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Film

Der Gewinner: Weil du mir gehörst

Sie haben entschieden: Der 3satZuschauerpreis 2020 geht an "Weil Du mir gehörst". Das Filmdrama um eine manipulative Mutter, die ihr Kind schrittweise dem Vater entfremdet, hat die meisten Stimmen bekommen.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2019
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 21.02.2021

Eigentlich haben Julia und Tom nach der Scheidung gemeinsames Sorgerecht für die Tochter Anni vereinbart. Von ihren verletzten Gefühlen getrieben, beginnt Julia jedoch, das Mädchen dem Vater zu entfremden, der systematisch aus dem Leben der Tochter gedrängt wird.

Film -

Die Preisverleihung des FernsehfilmFestivals

2020 wurde aus dem FernsehfilmFestival Baden-Baden das FernsehfilmFestival Digital. Das gilt auch für die Preisverleihung.



Zum Inhalt

Anni (Lisa Marie Trense) und Julia (Julia Koschitz) suchen Trost beieinander.
Anni und Julia suchen Trost beieinander.
Quelle: SWR/FFP New Media GmbH/Bernd Spauke

Ein gutes Jahr nach ihrer Scheidung stehen Julia und Tom erneut vor Gericht. Das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter soll auf Julias Antrag hin neu entschieden werden. Bei der Befragung gerät die achtjährige Anni in Panik – sie möchte lieber tot sein als mit ihrem Vater zu tun zu haben. Was hat zu dieser vehementen Ablehnung geführt?


Ein Jahr zuvor sieht es noch anders aus. Bei der Scheidung ist vereinbart worden, dass Julia und Tom sich das Sorgerecht teilen. Jedes zweite Wochenende verbringt Anni bei ihrem Vater, den sie innig liebt. Tom hat, anders als Julia, eine neue Partnerin. Mit Jenny und ihrer kleinen Tochter Mia versteht Anni sich gut, es wächst so etwas wie eine neue Familie zusammen. Nur Julia kommt mit der neuen Situation nicht zurecht. In ihrem Schmerz beginnt sie, Anni zu manipulieren und gegen den Vater einzunehmen.

Toms Treffen mit seiner Tochter werden immer wieder verhindert, angeblich vergisst er Anni wegen der neuen Familie. Tom versteht lange nicht, was vorgeht. Als Julia sich einen Anwalt nimmt und mit allen Mitteln um die Aufhebung des gemeinsamen Sorgerechts kämpft, wird klar, dass sie Tom aus Annis Leben werfen will. Damit setzt sie einen Prozess in Gang, der immer mehr eskaliert und das Mädchen zunehmend verstört.

Das Drehbuch zu dem Familiendrama schrieb Katrin Bühlig, in Szene setzte es Alexander Dierbach. Ihr Film entfaltet die Mechanismen der Manipulation und die daraus resultierende Ohnmacht, aber auch die psychische Notlage in die alle Beteiligten samt ihren Angehörigen geraten.

Statement der Drehbuchautorin Katrin Bühlig

Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Tom (Felix Klare), Anni (Lisa Marie Trense) und Julia (Julia Koschitz) als glückliche Familie.
Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Tom, Anni und Julia als glückliche Familie.
Quelle: SWR/FFP New Media GmbH/Bernd Spauke

Es gibt Filme, die kann man als Autorin schreiben, weil sie unterhaltsam, spannend oder lustig sind. Und es gibt Filme, die man schreiben muss, weil sie eine gesellschaftliche Relevanz haben, weil sie nötig sind und weil sie vielleicht etwas im realen Leben verändern könn(t)en.

Das mag vielleicht naiv klingen, aber ich glaube fest daran, dass wir Filmemacher auch eine gesellschaftliche Verantwortung haben. Wenn hoffentlich viele Millionen Zuschauer unseren Film sehen werden, könnten wir es schaffen, ein Thema bekannt zu machen, das bis dahin öffentlich unter dem Radar lief, obwohl es viele Eltern und ihre Kinder betrifft.

Eltern-Kind-Entfremdung

"Eltern-Kind-Entfremdung", also das systematische Manipulieren des Kindes durch einen Elternteil, damit es den anderen Elternteil aus seinem Leben verbannt, ist kein "Kavaliersdelikt", das niemanden außerhalb der betroffenen Familie etwas angeht. Ganz im Gegenteil. Ich würde es sogar mit völliger Überzeugung als psychische Kindesmisshandlung bezeichnen. Fast jeder von uns kennt ein Paar, die Eltern sind und sich gerade trennen.


Eine Trennung ist immer mit verletzten Gefühlen verbunden. Diese verletzten Gefühle nicht auf die Kinder zu übertragen, ist schwer, aber trotzdem ein Muss.

Eltern können sich als Paar trennen, aber niemals als Eltern. Dass diese Aussage oft Wunschdenken ist, habe ich bei meinen vielen Recherchen erfahren. Betroffene Mütter und Väter haben mir ihre ganz persönlichen Geschichten erzählt und ihre sehr subjektive Sicht auf ihre komplizierte Familiensituation.

Um den Film "Weil Du mir gehörst" schreiben zu können, musste ich mich ganz intensiv mit der Eltern-Kind-Entfremdung und deren Folgen für das Kind auseinandersetzen. Ich habe mich durch das Familienrecht, insbesondere durch das Sorge- und Umgangsrecht quälen müssen, um überhaupt eine Ahnung davon zu bekommen, worüber ich schreiben will. Zum Glück fand ich mit Jürgen Rudolph, einem ehemaligen Familienrichter und Experten auf dem Gebiet der Eltern-Kind-Entfremdung, einen ausgezeichneten Fachberater.

Sehnsüchtig wartet Anni (Lisa Marie Trense) darauf, dass ihr Vater sie endlich zurückruft. Sie kann nicht wissen, dass ihre Mutter Julia (Julia Koschitz) die Telefone ausgetauscht hat.
Sehnsüchtig wartet Anni darauf, dass ihr Vater sie endlich zurückruft. Sie kann nicht wissen, dass ihre Mutter Julia die Telefone ausgetauscht hat.
Quelle: SWR/FFP New Media GmbH/Bernd Spauke

Aber dann fing die Arbeit erst an: Zuerst musste ich entscheiden, wer denn von beiden sein Kind entfremdet – die Mutter oder der Vater. Obwohl es für beide Fälle genügend Beispiele gibt, habe ich mich letztendlich dafür entschieden, der Mutter die so genannte "Täterrolle" auf den Leib zu schreiben. Das liegt vor allem daran, dass nach einer Scheidung die Kinder noch immer öfters bei ihrer Mutter leben als bei ihrem Vater. Aber man könnte diese Geschichte genauso gut andersherum erzählen. Der Vater als Täter, die Mutter als Opfer. Ich betone das so ausdrücklich, weil es mir keineswegs darum geht, mich auf nur eine Seite zu stellen. Mir geht es ganz allein um die Sicht des Kindes auf diesen Elternkonflikt. Deshalb habe ich die Geschichte anfangs nur aus der Sicht des Kindes erzählen wollen. Das hat leider nicht funktioniert, weil ich so die ganzen juristischen Auseinandersetzungen der Eltern und die daran gutverdienende Scheidungsindustrie hätte weglassen müssen.

Insgesamt habe ich zwei Jahre an dem Drehbuch gearbeitet, und der Film ist für mich ein echtes Herzensprojekt geworden. Wenn wir es schaffen, dass sich auch nur eine Mutter oder ein Vater in unserem Film wiedererkennt und ihr Verhalten danach ändert.

Eltern-Kind-Entfremdung und PAS

PAS ist die englische Abkürzung für Parental Alienation Syndrome und heißt übersetzt: Elterliches Entfremdungssyndrom. Gemeint ist damit eine vorsätzliche Eltern-Kind-Entfremdung. PAS liegt ein Erklärungsansatz zu Grunde, der in den 1980er Jahren von dem amerikanischen Kinder- und Jugendpsychiater Richard Gardner entwickelt wurde. Seine Theorie geht vom einseitigen Verschulden des betreuenden Elternteils aus. Sie stützt sich auf die Annahme, dass Kinder von einem Elternteil durch Manipulation und Indoktrinierung dazu gebracht werden, sich von ihrem anderen Elternteil zu entfremden und diesen am Ende ganz zurückzuweisen. Demnach unterstellen die Kinder dem abgelehnten Elternteil, er sei sowieso gefühlskalt und leide nicht unter dem Kontaktverlust.

Wie steht die Wissenschaft zu PAS?

Seit den 1980er Jahren sind zwar zahlreiche Studien entstanden, aber in der Wissenschaft ist PAS äußerst umstritten. Neuere Untersuchungen kommen zu der Einschätzung, dass PAS keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage hat. Mittlerweile wird vertreten, dass das entfremdete Verhalten von Kindern vielfältige und unterschiedliche Gründe hat, die – stärker als von Gardner angenommen – auch im Verhalten des nicht mit dem Kind zusammenlebenden Elternteils begründet sind. Ebenso können beim Kind altersabhängige Strategien zur Bewältigung der Trennungssituation eine Rolle spielen.

PAS wird in Sorgerechtstreitigkeiten immer wieder als strategisches Argument eingesetzt. Dabei wird PAS wie ein Urteil über dem Elternteil gefällt, der noch Kontakt zum Kind hat. Ihm wird die alleinige Schuld für die Eltern-Kind-Entfremdung zugewiesen. PAS ist aber weder eine anerkannte Krankheit noch ein anerkanntes Syndrom. Die Weltgesundheitsorganisation hat PAS nicht als Krankheit in ihren diagnostischen und statistischen Leitfaden für psychische Störungen (DSM-5) aufgenommen. Unabhängig davon steht aber außer Frage, dass es Eltern-Kind-Entfremdung gibt. Eine Eltern-Kind-Entfremdung kann psychische Folgen wie etwa Depressionen haben. Betroffen sein können sowohl Kinder als auch Eltern.

Film -

Das sagt die Jury des FernsehfilmFestivals

2020 findet das FernsehfilmFestival Baden-Baden ausschließlich digital statt. Die einzelnen Jurydiskussionen zum Wettbewerb wurden bereits aufgezeichnet.

Stab und Darsteller:

Julia - Julia Koschitz
Tom - Felix Klare
Anni - Lisa Marie Trense
Jenny - Marie Collet
Elvira - Teresa Harder
Horst - Lutz Blochberger
Heidi - Monika Lennartz
Martin Wolters - Jochen Hägele
Sabine Slowinski - Jule Gartzke
Heidrun Gärtner - Theresa Berlage
Caroline Seidel - Anja Nejarri


Drehbuch: Katrin Bühlig
Regie: Alexander Dierbach

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