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"Rudolf Thome – Überall Blumen": Ein älterer Mann sitzt bei Rotwein und Zigaretten, milde lächelnd an einem Tisch.

Film

Rudolf Thome - Überall Blumen

In den 1970ern gelangte er zu großer Anerkennung. 28 Spielfilme später macht sich Rudolf Thome im Alter von 74 Jahren noch einmal an die Vorbereitung eines neuen Kinofilms: "Überall Blumen".

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Datum:

Als die Finanzierung scheitert, beschließt Thome, seinen Job als Regisseur aufzugeben. - Die ihm vertraute Schauspielerin und Dokumentarfilmerin Serpil Turhan hat Rudolf Thome von der Idee zu seinem neuen Projekt bis zur Aufgabe mit der Kamera begleitet.

In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren wurde der deutsche Regisseur Rudolf Thome unter anderem mit seinen Filmen "Detektive" (1969) und "Rote Sonne" (1970) international bekannt. Seit 1968 drehte er in gut vier Jahrzehnten 28 Langfilme. Als eine normale Finanzierung nicht zustande kommt, überlegt Thome, seinen neuen Kinofilm "Überall Blumen" durch eine Kickstarter-Kampagne zu realisieren. Aber Thome entscheidet sich schließlich gegen die in seinen Augen nicht-professionelle Produktionsweise und beschließt, seinen Job als Regisseur an den Nagel zu hängen und sein Leben neu auszurichten.

Gespräche und Beobachtungen

Rudolf Thomes eigensinniges Werk ist in einer Kontinuität entstanden, die zu den Ausnahmefällen im deutschen Kino gehört. Das Verfassen des Drehbuchs von Film Nummer 29 und die Versuche, die Finanzierung auf die Beine zu stellen, sind der rote Faden dieses Porträtfilms, der ausschließlich aus Gesprächen und Beobachtungen an Thomes Wohnort, einem ehemaligen Bauernhof im Brandenburgischen besteht.

Der Filmemacher gibt bereitwillig Auskunft. Man erlebt ihn außerdem als Gärtner, als Vater, als Fahrradfahrer und als Darsteller seiner selbst. Der Füllfederhalter gehört zu seinem Alltag genauso wie ein Online-Tagebuch und das Filmen von Sonnenuntergängen. Er freut sich über Rotschwänzchen, eine positive Rezension und Besucher auf seiner Website.

Sein Filmschaffen kommt angenehm unsystematisch zur Sprache, ein Fehler in der Lichtbestimmung bei "Supergirl", die Nähe zu Marquard Bohm, die Schauspieler, die in seinen Filmen beim Zähneputzen zu sehen waren. Dass haufenweise Filmkopien in verrosteten Dosen in seiner Scheune liegen statt in einem Archiv, gehört zu den eher traurigen Momenten in diesem Film mit viel Witz, Herz und Verstand.

Voller Lebenslust und leiser Ironie

Obgleich über allem die essenzielle wie existenzielle Frage nach einer neuen Zielsetzung für das eigene Leben im fortgeschrittenen Alter steht, ist "Rudolf Thome - Überall Blumen" frei von Larmoyanz und Wehmut und widmet sich dem Thema voller Lebenslust und leiser Ironie: en passant, leicht und humorvoll, ohne dabei Tragweite und Schwere zu leugnen - ganz so, wie es in den Spielfilmen von Rudolf Thome auch geschieht.

Der Film hatte seine Welturaufführung bei den Special Screenings im Forum der Berlinale 2016.

Serpil Turhan, geboren 1979 in Berlin, war von 1997 bis 2005 als Hauptdarstellerin in mehreren Kinofilmen von Thomas Arslan und Rudolf Thome zu sehen. Anschließend begann sie, selbst Dokumentarfilme zu drehen, und studierte Medienkunst/Film an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.

Interview mit Serpil Turhan

Sie haben schon bei einigen Filmen von Rudolf Thome mitgewirkt. Was hat Sie interessiert, selbst einen Film über ihn zu machen?

Serpil Turhan
Serpil Turhan

Rudolf hat mich in vielerlei Hinsicht als Filmemacherin geprägt, und ich habe eine Menge aus unserer Zusammenarbeit in den unterschiedlichen Funktionen - zum Beispiel als Darstellerin und Regieassistentin - gelernt. Seine besondere Kraft und positive Einstellung zur Arbeit hat mich immer fasziniert. In schwierigen Situationen fand er immer einen Weg und eine Lösung. Er hat mich nicht nur als Filmemacher fasziniert, sondern auch als Mensch. Im Lauf der Jahre unserer Zusammenarbeit reifte immer mehr die Idee, einen Film über ihn zu machen, jedoch war der Zeitpunkt nicht klar. Als ich von Rudolf erfuhr, dass er einen letzten Versuch starten wolle, ein neues Drehbuch zu schreiben und mit dem Filmemachen aufhören würde, falls die Finanzierung nicht zustande käme, war es mir wichtig, diesen Übergang in einen neuen Lebensabschnitt zu begleiten. Ich wusste, dass der Gedanke, eventuell keine weiteren Filme drehen zu können, nicht leicht für Rudolf war. Umso wichtiger war es mir, nicht nur zu zeigen, was er in der Vergangenheit als Filmemacher geleistet hatte, sondern auch, was ihn in der Gegenwart beschäftigt.

Waren Sie sich schon beim Beginn der Dreharbeiten sicher, dass ein Film aus den Begegnungen entstehen würde, oder reifte die Möglichkeit eines Films erst im Lauf der Zeit?

Es war von Anfang an klar, dass ein Film entstehen wird.

Welche Einschränkungen entstanden dadurch, dass Sie selbst die Kamera geführt haben?

Es war eine bewusste Entscheidung, allein bei Rudolf auf dem Bauernhof zu drehen. Es war mir wichtig, eine Intimität herzustellen, die nur zu zweit entstehen konnte, damit sich Rudolf wohl fühlen konnte. Ein Filmteam hätte er in seinem privaten Raum auf die Dauer als Belastung empfunden. Dadurch, dass ich die Kamera und den Ton allein geführt habe, sind eventuell Unsauberkeiten in der Qualität der Aufnahmen entstanden. Damit konnte ich leben, und ich glaube, dass es dem Film nicht essentiell geschadet hat. Viel wichtiger war die Zweisamkeit und Nähe, die während des Drehs entstanden ist und im Film spürbar ist.

Welche Rolle spielte das Scheitern des neuen Filmprojekts von Thome für Ihren Film, das heißt, für das Bild, das Sie von Rudolf Thome vermitteln wollten?

Ich habe es nie als "Scheitern" empfunden. Es war sein letzter Versuch, einen Film zu realisieren, dessen war ich mir zu Beginn der Dreharbeiten bewusst, und diesen Prozess wollte ich begleiten. Am Ende hat Rudolf gemerkt, dass Crowdfunding für ihn keine Lösung ist. Er braucht Geld, um seine Mitarbeiter zu bezahlen. Ich war erleichtert, dass er zu dieser Erkenntnis gekommen war. Keiner von uns beiden wusste, dass es sich innerhalb eines Jahres so entwickeln würde. Es hätte auch anders kommen können. Letzten Endes fand ich es aufrichtig und stark von ihm zu sagen: "Hier ist Schluss. Dann höre ich auf." Das passte für mich zu seinem Charakter, klar und entschlossen zu sein.

War es eine bewusste Entscheidung, Begegnungen Thomes - außer mit seiner Familie - aus dem Film rauszuhalten, oder ergaben sich in der Drehzeit keine Kontakte mit Nachbarn oder Freunden?

Ich habe keine weiteren Begegnungen bewusst rausgehalten. Rudolf bekommt zwar von Zeit zu Zeit Besuch aus Berlin, aber in unseren drei unterschiedlichen Drehphasen waren es damals nur seine Freundin, sein Sohn und dessen Lebensgefährtin. Der Kontakt zu seiner Tochter, die gerade in New York lebte, per Skype fand sowieso in regelmäßigen Abständen statt. Ich fing das ein, was vorhanden war, und wollte auch nichts zusätzlich inszenieren. Der Bauernhof liegt in einem sehr kleinen Dorf, das nur wenige Bewohner hat. Da begegnet man kaum Menschen.

Wie war die Reaktion Thomes auf den Film?

Rudolf hat insgesamt positiv auf dem Film reagiert. Er hätte sich den Film vielleicht noch ein bisschen lustiger gewünscht. Das würde aber nicht der Wahrheit entsprechen, denn es gibt nicht nur lustige Momente. Deshalb gibt es auch eine berührende und melancholische Ebene im Film.

Interview: Udo Bremer, Filmredaktion 3sat, 2017

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