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Film

Die 3 Satelliten

Der Filmkünstler Peter Braatz hat 2019 den 35. Geburtstag von 3sat zum Anlass genommen, sich auf einen Streifzug durch die Schweiz, Österreich und Deutschland zu begeben.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2019
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 22.09.2019

Peter Braatz trifft Poeten, Musiker, Kabarettisten, Schauspieler, bildende Künstler, aber auch Zufallsbekanntschaften. Sie erhalten in einem assoziativen filmischen Notizbuch Raum, Mentalitäten zu beschreiben und zu formulieren, was sie bewegt.

Der Film entstand aus einem offenen Konzept, das seinen Mitwirkenden Raum für eigene Einbringungen gab. Das Spektrum der zu Wort kommenden oder in Aktion tretenden Protagonisten reicht von Jean Ziegler, Marco Rima, Thomas Schunke in der Schweiz, Adele Neuhauser, Christoph und Lollo, Yasmo in Österreich bis zu Henning Venske, Simone Solga, Detlev Buck in Deutschland.

Deren Rede- oder Performance-Beiträge stehen gleichberechtigt neben den Statements von zufälligen Reisebegegnungen und beschäftigen sich mit den Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft steht, wie man diesen begegnen und die Voraussetzungen für ein gutes und nachhaltiges (Zusammen)Leben schaffen kann. So entwickelt sich Peter Braatz' Montagefilm zu einer eigenwilligen Hommage an die Gemeinschaft der drei deutschsprachigen Länder, Mentalitäten und Kulturen.

Der Filmemacher und Musiker Peter Braatz gehörte in den 1980er-Jahren mit seiner Band S.Y.P.H. zu den Protagonisten der deutschen Punk-Szene, studierte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) Regie und machte sich in den letzten Jahrzehnten eine Namen als Filmkünstler, dessen Experimental- und Dokumentarfilme sich durch ihre musikalische Montage auszeichnen. Sein letzter Dokumentarfilm "Blue Velvet Revisited - A Meditation on a Movie" lief 2017/18 erfolgreich auf zahlreichen Festivals weltweit.

Interview mit Filmemacher Peter Braatz

Peter Braatz
Peter Braatz
Quelle: Maja Weiss

Dein Film "Die 3 Satelliten" versteht sich als eine Hommage an den deutschen Sprach- und Kulturraum. Wie hast du dich diesem weiten Thema genähert?

Zunächst gab es die Idee eines "Road-Movies" durch die drei Länder Deutschland, Österreich, Schweiz, die sich dann zu einer Entdeckungsreise durch das deutsche Sprachgebiet mit all seinen Unterschiedlichkeiten entwickelte. Dazu kam dann der Gedanke, dass diese drei Länder analog zur Wirklichkeit via Satelliten permanent in Verbindung stehen, dass sozusagen ein Jeder ständig darüber informiert ist, was jemand anderes gerade denkt und sagt. Die "3 Satelliten" also als Schnittstelle von Information und Meinungen zur Jetzt-Zeit.

Nach welchen Kriterien hast du die Mitwirkenden ausgewählt?

Bei der Grundidee zum Filmprojekt hätte im Prinzip jeder passen und im Film vorkommen können. Da mir aber das Motiv der gemeinsamen Sprache besonders wichtig war, wollte ich mich auf Personen konzentrieren, die "Sprache" generell als Plattform ihrer Artikulation benutzen und mit Worten arbeiten, also Lyriker, Poeten, Musiker, Schauspieler, Kabarettisten. Außerdem gab mir der Film die Chance Persönlichkeiten zu treffen, welche mich schon länger sehr beeindruckt haben. Und ich konnte persönliche "Helden" integrieren, die bisher von der Öffentlichkeit nicht oder kaum wahrgenommen wurden.

Hast du vor den Drehs bestimmte Verabredungen mit den Mitwirkenden getroffen?

Nein, das habe ich bewusst nicht. Es war zunächst nicht einfach, mit den vielen Wunsch-Mitwirkenden in Kontakt zu kommen, sie für das Projekt zu gewinnen und dann die Drehs zu ermöglichen. Jeder hat ja sein Leben, seine Arbeit, Termine und eine dementsprechende Planung, da kann man nicht so einfach "reinschneien" und sagen: "Jetzt musst du Zeit für mich haben." Fast die Hälfte der Protagonisten kannte ich zuvor nicht persönlich, da wurde einfach nur ein Treffpunkt ausgemacht. Und zu den meisten habe ich dann gesagt: "Dies ist kein Interview, ich bin kein Journalist, dies ist eine Plauderei, würden Sie sich darauf einlassen?"

Was waren die größten Herausforderungen bei dieser ungewöhnlichen Produktion - während der Dreharbeiten und im Schnitt?

Während der Dreharbeiten waren vor allem die aufwändigen An- und Abreisen für mich und mein Team ein Thema: Wenn du vierzehn Stunden Auto fährst, um rechtzeitig am zugesagten Ort zu sein, dann musst du viele unkalkulierbare Umstände in Kauf nehmen, oder auch Banalitäten wie unvorhersehbare Autopannen und -reparaturen, abenteuerliche Taxi-Mieten ... Bei allen Herausforderungen waren die Dreharbeiten aber geradezu ein Spaziergang gegenüber der Montage und Fertigstellung des Filmes. Der Schnitt war wirklich nicht einfach und zog sich über mehrere Phasen und Monate hin. Während des Drehs war der Film eine eher physische Anstrengung, belohnt mit tollen Begegnungen, Erfahrungen und - einfach wundervoll! Beim Schnitt war es eine große psychologische Anstrengung und zugleich eine im Kopf befreiende Erkenntnis, dass alles irgendwie zusammenhängt.

Du bezeichnest "Die 3 Satelliten" selbst als ein "filmisches Mobile". Wie ist das zu verstehen?

Für mich war der Begriff des "Mobile" bereits im Ideenstadium des Projekts wichtig, denn für mich ist dies der beste Begriff, um zu veranschaulichen, wie dieser Film aufgebaut ist. Die Grundidee eines "Mobile" sollte ja sein, leicht, schwingend, überraschend zart und doch ausgeglichen, in der Waage zu sein: pendelnd, fast fliegend, leicht, und doch kann es selbst Schweres aufwiegen, wenn es denn das entsprechende Gegenüber gibt, oder eine Mehrzahl kleinerer Gewichte. Also war die Idee, die gut vierzig Beteiligten mit ihren individuellen Beiträgen in ein Gleichgewicht zu bringen, thematisch und örtlich. So gibt es Tag und Nacht, Bewegung und Ruhe, Eindrücke, Gemälde, Skulpturen, Banales und Großartiges, direkt nebeneinander. Die Suche nach der Balance war für mich Herausforderung und Antrieb.

Interview: Katya Mader, Filmredaktion 3sat

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