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Film

Ab 18! - Me and Europe

Die 23-jährige Kaiya aus Schottland ist unterwegs durch Europa auf einer Interrail-Reise von Glasgow nach Istanbul, und das in Zeiten des bevorstehenden Brexits.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2019
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 04.11.2020

Sie geht auf eine Reise, die den Kontinent und seine Menschen erlebbar macht. Für Kaiya ist es durch die Konfrontation mit bekannten und unbekannten Emotionen aber auch eine persönliche Reise durch das eigene Ich.

Kaiya reist allein, aber hat immer wieder Begegnungen mit anderen Reisenden: im Zug, im Hostel oder in einem der vielen Bahnhöfe. Sie besucht eine Freundin in Wien, sie gehen schwimmen und im Regen spazieren. In Budapest diskutiert sie mit einem jungen Mann über Europa. In Serbien erzählt ihr eine junge Mitreisende, wie schwierig das Leben in einem europäischen Nicht-EU-Land ist, und in Belgrad erlebt Kaiya hautnah die Infrastrukturprobleme des Landes: Es fahren keine Züge mehr.

Der Film zeigt den Zwiespalt eines jungen Menschen in Europa, dem Friedensprojekt, das wir so selbstverständlich als Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts kennen, das aber in einer Krise steckt. Der Film ist die Visualisierung einer Suche nach Identität und Orientierung und macht den Geist Europas, seine Vielfalt, seine Zerbrechlichkeit und seine persönlichen Verbindungen erlebbar.

In einem Spannungsverhältnis von Begegnungen und Alleinsein, von Vertrautem und Unbekanntem porträtiert der Film europäische Begegnungen. Durch Kaiyas reflektierte, gefühlvolle Persönlichkeit zeigt er mit Poesie ihre Reise als ein Zusammenspiel aus Herausforderung und Überforderung, aus Stillstand und Bewegung.

Marvin Hesse, 1987 in Herford geboren, wuchs in einer kleinen Stadt in Nordrhein-Westfalen auf. Nach seiner Ausbildung als Mediengestalter Bild und Ton in Bielefeld und Köln studierte er an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg in den Klassen von Wim Wenders und Pepe Danquart. Seit Ende 2017 ist er in der Klasse von Raimund Bauer. Sein letzter Dokumentarfilm "Everyone in Hawaii has a Sixpack Already" (2018) feierte seine Premiere beim International Film Festival Rotterdam und wurde auf zahlreichen weiteren internationalen Filmfestivals gezeigt.

Lea Semen, 1986 in Karlsruhe geboren, arbeitete in ihrem Volontariat bereits an unterschiedlichen nationalen und internationalen Filmprojekten für Sender wie ARTE, ZDF, RBB, SWR und NDR. Sie studierte Medien und Kommunikation an der Universität Passau und Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg. Heute ist sie vor allem als freie Autorin bei funk für "Jäger & Sammler" und als stellvertretende Redaktionsleiterin des "Y-Kollektiv" tätig.

Stab

  • Regie - Marvin Hesse, Lea Semen
Die Filmemacher Lea Semen und Marvin Hesse und ihre Protagonistin Kaiya.
Die Filmemacher Lea Semen und Marvin Hesse und ihre Protagonistin Kaiya.

Suche nach Identität

Interview mit Lea Semen und Marvin Hesse, den Filmemachern von "Me and Europe"


Wie seid ihr auf die Idee für das Projekt gekommen? War der Brexit der Auslöser?
Wir haben über die Presse und über Social Media von der Initiative #FreeInterrail erfahren, der Idee eines kostenlosen Interrail-Tickets für junge Europäer, die von der EU finanziert wird. Wir haben dann darüber gesprochen, wie wichtig es ist, dass sich die junge Generation in Europa begegnet und kennenlernt. Weil wir beide Filme machen und dies unser Weg zu kommunizieren ist, entstand die Idee, einen Dokumentarfilm darüber zu machen. Die gegenwärtige "Sinnkrise” Europas zeigt sich aktuell am deutlichsten am Brexit und die Schotten spielen darin eine besonders absurde Rolle. Deshalb haben wir eine junge Schottin gesucht, durch die wir einen Eindruck von Europa im Jahr 2019 erzählen können.


Wie habt ihr Eure Protagonistin Kaiya gefunden und warum habt Ihr sie ausgewählt?
 
Im Herbst 2018 waren wir für zehn Tage auf Recherchereise in Schottland, um junge Leuten zu treffen, ihre Perspektive auf Europa, Brexit und das Reisen zu erfahren - und um eine Protagonistin zu finden. Wir trafen unterschiedliche junge Leute und erzählten Ihnen von unserem Filmvorhaben: in Cafés, in Bars, auf der Straße, an Unis und Hochschulen und im Museum. Dort lernten wir Kaiya kennen, eine junge Britin, die in Schottland lebt. Sie saß in einem Museumscafé und schrieb gerade einen Brief an eine Freundin. Sie fiel uns auf! Wir haben sie direkt angesprochen und waren von ihrer Offenheit, ihrer Art, die Dinge zu sehen, zu reflektieren, begeistert. Wir erzählten ihr von unserem Filmvorhaben und dass wir einen jungen Menschen suchen, der Europa bereisen möchte. Eine Interrail-Reise hatte sie schon lange vor, und es lag ein freier Sommer vor ihr. So kam es, dass wir Ihre Reise durch Europa begleiten konnten.


Was war die größte Herausforderung auf der Reise und für den Film?
Die größten Herausforderungen waren sicher technischer und logistischer Natur. Wir wollten so flexibel wie möglich arbeiten und im Grunde keinerlei Vorgaben machen -  wie wir reisen werden, welche Route wir einschlagen und wo wir nächtigen werden.
Das bedeutet zum einen, jederzeit drehbereit zu sein, auch wenn wir unser gesamtes Reisegepäck am Körper tragen, zum anderen, oft nicht zu wissen, wo wir unterkommen werden. Flexibel zu sein bedeutet oft mehr Vorbereitung als wenn man genau weiß, was passieren wird und wie es aussehen soll. Technisch bedeutete dies Einiges an Recherche und Tests, logistisch war die beste Vorbereitung, sich gegenseitig im Vorfeld kennen- und einschätzen zu lernen, um diese Spontaneität in der Gruppe zu ermöglichen und "auszuhalten”. Kaiya sollte so handeln, als wäre sie allein unterwegs. Das war uns wichtig, und somit war die Entscheidung gefallen, dass wir uns und unsere Bedürfnisse teilweise zurückstellen mussten.

Wie habt Ihr den Fokus gesetzt bei einem Film, der in 30 Minuten von einer Reise durch viele europäische Länder erzählt?
 
Die Reise und damit das Filmmaterial kann viele Geschichten erzählen, weil Kaiya in den vier Wochen Reisen sehr viel erlebt, gesehen, reflektiert hat, sich mit vielem beschäftigt und auseinandergesetzt hat. Wir haben uns dafür entschieden, dass der Film die Visualisierung einer Suche nach Identität und Orientierung sein soll und den Geist Europas, seine Vielfalt, seine Zerbrechlichkeit und seine persönlichen Verbindungen erlebbar machen soll. Fern wird plötzlich nah. Fremdes wird plötzlich bekannt. In romantischer Reiseästhetik stellt der Film die großen Identitätsfragen mithilfe individueller, persönlicher Dialoge und Beobachtungen. Mit Begegnungen, die einen Einblick geben in das Leben von einem jungen Menschen, einem jungen Menschen unterwegs in Europa.


Welche Wirkung soll Euer Film auf die Zuschauer haben? Was für Reaktionen wünscht Ihr Euch?
 
Die neue Shell-Jugendstudie zeigt: So gut wie alle Jugendlichen betonen an allererster Stelle, dass sie mit der EU Freizügigkeit verbinden, also die Möglichkeit,  in andere europäische Länder zu reisen, dort studieren, arbeiten oder sich gänzlich niederlassen zu können. Ein Europa ohne Grenzen ist aus Sicht der Heranwachsenden die wichtigste Errungenschaft der EU. Aber was passiert, wenn das nicht mehr so ist? Mit dieser Sorge setzt sich der Film auseinander, und wir hoffen, dass wir dies auch transportieren können.
Wir wünschen uns auch, dass wir mit dem Film eine Sehnsucht und ein Freiheitsgefühl transportieren können, eine Sehnsucht nach dem Reisen, nach Begegnungen, eine Leichtigkeit und eine kritische Selbstreflexion. Wir freuen uns auf einen Austausch mit unserem Publikum, über Fragen, Anregungen und eine Auseinandersetzung mit einem Europa, das wächst und zerfällt zugleich und dessen Existenz wir oft für so selbstverständlich ansehen.

Wie präsent seid Ihr als Filmemacher im Film? Habt Ihr, vielleicht unabsichtlich, Abläufe beeinflusst?
Wir sind im Film nur subtil präsent, in der Art und Weise, wie wir Kaiya und die Situationen eingefangen haben und wir sie anschließend im Film erzählen. Natürlich haben wir auch neben der Kamera mit Kaiya Zeit verbracht, wir haben uns mit ihr unterhalten und haben so unter Umständen auch Themen gesetzt oder Gedanken in Bewegung gebracht. Die Präsenz der Kamera verändert immer eine Situation und führt dazu, dass Menschen sich darstellen, sich dazu genötigt fühlen, etwas zu sagen, oder sich unwohl fühlen. Wir haben versucht, immer offen auf alle zuzugehen, auch wenn es nur kurze Begegnungen waren. Und dabei eine Mischung zu finden, ganz selbstverständlich zu drehen, aber Respekt zu zeigen. Während der Reise haben wir mit Kaiya hin und wieder über die Route gesprochen, weil diese
wirklich spontan entstanden ist. Da haben wir manchmal gemeinsam festgelegt, welcher Ort vielleicht interessanter oder einfach logistisch sinnvoller ist. – Einfluss auf Kaiya, die Situationen und auch auf die Reise hatten wir sicher, wir haben uns aber soweit es ging zurückgehalten.

(Interview: Katharina Huhn, Achim Forst)

"Ab 18! - Me and Europe": Eine junge Frau (Kaiya) steht am geöffneten Fenster im Gang eines älteren Zugwaggons und schaut an der Kamera vorbei nach hinten in die Ferne. Neben dem Zug erkennt man mehrere parallele Schienenstränge und Bäume am Rand der Trasse.
Film -

Kritik über "Me and Europe" im Weser-Kurier

Eine Bahnreise gegen die Brexit-Angst

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