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Film

Dark Eden

Fort McMurray gilt als das weltgrößte Fracking-Terrain und die am schnellsten wachsende Stadt Nordamerikas - eine Goldgräber-City, die das Leben der Regisseurin Jasmin Herold veränderte.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2018
Datum:
Verfügbar in
D / CH / A
Verfügbar bis:
bis 31.03.2020

Zwei Jahre lebte und recherchierte die Filmemacherin in Fort McMurray und verliebte sich auch in diesem unwirtlichen Ort mit seinen winterlichen Durchschnittstemperaturen von minus 20 Grad. Zur Zeit der großen Waldbrände im Sommer 2016 floh sie mit ihrem Mann.

Auch Markus und Olga aus Norddeutschland zog es in Kanadas hohen Norden. Beide hatten das erklärte Ziel, sich in der Industriestadt der Provinz Alberta das Startkapital für das Blockhaus in den kanadischen Wäldern zu verdienen - mit Erfolg.

Der Mechaniker und die Krankenschwester geben ebenso Einblicke in ihr Leben wie der afrikanische Putzmann Barnabas und der smarte Kanadier Robbie, der seine ganze Schaffenskraft der "I love Oilsands"-Kampagne widmet und ein bekennender Fracking-Anhänger ist.

Kerry, der Großwildjäger, der sein Jagdglück für kanadische Dollars in Südafrika sucht, und Bryan, ein Ureinwohner der Stadt, runden das vielschichtige Bild ab. Auch Bryan arbeitet mittlerweile in der Ölindustrie. Zur Jagd geht er nicht mehr, seit er sah, wie die Rehe aus Bächen trinken, die mit Chemikalien vergiftet sind.

Jasmin Herold wurde 1976 in Bayern geboren und lebt in Leipzig mit ihrem Mann Michael Beamish, der in Fort McMurray als "Arts Events Coordinator" arbeitete und auch Ko-Autor des Filmes ist.

Die studierte Germanistin Jasmin Herold arbeitete bereits von 2004 bis 2006 in einem kanadischen Obdachlosenheim und hatte nach ihrer Rückkehr am Deutschen Literaturinstitut Leipzig "Literarisches Schreiben" mit der Spezialisierung Drehbuch studiert. Ihr erster Kurzfilm "Flying" (2008) war Gewinner des Robert-Bosch-Preises.

Interview mit den Filmemachern Jasmin Herold und Michael Beamish

Wie seid ihr auf das Thema gekommen?

Jasmin Herold: Als ich vor Jahren in Calgary in einem Obdachlosenheim arbeitete, traf ich viele Menschen, die in Fort McMurray ihr Glück machen wollten, aber alles verloren hatten. Gleichzeitig begegnete ich in meinem persönlichen Umfeld anderen Menschen, die sehr viel Geld mit ihrer Arbeit in den Ölminen verdienten. Ich war von den Geschichten fasziniert und erst Jahre später flog ich zum ersten Mal nach Fort McMurray.
Michael Beamish: Ich kam durch Jasmin zu dem Projekt. Wir haben uns beide in Fort McMurray kennengelernt, als Jasmin mit den Recherchen für den Film begann. Ich selbst bin in der Gegend aufgewachsen und arbeitete am örtlichen College und Theater.

"Dark Eden" ist nicht nur ein Film über Öl, sondern auch eine persönliche Geschichte über deine Beziehung zu Michael. Gleichzeitig sieht man euch beide aber nur kurz am Anfang und am Ende des Films. Warum?

Jasmin Herold: Wir wollten keinen Film über uns machen, aber wir fanden es wichtig, dass unsere Geschichte Teil der Erzählung ist, um zu zeigen, wie unsere Leben und das Thema des Films eins wurden. Deshalb wird unsere Geschichte durch meine Erzählstimme vermittelt. Wir wollten uns aber nicht in den Vordergrund spielen, sondern bei den Geschichten all der anderen Menschen bleiben, die man im Film sieht. Gerade durch Michaels Erkrankung wäre es schwer gewesen, diesen Balanceakt beizubehalten, wenn wir uns selbst gefilmt hätten. Das wäre den anderen Protagonisten gegenüber unfair, weil wir leicht auf eine urteilende Schiene hätten geraten können und genau das will der Film ja auf keinen Fall.

Warum seid ihr so lange, über zwei Jahre, dort geblieben?

Jasmin Herold und Michael Beamish
Jasmin Herold und Michael Beamish beim Filmfestival in Braunschweig 2018, wo "Dark Eden" als Bester Film zum Thema Nachhaltigkeit ausgezeichnet wurde.
Quelle: Made In Germany Filmproduktion, Köln

Jasmin Herold: Weil es keine andere Chance gibt, einen Film dort zu machen, als dort zu leben. Jeder aus der Außenwelt wird argwöhnisch betrachtet und man kann nicht für vier Wochen dort aufschlagen und erwarten, dass die Leute einem sofort vertrauen und man dann einen Film im Kasten hat.
Michael Beamish: Es ist ein sehr abgeschlossener Ort und zwar in jeder Beziehung. Zum einen, weil er so isoliert ist. Die nächste Stadt ist sechs Autostunden entfernt und der Winter dauert dort sieben bis acht Monate. Zum anderen, weil die Ölindustrie allgegenwärtig ist und das Leben jedes einzelnen dort bestimmt. Von Schulen bis öffentlichen Ämtern wird alles von der Ölindustrie gesponsert. Die Arbeit in den Ölminen gleicht einem paramilitärischen Ablauf. Wer zum Beispiel Straßenschuhe in den Innenbereichen der Arbeitscamps trägt, wird sofort gefeuert. Die Menschen leben unter ständiger Kontrolle und Jasmin sagte oft zu mir, dass sie sich wie in George Orwells "1984" fühlt. Uns wurden von der Ölindustrie ständig Zugeständnisse für Drehgenehmigungen gemacht. Doch jedes Mal, wenn unser Kameramann kam, wich man plötzlich davon ab. Eine Firma sagte sogar zu uns, dass wir auf ihrer Liste stehen und sie alles tun wird, um unseren Film zu sabotieren. Es war sehr schwierig für uns, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, weil alle Angst hatten, ihre Jobs zu verlieren, wenn sie sich mit uns einlassen.

Was ist der thematische Kern des Films?

Jasmin Herold: Zum einen, dass wir Menschen so gerne glauben wollen, dass es ein Gut oder Böse gibt. Aber das ist in meinen Augen eine Illusion. Ich muss zugeben, dass ich auch viele vorgefertigte Meinungen über Fort McMurray und die Ölindustrie hatte, als ich zum ersten Mal dorthin flog. Doch die verschiedenen Menschen und Geschichten, die ich dort gefunden habe, ließen mich bald vom eigenen hohen Ross heruntersteigen. Das heißt keinesfalls, dass ich die dortige Zerstörung und Vergiftung der Natur und der Menschen gutheiße, aber wenn man Menschen aus bitterarmen Ländern trifft, die dort arbeiten, um ihre Familien zu ernähren, dann hinterfragt man das Gut-und-Böse-Konzept. Gleichzeitig fragt man sich, was für einen hohen Preis diese Leute zahlen: Sie laufen ja nicht nur Gefahr, selbst krank zu werden, sondern sie zerstören und vergiften ja auch die Menschen und Tiere, die dort schon immer gelebt haben. Ich habe mich selbst sehr oft gefragt, welche Kompromisse ich mache, welche Kompromisse wir alle machen und wann diese Kompromisse ethisch nicht mehr vertretbar sind.

Michael, bei dir wurde während der Produktion zu eurem Film "Dark Eden" Krebs diagnostiziert. Warum hast du weitergemacht?

Michael Beamish: Krebs ist schrecklich und du hast keine Kontrolle darüber. Ich fand heraus, dass ich eine seltene Form von medullärem Schilddrüsenkrebs hatte, der bereits sehr fortgeschritten war. Nach der Diagnose war es, als ob der Krebs explodierte und plötzlich war ein Tumor auf der linken Seite meines Halses zu sehen. Ich wusste nicht, was mit mir geschah. Der einzige Weg, weiterzumachen, war, dem Tumor einen Namen und eine eigene Stimme zu geben. Ich nannte ihn "Timmy, den Tumor" und er sprach in einer hohen Tonlage wie Bugs Bunny. Dass ich nicht in der Lage war, mit der Realität meiner Krankheit klarzukommen, war einer der Hauptgründe, warum ich weiter am Film gearbeitet habe. Ich musste während meiner Arbeit nicht darüber nachdenken. Ich erinnere mich daran, dass ich mitten in einem Dreh zusammengebrochen bin, trotzdem habe ich weiter gemacht. Ich glaubte - und tue das natürlich noch immer - dass es wichtig ist, die Geschichten unserer Protagonisten zu erzählen. Denn letztlich ist ihre Geschichte auch meine.

Ist die Krebserkrankung auf die Umweltzerstörung zurückzuführen?

Michael Beamish: Die Ölindustrie und die kanadische Regierung lassen keinerlei unabhängige Untersuchungen zu den dortigen Krebserkrankungen zu. Vor Jahren hat ein Arzt viele seltene Krebserkrankungen in Verbindung mit der vor Ort ansässigen Ölindustrie in Verbindung gebracht und ihm wurde damals die Approbation entzogen. Die Öllobby ist in Kanada extrem mächtig und die Medien stehen der Problematik überwiegend unkritisch gegenüber. Man hat verschiedene Humangenetiktests hier in Deutschland mit mir durchgeführt. Normalerweise gibt es drei Faktoren, die diesen Krebs auslösen, aber alle drei wurden ausgeschlossen. Die Erkrankung ist also höchstwahrscheinlich auf die Umweltverschmutzung zurückzuführen.

Wie geht es jetzt nach "Dark Eden" für euch beide weiter?

Jasmin Herold: Wir sind gerade dabei, unser zweites Filmprojekt zu planen. Es soll der zweite Film einer Trilogie werden, deren erster Teil "Dark Eden" ist. Der Fokus der Trilogie liegt auf dem menschlichen Glauben an den Fortschritt und den damit verbundenen Konsequenzen.

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