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Film

"Immer aufrichtig und bis zur Schmerzgrenze ehrlich"

Interview mit Valesca Peters, Regisseurin des Dokumentarfilms "Helmut Berger, meine Mutter und ich"

Regisseurin Valesca Peters
Valesca Peters, Jahrgang 1982, arbeitet als freiberufliche Film- und Video-Editorin in Berlin.

Sie haben eher durch Zufall und eine Verkettung glücklicher Umstände die Bekanntschaft mit Helmut Berger gemacht. Wie haben Sie ihn als Mensch erlebt?

Es ist schon ein wenig komisch, dass mich ausgerechnet meine Mutter zum Stoff meines Regiedebüts geführt hat. Von selbst wäre ich nie auf die Idee gekommen, einen Film über Helmut Berger zu machen. Die ganze Geschichte beruht ja eigentlich nur darauf, dass meine Mutter im Sommer 2016 aus Langeweile im Internet surfte. Sie fragte sich, was Helmut Berger macht und war schockiert über ihr Suchergebnis. Alkoholsucht, skandalöse Auftritte, Dschungelcamp ... sie konnte es nicht fassen und war überzeugt: Berger braucht nur einen anständigen Auftrag, dann wird er schon wieder. Sie rief mich also mit ihrer neusten Idee an: Sie wolle ein Drehbuch für Helmut Berger schreiben und mit dem neuen Engagement für ihn den katastrophalen Niedergang des einstigen "schönsten Manns der Welt" aufhalten.

Ich nahm das Ganze nicht sonderlich ernst, denn meine Mutter, die Finanzcontrollerin, hatte bisher mit Film überhaupt nichts zu tun! Ich dachte mir, dass sie ohnehin nie an Helmut Berger herankommen würde. Aber sie ließ nicht locker. Und als ich das nächste Mal mit ihr sprach, saß sie tatsächlich schon im Zug nach Salzburg. Sie hatte Bergers Nummer herausgefunden, ihn ans Telefon bekommen und den Star ihrer Jugend überredet, einen Film mit uns zu drehen. Für sie war natürlich klar, dass ich Regie führen musste. Ursprünglich skeptisch, dachte ich nun: Wenn meine Mutter es schafft, Berger zu interessieren, sollte ich dem Projekt zumindest eine Chance geben.

Meine erste Begegnung mit Helmut fand in Paris statt, wo wir uns zu einem ersten Drehtermin verabredet hatten. Für mich war das zugleich ein Test, ob wir überhaupt zusammen arbeiten können, ob Berger etwas zu erzählen hat. Zugegebenermaßen hatte ich etwas Angst vor dieser Begegnung, denn auch ich habe im Internet recherchiert und mich gefragt, was um Himmels Willen ich mir da eingebrockt habe. Was soll ich als unerfahrene Regisseurin einem wie Helmut Berger entgegensetzen? Wird er mich provozieren? Wird er meinen Ideen eine Chance geben? Wird er unser junges Filmteam überhaupt ernstnehmen oder sich vielleicht daneben benehmen?

Mit diesen Fragen machte ich mich auf den Weg in sein Hotel und tatsächlich: Es lief sehr gut. Die anfänglichen Ängste lösten sich in Luft auf. Ich habe ihn von Anfang an als einen sehr unkomplizierten, sympathischen und vor allem lustigen Menschen erlebt. Star-Allüren gab es keine, und so konnten wir gleich gut miteinander arbeiten. Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen, welches er mir entgegengesetzt hat. Ohne seine Offenheit wäre der Film nie so geworden wie er ist.

War es schwierig, sich ihm anzunähern?

Am Anfang war es nicht einfach, Helmut Berger menschlich nahe zu kommen. Ich versuchte es zunächst ganz klassisch über Interviews. Doch sobald die Kamera lief, wurde er sofort zum Schauspieler. Er spielte die Interviews, gab wenig von sich preis. Er behauptete, ihm sei alles scheißegal. Ich wollte aber in diesem Film zeigen, dass das eigentlich gar nicht stimmt, dass er eine sehr sensible Person ist. Genauso erlebte ich ihn nämlich, wenn keine Kamera im Raum war. Also dachte ich mir einen Kunstgriff aus, um mehr über ihn zu erfahren: Ich ließ die Kamera aus und unterhielt mich einfach mit ihm.

Unsere Gespräche drehten sich um ganz existentielle Themen: um Liebe, Einsamkeit, den Tod. Ich schrieb seine Antworten mit und fasste sie anschließend zu Texten zusammen. Diese Texte ließ ich Berger dann rezitieren und nahm dabei nur den Ton auf. Ich hatte das Gefühl, dass ihm das Rezitieren dabei helfen würde, seine innere Welt nach außen zu kehren. Zudem inszenierten wir auch Spielszenen mit ihm, weil ich das Gefühl hatte, dass er eben diesen Moment des Spiels braucht, um sich öffnen zu können. Ich kombinierte dann die zuvor aufgenommenen Audioaufnahmen mit dem inszenierten Material. So entstanden in mehreren Arbeitsschritten Sequenzen, in denen Berger sein Innenleben zeigen konnte und die mir halfen, ein Gefühl für seine Persönlichkeit zu entwickeln.

Im Kreis meiner Familie empfand ich Helmut als sehr herzlich und "normal". Ich wollte diese Facette seiner Persönlichkeit unbedingt auch im Film haben, also beschloss ich, ihn ganz klassisch dokumentarisch mit der Kamera zu begleiten. Das funktionierte tatsächlich zusammen mit uns anderen besser, als ihn alleine zu filmen. Außerdem fand ich es nur fair, auch uns zu zeigen: warum auch nicht, wenn wir schon einen Film über ihn machen wollten? Ich denke, diese Maßnahme schuf ein Gleichgewicht und sorgte für mehr Vertrauen. Unsere gemeinsame Zeit wurde zum roten Faden der Erzählung, brachte eine dramaturgische Chronologie in den Film.

Irgendwo zwischen der unnahbaren Schauspiel-Ikone und dem liebenswerten "Onkel Helmut", der für uns Einkaufslisten schreibt, musste sich seine vielschichtige Persönlichkeit verbergen. Mir war klar, dass ich mich dieser nie vollständig annähern können würde. Aber es war mein Ziel, ihn so zu zeigen, wie ich ihn kennengelernt habe: manchmal weise, manchmal bedauernd, manchmal amüsiert, manchmal anstrengend, manchmal mit großer Wärme, manchmal distanziert ironisch. Aber immer aufrichtig und mitunter bis zur Schmerzgrenze ehrlich.

Wie haben Sie es geschafft, sich als junge Regisseurin seinen Respekt zu verschaffen?

Diese Frage habe ich mir selbst schon oft gestellt. Ich hatte weder ein Renommee, noch konnte ich viel Erfahrung vorweisen. Es gab also eigentlich keinen logischen Grund, weshalb Helmut Berger ausgerechnet mit mir einen Film machen sollte. Den Mangel an Erfahrung versuchte ich durch eine sehr gute Vorbereitung auszugleichen. Das war allerdings nicht immer möglich, weil Helmut Berger dann ja plötzlich bei meiner Mutter einzog und ich vor der großen Frage stand: Was soll ich hier auf dem Land mit dem Weltstar drehen?

Ich musste improvisieren und versuchte dabei möglichst kompetent zu wirken, auch wenn ich manchmal einfach nur einem Gefühl folgte. Interessanterweise hat Helmut einfach alles mitgemacht! Ich denke, am wichtigsten war vermutlich die gegenseitige Sympathie und der Spaß beim Drehen. Und vielleicht auch die grundsätzliche Herangehensweise unseres Teams. Wir haben von Anfang an darüber gesprochen, dass dies kein vorführender Film werden soll. Unser Ansatz war immer die Neugierde, den Helmut Berger hinter der "Skandalfassade" kennenzulernen, und ich denke dieser respektvolle Umgang wurde mir von Helmut zurückgegeben.

Interview: Nicole Baum

Helmut Berger, meine Mutter und ich
Film -

Helmut Berger, meine Mutter und ich

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