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Was verbindet den Mann und das Mädchen (Meira Durand und Andreas Lust), die da Kilometer um Kilometer durch den Schwarzwald fahren?

Film

Tatort: Für immer und dich

Ein Mann und ein Teenager fahren durch den Schwarzwald, einander nah, doch angespannt. Ein Paar? Oder Vater und Tochter?

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2019
Datum:

Sie  können durchgehend vom 23. November, 20.00 Uhr, bis zum 29. November, 14.00 Uhr, im Internet unter www.3sat.de wählen oder telefonisch Ihren Lieblingsfilm wählen.
Für "Tatort: Für immer und dich" lautet die Telefonnummer 0137 4141 - 05.

Als ein Jugendlicher den beiden eine Laptop-Tasche aus dem Wagen klaut, wird der Mann so nervös, dass er den Dieb auf der kurvigen Straße verfolgt. Kurze Zeit später hat er die Tasche wieder - der Dieb und sein Moped aber liegen im Abgrund.

Fremdeinwirkung

Der Polizei ist schnell klar, dass es Fremdeinwirkung gab und der Fahrer flüchtig ist. Friedemann Berg übernimmt die Ermittlungen, während Franziska Tobler sich um den schon seit zwei Jahren offenen Fall der verschwundenen Emily Arnold kümmert. Deren Mutter glaubt ihre Tochter lebend gesehen zu haben. Friedemann kennt das schon und rechnet mit einer neuen Enttäuschung, Franziska geht der Sache trotzdem akribisch nach.

Und es gibt einen Durchbruch:

Als der Unfallwagen in Friedemanns Fall aufgespürt wird, findet sich darin DNA von Emily Arnold. Es scheint möglich, dass die inzwischen 15-Jährige tatsächlich noch lebt. Dann jedoch ist unwahrscheinlich, dass sie allein unterwegs ist. Mit vereinten Kräften suchen Franziska und Friedemann nach Emily und einem Unbekannten.

Sommerliche Leichtigkeit und latente Bedrohung bestimmen gleichermaßen die Atmosphäre, in der Regisseurin Julia von Heinz und Drehbuchautor Magnus Vattrodt die Beziehung zwischen einem Teenager und einem viel älteren Mann ausloten.

Eine Beziehung, die nicht nur den Kommissaren aus dem Schwarzwald Rätsel aufgibt und die von der jungen Meira Durand und von Andreas Lust in all ihrer Ambivalenz in der Schwebe gehalten wird.

Fragen an Regisseurin Julia von Heinz

Der "Tatort: Für immer und dich" erzählt von einem jungen Mädchen, das vermisst wird und von dem die Kommissare vermuten, dass es freiwillig verschwand. Was interessierte Sie an diesem Fall, als Sie an die Umsetzung herangingen?

Tatsächlich hat mich in erster Linie die Beziehung zwischen Emily und Martin interessiert. Als Reifungsprozess, als Befreiungsschlag einer jungen Frau. Als ich zu dem Projekt dazustieß, gab es schon eine erste Drehbuchfassung, in der diese Thematik angelegt war. Ich habe dann ganz den Fokus auf das Paar gelegt, Szenen geschrieben zu Martins Familiensituation zu Hause, die ihn emotional begreiflich machen in seiner Abhängigkeit für das junge Mädchen.

Für Emily, mit der wir auch sehr viel Zeit alleine verbringen, rein atmosphärische Szenen – ganz ohne jeden Dialog, was ungewöhnlich ist in diesem Format. Wir dürfen ihr in Ruhe dabei zusehen, wie in ihr eine große Entscheidung reift. Toll war auch, dass ich aus Figuren, die zunächst als Männer angelegt waren, Frauenfiguren machen durfte, z.B. aus Jona von der Tankstelle, die wichtig wird, damit Emily sich zutraut, Martin zu verlassen. So konnte ich erzählen, dass es sich bei Emily eigentlich noch um ein Kind handelt, das viel zu früh sexualisiert wurde.

Im Grunde ist sie auf der Suche nach Freundschaft und Nähe. Und natürlich beziehe ich mich auf den Tatort "Reifezeugnis" der 40 Jahre vor uns eine ganz ähnliche Paarkonstellation erzählte: nur dass ich dieselben Abschiedsworte, mit denen der Lehrer Nastassja Kinski verließ, nun Emily in den Mund lege.

Es gibt vier Hauptfiguren in diesem Film, die beiden Kommissare und die beiden Flüchtigen, erst am Ende werden die Figuren zusammengeführt. Wie haben Sie die Stränge zusammengehalten und aufeinanderbezogen? Und war es schwierig, die Krimispannung nicht zu verlieren?

Für die Krimispannung hatte ich mit Magnus Vattrott einen Autor an meiner Seite, der mit diesem Format sehr viel Erfahrung hat. Und das Schöne ist, dass es auch gar nicht die Krimihandlung ist, die Spannung erzeugt: die Spannung entsteht aus der Frage: wie wird sich Emily aus der Beziehung lösen, kommt sie da heil heraus?

Wir kamen dann auf die Idee, eine Parallele zu erzählen, zwischen Franziska Tobler, die die große Hoffnung hat, Mutter zu werden und Frau Arnold, Emilys Mutter, für die sich das Muttersein schmerzhaft und leidvoll ist, seit sie ihr Kind verloren hat. Das verbindet die beiden Stränge.

Sie haben für Ihren Film einen ganz speziellen Look gewählt. Was war dabei Ihre Intention?

Mir war in erster Linie Nähe zu den Figuren wichtig. Diese Nähe hat Stefan Sommer mit seiner Handkamera grandios hergestellt. Desweiteren wollte ich aus dem Detail heraus erzählen, nicht aus der Übersicht. Dies hilft uns, ganz bei den Figuren zu sein, sinnlich mitzuerleben, was sie erleben. Vielleicht erkennt der ein oder andere meine Hommage an die Regisseurin Andrea Arnold. Die sonnigen Farben habe ich gewählt, weil für mich Leichtigkeit und Schmerz immer zusammen gehören und sich filmisch gegenseitig verstärken können, anstatt eine tragische Geschichte noch zusätzlich mit düsterer Musik und mit entsättigten Farben zu erzählen.

Deshalb war ich auch glücklich, meinen Lieblingssänger Rio Reiser zweifach im Film unterzubringen. Seine Lieder sind eine perfekte Symbiose aus Leichtigkeit, Wärme und tiefem Schmerz.

Meira Durand spielt die junge Emily. Wie haben Sie sie gefunden und was war dabei ausschlaggebend?

Ich habe Meira Durand aus dem Kinderfilm "Hier kommt Lola" gekannt. Ausschlaggebend war ihre große Leistung beim Casting.

Wie sehen Sie Fälle wie den von Emily? Es kommt ja gar nicht so selten vor, dass junge Mädchen verwinden und auch in Freiburg gab es einen ähnlichen Fall.

Dazu habe ich keine Antwort. Auch der Film stellt Fragen an einen solchen Fall. Eine Antwort hat er nicht.

Besetzung und Stab

Franziska: Tobler Eva Löbau
Friedemann Berg: Hans-Jochen Wagner
Cornelia Harms: Steffi Kühnert
Martin Nussbaum: Andreas Lust
Emily Arnold: Meira Durand

Musik: Gary Marlowe
Kamera: Stefan Sommer
Buch: Magnus Vattrodt
Regie: Julia von Heinz


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