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 Gesa (Annette Frier), Sandra (Elena Uhlig), Astrid (Anna Schudt) und Katharina (Nina Kunzendorf)

Film

Klassentreffen

25 Jahre ist es her, dass sie Abitur gemacht haben - oder es hätten machen können, wenn sie nicht vorher abgegangen wären, Ehrenrunden gedreht hätten oder schlichtweg gescheitert wären.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2019
Datum:

Zuschauer können durchgehend vom 23. November, 20.00 Uhr, bis zum 29. November, 14.00 Uhr, ihren Lieblingsfilm im Internet unter www.3sat.de wählen oder telefonisch abstimmen.
Für "Klassentreffen" lautet die Telefonnummer 0137 4141 - 01.

Nun sehen sie sich beim Klassentreffen wieder, die ehemalige Klassenbeste, das ehemalige Genie, die Ex-Klassengöre, der Ex-Klassen-Arsch, Mitte 40 mittlerweile, und stehen auf einmal den Leuten gegenüber, mit denen sie sich damals ihr zukünftiges Leben erträumt haben.

Doch was ist eigentlich mittlerweile in der Realität passiert?

Annette Frier, Charly Hübner, Anja Kling, Jeanette Hain, Nina Kunzendorf, Fabian Hinrichs, Oliver Wnuk, Elena Uhlig, Kida Khodr Ramadan, Anna Schudt, Christian Kahrmann, Marek Harloff, Aurel Manthei, Nadja Zwanziger, Nicole Kersten, Guido Renner, Björn Jung: Das ist die eindrucksvolle Liste der Schauspielerinnen und Schauspieler, die ohne Textvorgabe und ausformulierte Geschichte antraten, um die 17 ehemaligen Klassenkameraden zu spielen.

Burghart Klaußner schlüpfte in die Rolle des Lehrers, der sich ein Wiedersehen mit seinen alten Schülerinnen und Schülern nicht entgehen lassen will.

Ohne Textvorgabe und ausformulierten Geschichten

Ohne den vollständigen Lebensweg aller anderen Figuren zu kennen, improvisierten die Akteure zwei Tage lang auf Basis ihrer Rollenprofile und der eigenen Lebenserfahrung, Sie begaben sich in unvorhersehbare Situationen, verblüfften die anderen - und wahrscheinlich manchmal auch sich selbst - mit Schlagfertigkeit und dramaturgischer Fantasie und entwickelten auf diese Weise Momente und Geschichten voller Witz, Melancholie und Wahrhaftigkeit.

Das umfangreiche, 130 Stunden lange Material, das von 24 Kameras eingefangen wurde, wurde im Schnitt gesichtet, ausgewertet und zu einem 90-minütigen Fernsehfilm verdichtet.

"Klassentreffen" ist nach den hochgelobten und preisgekrönten Improvisations-Filmen "Altersglühen - Speed Dating für Senioren" und "Wellness für Paare" Jan Georg Schüttes dritter Fernsehfilm in Folge, bei dem die Schauspielerinnen und Schauspieler kein Drehbuch, sondern lediglich Rollenprofile erhalten und auf dieser Grundlage improvisiert haben. Wieder war ein namhaftes Ensemble der Einladung Jan Georg Schüttes gefolgt, und wieder war der technische Aufwand enorm.

Interview mit dem Regisseur Jan Georg Schütte

Wann haben Sie zuletzt ein Klassentreffen besucht?

Regisseur Jan Georg Schütte
Regisseur Jan Georg Schütte
Quelle: WDR / Wolfgang Ennenbach

Ich gebe zu, ich war noch nie auf einem. Das hat damit zu tun, dass ich die Schulzeit in nicht so guter Erinnerung habe. Also nicht, weil die Leute so blöd waren oder die Schule so schlimm. Es war für mich einfach eine doofe Zeit.

Ich war als Mensch überhaupt noch nicht entwickelt, wusste nicht, wo ich hin will, und habe echt nur gelitten. Und daran will ich nicht so gern erinnert werden.

Und warum dann ein Film über ein Klassentreffen?

Das Setting hat sich einfach total angeboten. Es gab mir die Möglichkeit, einen Gesellschaftsquerschnitt zu machen und dadurch auch mal ein bisschen politischer zu werden. Natürlich waren die Figuren alle auf ein und derselben Schulform, aber sie haben sich ja doch sehr unterschiedlich entwickelt, haben ganz verschiedene Lebensentwürfe. Vom Total-Loser bis zum Super-Winner hat man alles in einem Raum, das war mir wichtig. Außerdem wurde mir berichtet, dass bei so einem Klassentreffen alle noch mal auf Null zurückgespult würden. Egal, ob man mittlerweile durch die Gegend jettet: Wenn man damals der picklige Loser war, dann nützt einem der Jet jetzt auch nichts. Man ist wieder der picklige Loser. Das fand ich total spannend.

Sie schreiben kein Drehbuch mit Dialogen, entwerfen aber – in Zusammenarbeit mit den Schauspielern – für jede einzelne Figur Biografien. Wie mühsam ist das?

Gar nicht mühsam. Ich habe daran richtig viel Spaß! Mich mit den Schauspielern zusammenzuhocken und mit ihnen herumzufantasieren, das liebe ich. Das ist der Kern meiner Arbeit und vielleicht auch der Grund für den Erfolg.

Und wie lange hocken Sie dann zusammen?

Das ist von Schauspieler zu Schauspieler extrem unterschiedlich. Einige kannte ich ja schon, bei ihnen konnte ich einschätzen, was ihnen liegt und wie sie ihre Rolle anlegen würden. Da konnte ich also schon eine gewisse Vorarbeit leisten. Bei anderen gab es vor dem Treffen nur eine Grundidee, alles andere ist dann im Gespräch entstanden.

Was wussten die Schauspieler von den Figuren ihrer Mitspieler?

So viel, wie ihre Figur weiß. Wenn sie vor 25 Jahren den Kontakt mit dem- oder derjenigen verloren hatten, dann wussten sie von dieser Figur nur den Stand von damals.

Auf das, was dann beim Dreh zwischen den Schauspielern beziehungsweise zwischen den Figuren entsteht, haben Sie ja keinen Einfluss mehr. Das heißt, Sie müssen ziemlich loslassen können.

Ja. Nicht nur ziemlich. Sobald gedreht wird, nimmt die Nervosität auch ab. Die Tage und Stunden davor sind allerdings schrecklich. Die sind wirklich grauenvoll. Ich hatte mir eine Meditations-App heruntergeladen, um runterzukommen. Das hat auch ganz gut geklappt. Aber als mich die Stimme am Morgen des Drehs nach meinen Stresspunkten gefragt hat und mich aufforderte, doch einfach mal loszulassen, habe ich nur noch getobt "Hey, Alter, wenn ich das alles loslassen soll ...!" Aber es stimmte natürlich, ich musste loslassen. Wenn man sagt, jetzt geht’s los, gibt es kein Zurück mehr. Und dann spüre ich auf einmal in erster Linie eine Ausschüttung von Glückshormonen.

Was war die größte Herausforderung bei diesem Projekt?

Die Masse. Bei "Klassentreffen" gibt es noch mehr Figuren als bei den anderen Filmen, und beim Schnitt zu entscheiden, auf wen wir das Hauptaugenmerk legen, war eine extreme Herausforderung. Das hat nicht nur damit zu tun, wer am besten war, sondern: Wo will die Geschichte hin.

Es wurden keine einzelnen Szenen gedreht, sondern das "Klassentreffen" als Ganzes und in Echtzeit. Haben Sie schon beim Dreh erahnen können, was da grade so zwischen den Figuren passiert?

In diesem Fall habe ich extrem wenig mitbekommen, weil es so viele Leute waren, weil bis zu fünf Räume gleichzeitig bespielt wurden und ich mich in der Rolle des Wirts ja nur sehr bedingt dazu stellen konnte. Wir hatten einen riesigen Kontrollraum mit 20 Monitoren, da bin ich ab und zu hin, aber bei dem Tonkauderwelsch, das da herrschte, konnte ich nicht viel verstehen. Also habe ich mich vor allem damit beschäftigt, Schadensbegrenzung zu betreiben.

Schadensbegrenzung?

Zum Beispiel, jemandem ein Bier zu bringen und ihm zu sagen: Stell Dich mal ein bisschen weiter nach rechts, dann verdeckst Du den anderen nicht.

Wie viele Kameras hatten Sie?

Wie hatten dieses Mal 24 Kameras mit Operator. Das waren noch mal zehn mehr als bei "Wellness für Paare", und da haben schon alle gesagt, das sei ja fürchterlich viel. Die Kameras waren auf die fünf unterschiedlichen Räume verteilt, und mit jeder haben wir über vier Stunden Material gedreht. Insgesamt mussten wir 130 Stunden Material sichten und sortieren. Das hat bestimmt ein Vierteljahr gedauert.

Es war doch bestimmt hart, sich zwangsläufig von viel Material zu verabschieden.

Ja, wir mussten schon viele, viele Darlings killen. Mit den 90 Minuten, die schließlich übrig geblieben sind, bin ich aber richtig glücklich. Und einiges von dem, was nicht mehr in den Film gepasst hat, konnten wir ja auch für die Serie verwenden. Für die haben wir sechs Figuren ausgewählt, darunter auch Hergen, der von Marek Harloff gespielt wird, und Ali, den Kida Khodr Ramadan spielt. Das war ein lustiger Planet. Dass die beiden sich gefunden haben, war überhaupt nicht geplant. Gar nicht. Das war einfach Kidas Initiative, so nach dem Motto: Ich suche mir jetzt einfach mal den schwächsten Typen raus und haue auf ihn drauf. Und das hat Marek, den ich auch schon lange kenne, wunderbar angenommen. Die beiden haben sich sehr klug eine eigene kleine Geschichte gebastelt. Die Szene draußen, wo Ali Hergen zur Rede stellt, kannst Du ungeschnitten auf YouTube stellen. Das ist ein Schreier, was die sich da für eine Schlacht geliefert haben. Ein Musterbeispiel für die Kunst, offen für den Augenblick zu sein und aus dem Moment heraus Dialoge und Situationen zu entwickeln.

Sie waren also selbst überrascht von dem, was Sie da im Schnittraum so alles zu sehen bekamen.

Sehr. Das ist immer ein großes Fest beim Schnitt. Sicher gibt es immer auch ein paar Szenen, bei denen man denkt: Schade, das ging jetzt nicht so auf, aber dafür haben andere Sachen ganz hervorragend funktioniert.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel die wunderbare Begegnung von Stefan und Andi, die beide in Marion verliebt waren. Diese kleine Begegnung in der Bar hat mich total überrascht und erfreut. Das hätte ich so nicht schreiben und auch nicht inszenieren können. Das ist so wahrhaftig, komisch, traurig, alles zugleich. Oder wie Anja Kling in die Begegnung mit Charly Hübner gegangen ist – so ruhig und bescheiden, so klar und mit offenem Visier, das fand ich total schön. Ich wusste, wenn Charly so eine Figur spielt, muss ich ihn in eine große Nähe zu jemanden bringen, und da sagte er: Ich habe Bock, mit Anja zu spielen. Die beiden hatten vorher noch nie zusammen vor der Kamera gestanden, und mein Gedanke war: Ja dann mal los.

Was gaben Sie den Schauspielern außer den Biografien sonst noch mit auf den Weg?

Improvisationen werden ja auch gerne von Filmhochschülern und so gemacht. Und da habe ich immer wieder beobachtet, dass viele versuchen, ganz schnell ganz originell zu sein. Es wird wahnsinnig viel geschrien, es wird sich sofort ausgezogen – man merkt, dahinter liegt ein unglaublicher Kreativitätsdruck, so von wegen: Ich muss jetzt geil und originell sein. Und das versuche ich extrem rauszunehmen, indem ich sage: "Leute, Ihr werdet die ganze Zeit gefilmt, und davon kommen 90 Prozent sowieso nicht in die Endfassung. Das heißt, Ihr könnt ganz entspannt sein, Ihr könnt einfach mal irgendwo rumsitzen und gucken. Versucht, ein Stück Leben abzubilden." Dass Schauspieler dazu neigen zu dramatisieren, das ist okay, das ist berufsimmanent. Sie sollen es bloß nicht darauf anlegen, originell zu sein und eine Glanzrolle hinzulegen. Das ist für mich ein wichtiges Anliegen.

Wie bekommen Sie heraus, ob ein Schauspieler Talent zum Improvisieren hat?

So richtig herausfinden kann man das nicht. Ich mache ja auch keine Castings. Und die Demos ... Im Vorfeld gucke ich mir von den Schauspielern sehr viel lieber TalkshowAuftritte und Interviews an. Das sind Situationen, in denen man am ehesten merkt, wie spontan sie sind.

Sie erwähnten vorhin, dass Ihnen die Konstellation Klassentreffen erlaubt hat, politischer zu werden als bisher.

Ein großer politischer Moment ist für mich der Umgang mit der Figur Krischi, die Charly Hübner spielt. Für uns war ganz klar: Wir wollen keinen tumben Nazi zeigen. Das finden wir langweilig. Aber kaum äußert Krischi in der Improvisation seine deutsch-nationalen Ansichten, wird er sofort von den anderen Figuren als Nazi betitelt. Und das ist für mich sehr typisch, wie wir im Moment in Deutschland mit diesen Rechtsnationalen umgehen. Es wird für mich viel zu schnell die Nazi-Karte gezogen und dadurch jede Diskussion abgewürgt. Um hier keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Ich finde Meinungen, wie Krischi sie vertritt, und die AfD extremst schädigend für Deutschland. Nicht nur moralisch, auch wirtschaftlich. Aber diesen Gefahren können wir uns nur entgegenstellen, wenn wir bei solchen Debatten sehr viel genauer hinschauen und uns mit diesen Leuten, die teilweise sehr intelligent sind, sehr genau auseinandersetzen.

Und das passiert bei Krischi nicht.

Ich hatte gehofft, dass es mehr geschieht, aber es wäre wohl auch nicht authentisch für ein Klassentreffen gewesen, denn dort wird ja auch nicht so tief in die Materie eingestiegen. Ich sehe das Politische in diesem Film aber noch sehr viel weiter gefasst. Natürlich ist Krischi die politischste Figur. Politisch ist aber auch die Figur von Andi, der aus der Gesellschaft rausgefallen ist, und die von Sven, der so steil Karriere gemacht hat. Oder Marion, die ja in den Wahnsinn geglitten ist, aber so viel freier ist als manch andere Figur. Und das meine ich nicht in Bezug auf Liebesdinge, sondern in Bezug auf ihr Leben.

Besetzung und Stab

Gesa: Annette Frier
Thorsten: Oliver Wnuk
Krischi: Charly Hübner
Marion: Jeanette Hain
Sven: Fabian Hinrichs
Herr Rebentisch: Burghart Klaußner

Musik: Patrick Reising und Franceso Wilking
Kamera: Oliver Schwabe
Buch: Jan Georg Schütte
Regie: Jan Georg Schütte

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