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Film

Ab 18! - Jocko 23

Jocko, 23, lebt in einem Plattenbau in einer kleinen Stadt nahe der polnischen Grenze. Gleichaltrige gibt es dort kaum. Einsamkeit und Zukunftslosigkeit machen ihm zu schaffen.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2014
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 06.11.2020

Jocko hat sein Auskommen in einem Elektrobetrieb gefunden. Seit sein Vater nach dem Tod der Mutter nur noch begrenzt arbeitsfähig ist, ist er für Geldverdienen und Haushalt zuständig. Jocko arbeitet gegen den Verfall an, findet Freude daran, Dinge zu reparieren und zu bewahren. Auf seinem Fahrrad fährt er zu den Kunden oder auch nur so durch die Landschaft. Seine Fahrten markieren den Radius seiner Freiheit und seiner Sehnsucht.

Er hatte sich dafür entschieden, nicht wegzugehen. Doch inzwischen ist auch er hin und her gerissen: Er möchte seinen Vater und seine Heimat nicht im Stich lassen, doch hält er die Einsamkeit manchmal nur schwer aus. Er arbeitet an sich, will fit und gewappnet sein. Für was auch immer. Noch uneingestanden verspürt er einen wachsenden Hunger auf Zukunft.

Die Münchner Filmemacherin Bettina Timm porträtiert in ihrem teils dokumentarischen, teils inszenierten Film einen jungen Mann, der an einem fast schon aufgegebenen Ort der deutschen Provinz lebt. Jocko ist sich bewusst, dass er Teil einer ökonomisch und politisch an den Rand gedrängten Jugend in Deutschland ist und hat seine ganz eigenen Überlebensstrategien gefunden.

"Jocko 23" entstand im Rahmen der Reihe "Ab 18!", in der junge Filmemacher mit außergewöhnlichen filmischen Handschriften Geschichten vom Erwachsenwerden erzählen.

  • Regie - Bettina Timm, Alexander Riedel

"Alles scheint immer möglich"

Jocko-23-Regisseurin-Bettina-Timm
Bettina Timm hat zuletzt unter anderem auch für die Dokumentarfilm-Reihe "House of Love" des "Kleinen Fernsehspiels" im ZDF gearbeitet.

Interview mit Filmemacherin Bettina Timm

Bettina Timm, Jahrgang 1977, studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. 2000 gründete sie zusammen mit Alexander Riedel die Firma Pelle Film. 2008 wurde ihr die "Lola" für den besten Deutschen Kurzfilm verliehen. Sie arbeitet als Produzentin und Regisseurin in München.

Jocko ist ein starker Charakter - in der Art wie er mit den ihm widerfahrenen Schicksalsschlägen umgeht, aber auch wie er gegen den Verfall seiner Heimat ankämpft. Wie sind Sie auf ihn gestoßen, und wie entstand die Idee, einen Film über ihn zu machen?

Ursprung war die Diskussion über die verheerende Jugendarbeitslosigkeit in einigen Ländern Europas. Dagegen wird Deutschland gerne als Gegenmodell hingestellt, wo alles richtig gemacht wird. Dabei vergisst man, dass es auch bei uns Orte und ganze Landstriche gibt, wo die Statistik nur deshalb nicht so besorgniserregend ausfällt, weil es dort kaum noch junge Leute gibt. Oft gehen sie nicht freiwillig, sondern weil sie daheim einfach keine Chancen haben. Und so schrumpfen Städte, vergreisen Regionen. Auf Jocko bin ich dann über einen Freund gestoßen, der selbst aus der Gegend stammt.

"Jocko 23" wirft einen intensiven Blick auf den Alltag und die Wünsche des Protagonisten. Welche Aspekte waren Ihnen besonders wichtig?

Dieses Ausharren, die Heimat nicht aufgeben, Verantwortung übernehmen und damit die eigenen Bedürfnisse hintenanstellen, das ist sicherlich das was mich beeindruckt hat. Vielleicht auch deswegen, weil es mich an meinen Vater erinnert hat, der nach dem Tod seines Vaters sehr jung dessen Pelzgeschäft übernehmen musste und solange Pelzmäntel geschneidert und ausgebessert hat, bis er es schuldenfrei an seine Mutter und Schwester übergeben konnte. Um erst dann seine eigene Wege zu gehen.

Anders als in Ihrem Film "Kiran", den Sie zusammen mit Alexander Riedel für die 3sat-Reihe "Fremde Kinder" realisiert haben, arbeiten Sie in "Jocko 23" nicht nur mit Beobachtungen, sondern auch mit gesetzten Interviews. Was war der Grund für diese Arbeitsweise?

Bei Kiran wollten wir - Alexander Riedel und ich - ohne Interviews und ganz situativ erzählen. Das zu Erzählende und die Problematik lag bei Kiran auch ganz im Hier und Jetzt. Bei Jocko auch, doch ist seine Vergangenheit wichtig, das bereits Erlebte prägend, und so war für mich das Interview die direkteste und auch passendste Art, Einblick zu gewähren.

Sie gehen bei "Jocko 23" sogar noch einen Schritt weiter und arbeiten mit Inszenierungen. Wie kam es zu dieser Entscheidung und inwieweit sehen Sie Ihren Film noch als Dokumentarfilm?

Als Dokumentarfilmer recherchiert man oft Sachverhalte, die sich, wenn schließlich die Finanzierung steht, schon wieder verändert haben. Oder es geschieht, dass sich Protagonisten plötzlich nicht wirklich in ihrem eigentlichen Umfeld äußern wollen. Dennoch möchte man ihre Geschichte erzählen, besonders dann, wenn sie einen ganz persönlich berührt. So ist es mir mit Jocko gegangen. Da waren unsere Gespräche, Jockos Erzählungen. Es ging dann darum, sie in eine filmische Form zu fassen, eine Verdichtung der Realität zu erreichen. Diese ist im Film geprägt von einer Vaterfigur, die symbolhaft für die Bindung des Jungen an seine Herkunft und Heimat steht.

Inwiefern ich den Film noch als Dokumentarfilm sehe? Welche Bilder, frage ich mich, würde man für sich selber wählen, um sein Leben jetzt und hier in 30 Minuten erzählen? Ich habe versucht, Jockos Geschichte in Bildern einzufangen, in denen auch seine Ängste und Wünsche deutlich werden. Die Methode ist dokumentarisch, aber sie will ja nicht bloß abbilden, sondern auch deuten. Das ist die Sicht, meine Sicht auf die Wirklichkeit, eine Anteil nehmende, die ich mit dem Zuschauer teilen möchte.

Der Film ist ein filmisch verdichtetes Porträt des Protagonisten. Wie hat er auf den fertigen Film reagiert?

Der Film ist ja erst vor ein paar Tagen richtig fertig geworden und so hatte wir noch keine Möglichkeit ihm den Film zu zeigen. Ich bin aber auch sehr gespannt darauf. Es hat sich doch auch bei ihm bereits wieder viel getan. Das ist das Spannende, wenn man mit jüngeren Menschen dreht. Das ist wirklich eine Momentaufnahme, da doch alles immer möglich scheint und noch vieles im Wandel ist.

Die Fragen stellten Malin Koch und Katya Mader.

  • Nach der Ausstrahlung des Films am 5. Oktober 2014 hat Jocko selbst dazu geschrieben:
  • "Was der Film mit mir gemacht hat? Ich bin selbstbewusster geworden. Ich hatte immer das Gefühl, dass mir Menschen mit Gleichgültigkeit begegnen. Das ist viel besser geworden. Ich führe jetzt ein anderes Leben. Arbeite im Verkauf in einem Laden. Alle sagen, ich kann das. Aber ich würde mich so gerne auch trauen, meine leiblichen Brüder kennenzulernen. Ich habe Angst, dass sie das nicht wollen. Irgendwann werde ich das machen ..."

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