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Film

Ab 18! - Mein Name ist Khadija

Khadija ist 27 und lebt allein in einer Plattenbausiedlung in Moskau. Sie möchte nach dem Koran leben und trägt Kopftuch. Eigentlich heißt sie Tatjana und ist eine russische Konvertitin.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2015
Datum:
Verfügbar in
D / CH / A
Verfügbar bis:
bis 04.11.2020

Als Tatjana den Glauben wechselte, wandten sich ihre Eltern von ihr ab. Sie heiratete schnell einen Muslim - zu schnell; die Ehe scheiterte, weil sie es nicht schaffte, sich als Frau gänzlich unterzuordnen. Sie widersprach ihrem Mann. Er schlug sie und ließ sich scheiden. Khadija sehnt sich nach festen Familienstrukturen, nach Sicherheit, nach Geborgenheit und einem Ehemann, der nicht trinkt.

Früher war Tatjana ein wildes russisches Mädchen, genauso wie viele ihrer Glaubensschwestern. Ordentlich aufgepeppt, gepierct und gestylt, waren sie ständig auf Partys. Heute kleidet sich Khadija züchtig und hat es wegen ihres Äußeren nicht leicht, Arbeit zu finden. Sie wird auf der Straße beschimpft und für eine potentielle Terroristin gehalten. Tatjana lebt hin- und hergerissen zwischen den Identitäten - sie will eine gute Muslima sein, und doch möchte sie weiterhin frei leben, zur Aerobic gehen und jeden Tag zur Arbeit. Eigenes Geld sichert Unabhängigkeit.

Khadijas Weg zum Glück im Islam wird immer wieder erschüttert. Als sie sich weigert, an ihrem Arbeitsplatz, einem Haarverlängerungsstudio, das Kopftuch abzunehmen, wird sie von ihrer Chefin bloßgestellt. Als eine Glaubensschwester sie als Zweitfrau verkuppeln will, lehnt sie beleidigt ab, denn sie möchte ihren Mann mit keiner anderen Frau teilen.

In ruhigen Sequenzen, leise und eindringlich, erzählt Katja Fedulova von den Schwierigkeiten junger Frauen im postsozialistischen Russland. Wie schwer es ist, sich neu zu finden und die eine Lebenswelt zu erhalten, ohne die andere zu verraten.

Die aus St. Petersburg stammende DFFB-Absolventin Katja Fedulova beschäftigt sich seit einigen Jahren mit dem Thema und beleuchtet in ihrem Porträt die Beweggründe für Frauen wie Tatjana, die mit der Konvertierung auch einen neuen Namen annehmen.

3sat zeigt den Dokumentarfilm "Mein Name ist Khadija" im Rahmen der Reihe "Ab 18!", die mittels außergewöhnlicher filmischer Handschriften Geschichten vom Erwachsenwerden erzählt.

"Khadija ist als Muslima noch nicht gefestigt"

Katja Fedulova, Regisseurin von "Der Patriot"
Katja Fedulova, Regisseurin von "Der Patriot"
Quelle: Uwe Recherter

Interview mit Filmemacherin Katja Fedulova

Wie ist das Projekt "Mein Name ist Khadija" zustandegekommen? Sie haben an der 3sat-Ausschreibung "Ab 18!" teilgenommen, ein Exposé eingereicht?

Genau. Aber eigentlich bin ich mit dem Thema schon seit über vier Jahren beschäftigt.

Seit "Allahs russische Bräute" von 2011?

Ja, aber diesen Film habe ich leider nicht realisieren können, weil sich keine Finanzierung ergeben hat. Aber ich habe viel recherchiert damals und auch Protagonistinnen gefunden. Und ich habe das Konzept immer mit mir rumgetragen und nie aufgegeben, weil ich einfach an das Thema geglaubt habe. Wie man jetzt sieht, ist es über die Jahre ja relevant und aktuell geblieben. "Mein Name ist Khadija" ist ja im Grunde die Fortführung von "Allahs russische Bräute".

War Khadija alias Tatjana 2011 auch schon dabei?

Nein, Khadija ist erst seit zwei Jahren Muslima, 2011 habe ich sie noch gar nicht gekannt. Aber ich wusste ja durch meine Recherchen, wo ich meine Protagonistinnen finden würde, in Internet-Netzwerken, vor allem im russischen Facebook. Auf meine Anfragen haben sich viele Frauen gemeldet, aber nur wenige kamen wirklich in Frage. Meinen Kriterien zufolge sollte es eine Russin sein, deren Konvertierung zum Islam noch nicht lange her ist. Bei Khadija habe ich sofort gemerkt, dass sie als Muslima noch nicht gefestigt ist, aber trotzdem versucht, ihr Bestes zu geben.

Sie verzichten als Autorin auf einen Off-Kommentar und lassen die Bilder und O-Töne für sich sprechen. Folgt das schlicht den Vorgaben der Ausschreibung oder entspricht das auch Ihrem eigenen Ethos als Dokumentarfilmerin?

Ich habe während des Arbeitsprozesses lange überlegt, inwieweit ich manche Dinge erklären soll, die im Film nicht auserzählt sind. Khadija hat natürlich auch viel mehr erzählt, als im Film zu sehen ist. Also, man hätte aus dem Material locker einen viel längeren Film schneiden können. Aber das Format ist nun mal auf fünfundvierzig Minuten beschränkt, und deswegen musste ich mich entscheiden, was ich bloß andeuten will und was sich von alleine erklärt.

Abgesehen davon bin ich aber auch kein Freund von erklärenden Kommentaren oder Bewertungen seitens der Regie. Stattdessen wünsche ich mir, dass die Zuschauer in meinen Filmen Raum haben für ihre eigenen Gedanken. "Mein Name ist Khadija" zum Beispiel ist kein Aufklärungsfilm über den Islam. Ich beobachte bloß die islamische Welt beziehungsweise einen kleinen Teil davon. Die Zuschauer dürfen sich ihr eigenes Urteil darüber bilden.

Wie bereiten Sie Szenen vor, wie stark greifen Sie in das Geschehen ein? Nehmen wir das Beispiel des Gesprächs Khadijas mit der Taxifahrerin.

Also, diese Taxifahrt war auf jeden Fall geplant. Die Überlegung war: Khadija hat keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern und lebt mehr oder weniger allein, geschieden von ihrem Mann - wie bringe ich sie also mit Vertretern der russischen Gesellschaft zusammen, um eine gewisse Reibung zu erreichen, um einen Dialog, eine Annäherung anzustoßen? Ich dachte, das muss in einem Raum stattfinden, wo keine Fluchtmöglichkeit besteht - zum Beispiel in einem Taxi.

Und die Taxifahrerin war eingeweiht in diesen Plan?

Nein, ich habe ihr nur gesagt: "Wir drehen einen Dokumentarfilm, fragen Sie Khadija einfach alles, was Sie an ihr interessiert." Ich habe mich dann im Taxi auf dem Boden versteckt, meine Kamerafrau saß auf dem Beifahrersitz, und meine Tonfrau war ganz hinten im Gepäckraum. Die Taxifahrerin war zum Glück ziemlich neugierig und gesprächig.

Und natürlich war der Ausgangspunkt diese unmittelbare Auseinandersetzung mit den Nachbarinnen. Die haben sich total aufgeregt, weil sie gesehen haben, dass eine Muslima gefilmt wird. Die wollten uns sogar verbieten zu drehen, obwohl wir alle Genehmigungen hatten, die wollten sogar die Polizei rufen. Wir sind dann mit der Kamera ein Stück zurückgegangen und haben so getan, als ob wir einfach nur auf die Polizei warten, und stattdessen haben wir die Kamera laufen lassen und den "Angriff" auf Khadija mitgedreht.

Sie haben bei bedeutenden Kamerafrauen und –männern und Regisseuren studiert: Sophie Maintigneux, Slawomir Idziak, Michael Ballhaus, Andres Veiel. Gibt es jemanden, der Sie besonders geprägt hat?

Ich habe ja eigentlich Kamera studiert an der DFFB, aber meine abendfüllende Abschlussarbeit "Glücksritterinnen" habe ich im Rahmen eines Dokumentarfilm-Seminars mit Andres Veiel gedreht. Ich hatte viele gute Dozenten und Seminare, aber sein Seminar hat mich am meisten geprägt, als Kamerafrau und insbesondere als Regisseurin. In diesen zwei Jahren mit Andres Veiel habe ich unheimlich viel gelernt - das war der Kern meines Studiums.

Die Fragen stellte Udo Bremer.

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