrem Dokumentarfilm-Vorhaben überzeugen. Das Filmteam durfte die Polizisten der Wache Friesenring in Münster begleiten und ihre unterschiedlichen Einsätze aus der Innenansicht erfahrbar machen.

Entstanden ist ein einfühlsames Porträt von Menschen, die keine Routine kennen, nur Erfahrung. Gezeigt wird ihr Blick auf unsere Gesellschaft. Deutlich wird der schmale Grat zwischen Befugnissen und Grenzen in der Polizeiarbeit, welche Situationen den Menschen hinter den Uniformen nahe gehen und welchen Umgang sie damit finden.

Der Film zeigt die Arbeit der Polizist*innen einer Wache in Münster, wo die Zahl der Kriminaldelikte nicht hoch ist, und dennoch ist jeder Einsatz eine Herausforderung. Die Zuschauer*innen erleben Beamt*innen auf Streife, die zu einem Notfall gerufen werden oder zur Festnahme eines Diebs ebenso wie Polizist*innen auf der Wache, die sich mit einer Ärztin über die Ingewahrsamnahme eines Randalierers abstimmen, der eine Gefahr für seine Umgebung darstellen könnte. Sie sind dabei, wenn zwei Beamte bei einem lautstarken häuslichen Streit mit dem gewaltbereiten Ehemann diskutieren - ein Einsatz, der sie noch im Nachhinein beschäftigt, stoßen sie doch hier an die Schwelle der Privatsphäre. Sollen sie den Mann mitnehmen oder nicht?

Wo sie hinkommen, ist immer etwas vorgefallen. Jemand braucht ihre Hilfe, oder sie müssen sich jemandem entgegenstellen, vielleicht Gewalt anwenden, möglicherweise sogar ihre Dienstwaffe zum Einsatz bringen. Was macht das mit ihnen? Und warum haben sie sich für die Polizei und speziell den Streifendienst entschieden, in dem sie permanent in Kontakt mit "dem Bürger" kommen?

Der Film zeigt eine Innenperspektive der Polizei und gewährt Einblicke in die alltägliche Arbeit, die einem normalerweise nicht eröffnet sind. Das Bestreben von Eva Wolf mit ihrem beobachtenden Ansatz war es, die Situation so wenig wie möglich zu beeinflussen und nur zu drehen, was sie mit den Polizist*innen erlebte. Sie verzichtet auf Kommentare oder Bilder, die über das Geschehen vor der Kamera hinausgehen. Dadurch gewinnt der Film an Authentizität, bildet aber eben erst einmal nur konkrete Ausschnitte aus der Polizeiarbeit ab.

Viele Themen, die im Zusammenhang mit "der Polizei" diskutiert werden, bleiben unberücksichtigt. Erst aus den Zwischentönen und der genauen Beobachtung werden Strukturen und Handlungsweisen sichtbar, über die sich die Zuschauer*innen ein eigenes Urteil bilden können.

Die Polizist*innen vor der Kamera geben ein positives Bild ab, und die Polizei insgesamt ist bemüht, ihr Bild in der Öffentlichkeit weitgehend zu kontrollieren. Dem konnte sich auch das Filmteam nicht entziehen. Die Autorin legt zu Beginn des Film offen, wie ihre Aufnahmen entstanden sind. Trotzdem ist "Die Wache" kein Imagefilm für die Polizei geworden. Denn nichts ist gestellt oder für die Kamera inszeniert. Die Polizist*innen sind nicht gecastet. Dementsprechend wird sofort deutlich: Es gibt nicht DIE Polizei. Die Polizist*innen sind hinter ihrer Uniform sehr unterschiedlich, kommen aus ganz unterschiedlichen Backgrounds und sind alles andere als eine homogene Gruppe. In "Die Wache" lernt man einige von ihnen mit ihren Geschichten kennen.

Interview mit Filmemacherin Eva Wolf

Was war, angesichts der Fülle an Formaten zur Polizeiarbeit im deutschen Fernsehen - fiktional oder semi-dokumentarisch - das Motiv, selber einen Film über dieses Thema zu machen?

Fast alle diese Formate konzentrieren sich auf die Einsätze und nicht die Menschen hinter den Uniformen. Mich hat aber interessiert, wie der wirkliche Polizeialltag aussieht und wie dieser Alltag die Menschen, die damit umgehen müssen, prägt. Ich glaube, im Dialog über das was Polizei in unserer Gesellschaft sein sollte, ist es sehr wichtig genau hinzusehen, was eigentlich diesen Berufsalltag ausmacht, erst dann kann man darüber sprechen, wo die Gefahren liegen und was für Menschen und welche Art der Ausbildung und Supervision wir für diesen Alltag brauchen. Und ich glaube, dass es so einen dokumentarischen Film über die Arbeit auf einer Polizeiwache bisher in all der Formatfülle noch nicht gibt.

Porträtfoto Eva Wolf
Regisseurin Eva Wolf

Auf welche Hürden bist du gestoßen, den Plan umzusetzen?

Es war sehr schwierig, Polizist*innen zu finden, die bereit waren, sich filmen zu lassen. Zu groß ist die Angst, von den Medien falsch dargestellt zu werden, aber auch sein Gesicht zu zeigen und dafür auch im Privatleben angefeindet zu werden. Das Vertrauen zu schaffen, war mit Abstand die schwierigste Hürde.

Welche Aspekte der Polizeiarbeit waren dir besonders wichtig und hast du an allen Einsätzen und Besprechungen teilnehmen können, um sie darzustellen?

Ich konnte an allen Einsätzen und Besprechungen teilnehmen, an denen auch meine Protagonist*innen teilgenommen haben. Wir sind im ganz normalen Betrieb mit einem Einsatzwagen mitgefahren. Natürlich kam es vor, dass ein anderer Wagen zu einem für mich interessanteren Einsatz fuhr, während wir gerade bei einem leichten Autounfall waren, aber das gehört eben zum dokumentarischen Arbeiten: Wir bekamen das zu sehen, was unsere Protagonist*innen erlebt haben. Da es mir vor allem um das Alltagserleben der Polizist*innen geht, war diese Mischung aus banalen, skurrilen und gefährlichen Einsätzen genau das, was ich wollte.

Der Film bleibt ganz bei den Protagonisten und versucht nicht, erklärend oder investigativ Themen zu beleuchten, die nicht durch Beobachtung dargestellt werden konnten. Hat sich diese konzeptionelle Entscheidung im Rückblick bewährt oder hast du dadurch auf etwas verzichten müssen, was dir wichtig gewesen wäre?

Es gibt Filme, die sich ganz auf das Investigative konzentrieren, mein Film ist ein beobachtender Dokumentarfilm. Ich finde, die Stärke dieses Formats ist die Authentizität. Ich glaube, für die Diskussion: "Wie sollte gute Polizeiarbeit aussehen?" ist es hilfreich, erst einmal genau hinzusehen: Wie sieht der Alltag aus und was macht dieser Alltag mit den Menschen? Darauf aufbauend könnte ich mir einen zweiten Film vorstellen, der sich ganz auf die Problemsituationen konzentriert. Aber vergessen wir nicht: Ein Hauptteil des Polizeialltags der Streifenbeamten besteht aus genau den Einsätzen, die in meinem Film gezeigt werden: häusliche Gewalt, Einbrüche, Raubüberfälle, Autounfälle, kleinere Drogendelikte.

Wie haben die Beamten, die den Film gesehen haben, auf ihn reagiert?

Er hat ihnen gut gefallen und sie hatten den Eindruck, dass er ihren Alltag authentisch wiedergibt.

Und welche Resonanz hast du bei der (Online-)Kinoauswertung vom Publikum erhalten?

Die Resonanz war sehr gut. Es gibt anscheinend ein großes Bedürfnis, diesen Alltag zu verstehen und mitzuerleben, auch wenn man eigentlich der Institution Polizei kritisch gegenübersteht. Ich hoffe sehr, dass der Film auch bei der Fernsehausstrahlung Brücken bauen kann, die zu kritischen und konstruktiven Diskussionen führen.

Interview: Udo Bremer, Dokumentarfilm ZDF/3sat

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