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Film

Das Unwort (4)

Der Schüler Max (Samuel Benito) wird von seinen Mitschülern an einem Berliner Gymnasium wegen seines jüdischen Glaubens drangsaliert.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2020
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 19.02.2021

Zuschauer können durchgehend vom 21. November, 20.00 Uhr, bis zum 27. November, 14.00 Uhr, ihren Lieblingsfilm im Internet unter www.3sat.de/gewinnspiel wählen oder telefonisch abstimmen.

Für "Das Unwort" lautet die Telefonnummer 0137 4141 - 04.

Zum Inhalt

Dem fünfzehnjährigen Max Berlinger droht der Schulverweis. Er hat seinem Mitschüler Karim das Ohrläppchen abgebissen und einem anderen, Reza, die Nase gebrochen. Die Klassenlehrerin, der Direktor, die Eltern sowie die Vertreterin der Schulaufsichtsbehörde treffen sich in der Schule zum Krisengespräch. Und weil der Vertrauenslehrer angeblich keine Zeit hat, ist auch der Hausmeister dabei. Dann stellt sich heraus, was hinter dem Vorfall steckt: Nachdem Max im Unterricht von seinem jüdischen Glauben erzählt hatte, wurde er von Karim, Reza und anderen Mitschülern über lange Zeit immer wieder verbal und physisch attackiert.

Das Unwort
Direktor Stege (Devid Striesow, l.) möchte kein Aufsehen erregen.
Quelle: ZDF

Die Klassenlehrerin und der Schuldirektor haben den Konflikt übersehen wollen, haben halbherzig gehandelt und spielen ihn in der Konferenz zunächst herunter. Doch jetzt hat Max sich gewehrt. Wer trägt für das, was geschehen ist, die Verantwortung? Und welche Konsequenzen soll es geben?
 Der Versuch der Erwachsenen, den Konflikt zu lösen, gerät zu einem sich steigernden verbalen Schlagabtausch zwischen Eltern und Eltern, zwischen Eltern und Schulvertretern, zwischen Juden und Muslimen. Nur scheinbar weltoffen und fortschrittlich ist die Schulkultur zwischen starren Regeln und dem gesunden Menschenverstand.

Ein harter Abend für die Beteiligten, unterbrochen von Bildern der Kämpfe in der Schulklasse. Alle denkbaren Stereotype kommen auf den Tisch. Doch den Zuschauern bietet dieses Gerangel, das sie in vielleicht ähnlicher Weise aus anderen Zusammenhängen kennen, auch viel Humor. Und zum Schluss leuchtet eine zarte Flamme der Hoffnung. 

Fragen an Iris Berben:

Der Film beginnt komödiantisch und wird zunehmend dramatischer. Was war für Sie die spezielle Herausforderung bei diesem Projekt?

Das Unwort
Iris Berben als Dr. Nüssen-Winkelmann
Quelle: ZDF

Iris Berben (Dr. Gisela Nüssen-Winkelmann): Der Film setzt mit dem komödiantischen Anfang eine Stimmung, mündet aber in ein sehr ernst zu nehmendes Thema.

Es bedarf hier einer besonderen Sorgfalt, eine Figur in ihrer Komik ernst zu nehmen. Im Leben gibt es ja die merkwürdigsten humoristischen Situationen, die aber keinesfalls die Tiefe eines Problems entschärfen. Diesen Grad muss der Schauspieler finden. Dabei hat uns der Regisseur sehr geholfen, aber auch das sehr gute Drehbuch. 

Auf eine mitunter komödiantische und satirische Art kombiniert der Film die Themen Antisemitismus und Mobbing. Wie gefällt Ihnen dieser Ansatz?

Iris Berben: Ich glaube, dass wir schon seit längerer Zeit dazu aufgerufen sind, neue Wege zu gehen, um jüdische Identität und Geschichte zu vermitteln. Für viele Menschen ist die Shoa der einzige Berührungspunkt. Wir wissen um die Probleme von Antisemitismus und Mobbing. Dass der Film den Weg gegangen ist, die traurige Realität in eine satirische und komödiantische Situation zu übertragen, finde ich fantastisch. Es ist eine gute Möglichkeit, sich heute in Deutschland mit der Thematik auseinander zu setzen.

 Erzählen Sie uns von Ihrer Filmfigur? Welche Position nimmt sie ein?

Iris Berben: Die Figur, die ich spiele, ist Vertreterin der Schulaufsichtsbehörde. Einer solchen Person könnte man Zynismus unterstellen, aber auch eine gewisse Müdigkeit, mit den immer gleichen Themen und Verhaltensweisen konfrontiert zu werden. Dabei ist das oberste Gebot für sie in ihrer Funktion, neutral zu sein. Das ist sie auch bis zu einem gewissen Grad – und dann gehen mit ihr die Pferde durch. Ab wann ist eine gelebte und eingeforderte Toleranz nicht mehr da, wenn dich ein Thema ganz nah berührt? Hier müssen wir uns alle gut beobachten und immer wieder korrigieren.  

Inwiefern sind Sie durch die Arbeit am Film auch mit eigenen Vorurteilen konfrontiert worden?

Iris Berben: Die Frage ist: Wann verletzen wir Menschen, wann nehmen wir ihnen ihr Selbstverständnis, hier zu leben und die Möglichkeit, ihre Identität zu leben? Ich weiß selbst, wie oft ich aus tiefstem Interesse Menschen gefragt habe, wo sie herkommen, wie sie hier behandelt werden und was sie hier machen. Damit bringt man sie aber sofort in die Außenseiterposition. Ich rufe seit 50 Jahren dazu auf, jede Form von Ausgrenzung zu vermeiden. Dennoch muss ich – müssen wir – unser Verhalten immer wieder überprüfen.

 Kennen Sie reale Fälle dieser Art aus Ihrem Umfeld?

Iris Berben: Ich habe keine persönliche Erfahrung mit Mobbing. Ich bin ein 68er Kind, ich habe sehr früh gelernt, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Viele hatten und haben nicht diese Möglichkeit. Antisemitismus begegnet mir in meinem Leben, auf der Straße, ebenso wie Witze auf Kosten von anderen Menschen. Ich finde, man sollte dabei Haltung zeigen und Menschen darauf ansprechen: Was meinst du damit? Hast du das verstanden? Weißt du, was das bedeutet? Es ist wichtig, auf Dinge, die man in seinem Umfeld erlebt, zu reagieren. Durch Schweigen macht man sich mitschuldig.

Frau Berben, welche Erfahrungen haben Sie in Bezug auf die Thematik des Films in Deutschland gemacht?

Iris Berben: Die Stimmung hat sich innerhalb der vergangenen Jahre in Deutschland, aber auch im Ausland, verändert. Bei Demonstrationen zu Corona-Maßnahmen ist zu beobachten, dass hier Menschen Schulter an Schulter stehen, die unterschiedliche Vorstellungen haben. Die einen rufen nach dem Grundgesetz, andere richten sich dagegen. Wir leben in einer Welt, die sich verändert. Wir haben Ängste und das Gefühl, nicht verstanden zu werden. Dies öffnet die Schleusen für Populisten. Ich glaube trotzdem: Deutschland ist ein Land, das eine starke Haltung und eine starke Gesellschaft hat. Wir haben es uns allerdings ein bisschen bequem gemacht. Man denkt, man hat sich verortet, man kann sich ausruhen. Es ist Teil unserer Arbeit, die wir als Gesellschaft zu leisten haben, dass wir die Demokratie verteidigen. Mit diesem Wissen haben wir einen leichten Film mit großem Tiefgang gedreht. Er begegnet uns nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, er gibt auch keine klare Antwort, was wir tun sollen. Denn es gibt diese eine richtige Antwort nicht. Der Film lässt einen in einen Mikrokosmos hineinsehen und erkennen, was in Deutschland passiert.

Stab und Besetzung

Dr. Gisela Nüssen-Winkelmann Iris Berben
Valerie Berlinger Ursina Lardi  
Simon Berlinger Thomas Sarbacher
Annika Ritter Anna Brüggemann
Schuldirektor Stege Devid Striesow
Majan Marschner Merizade Neda Rahmanian         
Hausmeister Eichmann Florian Martens
Max Berlinger Samuel Benito

Buch und Regie: Leo Khasin

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