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Dokumentation

Geheimnisvolle Adria

Die Adria war lange Zeit die einzige Verbindung Mitteleuropas zum Orient, sodass dieses kleine Meer zum Symbol für die große Welt mit all ihrer Exotik wurde und die Stadt Venedig sich Königin der Weltmeere nennen konnte.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 21.10.2019

An den Küsten der Adria liegt kultureller Reichtum eingebettet in eine Naturkulisse wie in keiner anderen Gegend der Welt. Natur ist hier untrennbar auch mit Kultur verbunden: Ob 1.500 Weißkopfmöwenpaare den ältesten bemannten Leuchtturm der Adria auf der Insel Palagruza umschwirren, sich wie in den Sodaseen Ostafrikas Scharen von Flamingos in den Salinen Istriens tummeln oder Griechische Landschildkröten die Wein- und Olivenhaine Dalmatiens für sich erobern - wilde Natur ist hier nie weit von Kultur entfernt. Die Schauplätze dieser Dokumentation sind die eindrucksvollsten Küstenstriche und Gewässer in mehreren Ländern - die Lagunenlandschaft im Nordwesten ebenso wie die von schroffen Felsen gesäumte dalmatinische Steilküste im Osten.

Die Kornaten
Die Kornaten - 89 Inseln, Inselchen und Felsen - die größte Insel heißt Kornat
Quelle: ORF/ScienceVision/Michael Schlamberger

"Unser Ziel war es, die unbekannten Seiten der Adria aufzuspüren. Gerade, weil sie uns ja als das Hausmeer der Österreicher so vertraut ist, haben wir nach neuen Perspektiven gesucht. Gefunden haben wir in den zwei Jahren Drehzeit zum Beispiel eine geheimnisvolle Insel, an der schon vor 6.000 Jahren die ersten Menschen an Land gingen, riesige Vogelparadiese hinter den Sandstränden von Lignano und Jesolo oder unerwartete Zeugen eines jahrhundertelangen Kampfes mit dem Wasser", erzählt Regisseur und Hauptkameramann Michael Schlamberger von den Dreharbeiten.

Die Lagunenlandschaft der Adria ist ein einzigartiger Lebensraum: Das Meer ist hier flach und seicht, das Klima sonnig und mild und der Einfluss der Alpen allgegenwärtig. Denn erst ihre Flüsse, die in eisigen Höhen entspringen und Unmengen von Sand und nährstoffreichem Schlamm mit ins Meer schwemmen, machen diesen Landstrich zu einem der wichtigsten Feuchtgebiete ganz Europas, ohne das viele Vogelarten nicht mehr existieren könnten. Meer, Fluss und Land sind hier untrennbar miteinander verwoben. Die Grenzen verschwimmen, werden täglich verworfen, neue entstehen.

Die Lagunen - begehrte Fischereigründe

Seit Hunderten Jahren sind die Lagunen der nördlichen Adria begehrte Fischereigründe, und auch heute noch wird hier Fischfang nach traditioneller Methode praktiziert. Aale, Meeräschen, Goldbrassen, Seebarsche, Flundern und Seezungen bevölkern das Brackwasser und gehen den Fischern regelmäßig in die Reusen, die an den Einmündungen der Kanäle ausgelegt werden.

Meeraal
Ein Meeraal kann über 100 kg schwer werden
Quelle: ORF/ScienceVision/Michael Schlamberger

Die Lagunen brachten den Menschen jedoch nicht nur reiche Erträge. Sie boten von jeher Schutz vor Angriffen aus dem Hinterland. Die Siedlungen der Fischer wuchsen im Lauf der Zeit zu Städten heran, die erblühten und Weltruhm erlangten - allen voran Venedig, "La Serenissima". Auf Wasser gebaut und regelmäßig überflutet, hat das Kulturdenkmal aber nicht nur mit Hochwassern zu kämpfen.

Die Alpenflüsse im Rücken der Stadt transportieren Unmengen von Geschiebe in die Adria. Die stetige Ablagerung der Sedimentfracht hat die Adria nicht nur zu einem flachen Meer gemacht, die Küstenlinie des Po verlagerte sich im Bereich seines Deltas immer weiter nach Nordosten. Um die Verlandung der Lagune von Venedig zu verhindern, wurde der Lauf des Po vor 400 Jahren kurzerhand durch einen künstlichen Kanal nach Süden umgeleitet. Andernfalls säße Venedig heute vielleicht auf dem Trockenen.

Ewiger Kampf gegen das Wasser

Schloss Miramare
Schloss Miramare - errichtet von Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich - dem späteren Kaiser Maximilian von Mexiko
Quelle: ORF/ScienceVision/Rita Schlamberger

Mit der Umleitung des Po hatte ein beispielloser Kampf gegen die Kräfte der Natur begonnen. In der Lagune zu leben bedeutet bis heute, gegen das Wasser zu kämpfen und ihm Land abzutrotzen, um es urbar zu machen. Mit allen Mitteln versucht man, das Wasser zu zähmen. Leonardo da Vinci konstruierte die ersten Wasserschleusen, um die Sümpfe trockenzulegen. Sie leiteten Flusswasser ab und sperrten das Meerwasser bei Flut aus. Diese Schleusen waren lange Zeit in Betrieb, bis vor dem Ende des 19. Jahrhunderts die ersten dampfbetriebenen Pumpanlagen errichtet wurden.

Heute wird der Po durch ein hochsensibles Netzwerk aus Kanälen und Dämmen, Überläufen und Schleusen kontrolliert. Keiner der Flüsse Europas hat sich so gegen den Eingriff des Menschen gewehrt wie der Po. Trotz des enormen Aufwands kann der Fluss auch heute noch jederzeit eine Flutkatastrophe auslösen. Dennoch macht der hohe Nährstoffgehalt des Po diese Region zur produktivsten der Adria. Die Erträge sind hier bis zu zehn Mal höher als in anderen Gebieten, und in der Lagune wird nicht nur auf traditionelle Weise gefischt. Intensives Aquafarming ist das neue Erfolgsrezept, die Zucht von Venus- und Miesmuscheln das wahre Gold des Podeltas.

Aufwendige Unterwasser-Dreharbeiten

Unterwasser Dreharbeiten
Unterwasser-Dreharbeiten - interessante Stellen liegen in der Adria sehr tief
Quelle: ORF/ScienceVision/Rita Schlamberger

Die Dreharbeiten unter Wasser waren relativ aufwendig, weil man in der Adria sehr tief tauchen muss, um an die schönsten und interessantesten Stellen zu gelangen. "Wir hatten jeder mehr als 100 Kilogramm Ausrüstung, da wir wegen der großen Tiefen neben den Kameras noch viel Licht mitnehmen mussten. Wenn die Strömung noch dazu extrem stark war, mussten wir uns dann beim Filmen irgendwie an den Felsen anklammern, um nicht fortgerissen zu werden", plaudert Schlamberger aus der Schule. "Oft mussten sich noch zusätzlich zwei Personen auf Kameramann und Beleuchter drauflegen, um die Position zu halten und nicht wackelige Aufnahmen zu erhalten."

Mungo gegen Sandviper

Sandgoldrose
Sandgoldrose - in den kühleren Gefilden des Mittelmeers beheimatet
Quelle: ORF/ScienceVision/Michael Schlamberger

Gar nicht harmlose Reptilien haben sich in den Obst- und Gemüseplantagen niedergelassen: Sandvipern. Für die wechselwarmen Tiere ist die steinige Landschaft paradiesisch. Auf den Felsen können sie Energie tanken, bis sie sich ausreichend erwärmt haben, um auf Jagd zu gehen. Um ihnen und den allgegenwärtigen Wanderratten zu Leibe zu rücken, importierte der Mensch Anfang des 20. Jahrhunderts eine Geheimwaffe nach Dalmatien, die das Ratten- und Schlangenproblem auf einen Schlag lösen sollte - die Indische Goldstaubmanguste. Sie hatte durch das Duell zwischen dem Mungo Rikki-Tikki-Tavi und der Kobra in Rudyard Kiplings "Dschungelbuch" Berühmtheit erlangt und sollte nun den Menschen von den Giftschlangen befreien. Doch die Mangusten ließen sich auf Dauer nicht nur mit Schlangen abspeisen. Sie fanden im Lauf der Zeit einen Futtertrog, der schon eher nach ihrem Geschmack war - Müllplätze.

Auf den Deponien konnten sich die Mungos explosionsartig vermehren und sind wie viele vermeintliche Schädlingsbekämpfer selbst zur Plage geworden. Sie fressen alles, was sie überwältigen können, und ihnen ist es auch zu verdanken, dass einige endemische Arten gänzlich ausgerottet sind. Ausschließlich am Tag aktiv, konnten die Mangusten einem Tier jedoch nie etwas anhaben: der nachtaktiven Wanderratte, die sich dank dem verringerten Schlangenbestand ebenfalls ungehindert vermehren konnte.

Bestialischer Gestank und Millionen Fliegen beim Dreh auf der Müllhalde

Um diese Szenen zu bekommen, musste das Drehteam eineinhalb Wochen in der brütenden Hitze des Ausnahmesommers 2003 ausharren, denn die sonst aktiven Mungos verkrochen sich wegen der extremen Temperaturen tief in den Schatten der Müllhalde. "Am schlimmsten waren der bestialische Gestank zu ertragen und die Millionen Fliegen, die unsere Köpfe umschwirrten", klagt Schlamberger über die Drehbedingungen. "Wir mussten unsere Gesichter komplett verhüllen. Bereits am Vormittag hatte es 40 Grad im Schatten, aber wir standen in der Sonne, und das in Sichtweite eines verlockenden Strandes!"

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