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Arsenaleinfahrt Venedig, Rio Arsenale

Dokumentation

Die Geheimnisse der Lagune - Venedigs versteckte Seiten

Selbst vielfachen Venedigbesuchern bietet die Lagunenstadt immer noch zahlreiche versteckte Seiten, die zu entdecken sich lohnt. Die historische Bedeutung mancher Orte ist in keinem Reiseführer zu lesen.

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Innovationen, die seit dem Mittelalter von Venedig aus die Welt eroberten, nehmen wir heute als gegeben hin. Ihren Ursprung kennen wir, wie auch die meisten Venezianer, jedoch kaum. Der Dokumentarfilm von Christian Riehs und Wolfgang Peschl präsentiert die wohl bekannteste Stadt der Welt aus ungewöhnlicher Sicht: ein Venedig, dessen ebenso spannende wie amüsante Geheimnisse mit Sicherheit den meisten bisher verborgen geblieben sind.

Im fünfzehnten Jahrhundert erreicht die Republik von San Marco die Höhe ihrer Macht und ihres Reichtums. Venedig verfügte über die höchsten Staatseinkünfte der Welt. In den Magazinen am Rialto stapelte sich das Handelsgut, Waren aus dem Orient und Okzident: Seidenstoffe, Goldbrokat und Baumwolle, Getreide und Gewürze, besonders der Pfeffer, Zucker und Duftstoffe, Perlen und Schmuckwerk. Besonders beliebt: die Opiate.

Das Arsenal - einmal leistungsstärkste Schiffswerft der Welt

Den Transport besorgte eine Handelsflotte von 3300 Schiffen mit dreißigtausend Seeleuten. Ihren Schutz garantierte eine Begleitflotte von fünfundvierzig großen Kriegsgaleeren mit einer Besatzung von elftausend Mann. Das Arsenal, die leistungsstärkste Schiffswerft der Welt, beschäftigte allein sechstausend Facharbeiter, dazu Tausende von nichteingetragenen Hilfsarbeitern. Annähernd 200.000 Menschen wohnten damals in Venedig, der größten Stadt Italiens und der viertgrößten Europas. Heute sind es nur noch knapp 70.000!

Ursprung vieler Begriffe des Bankwesens in Venedig

Venezianisches Schiffahrtsmuseum (Arsenal Museo Navale), innen, die Großschiffe
Großschiffe im venezianischen Schiffahrtsmuseum (Arsenal Museo Navale)
Quelle: ORF/Laufbild

Der Transport von Kapital in Form von Edelmetall stellte im Seehandel lange Zeit ein Gewichts- und Sicherheitsproblem dar. Bis sich der Wechsel, die Urform von Papiergeld, schließlich als Zahlungsmittel durchsetzte. Unser heutiger Begriff "Bank" geht auf die venezianische "banca" zurück. Die Geldwechsler am Rialto stellten kleine Klapptische auf die Strasse. Es waren ihre Geschäftspulte, "bance" genannt. Später wurden daraus kleine Läden, die auf Geldgeschäfte spezialisiert waren und deren Spuren man heute noch in der Gegend der Rialto-Brücke finden kann. Ebenso haben die viele Begriffe aus dem Bankwesen, wie z.B. "Konto", "Kredit", "Obligo" venezianischen Ursprung.

Die Handelsgesellschaften verzichteten zwar oft auf die Versicherung der verschifften Ladung, aber in den Geschäftsbüchern wurde das Konto des "Messer Domeneddio" geführt. Gott war mit fünf Prozent an allen Seetransaktionen beteiligt, und am Jahresende wurde die eventuell entstandene Gutschrift den Venezianischen Kirchenvertretern ausbezahlt - einer der Hauptgründe für die immense Anzahl von Kirchen in Venedig: Sakralbauten als Form von "Gewinnausschüttung" an eine "göttliche Versicherung".

Erste Fabrik der Welt

Das Arsenal von Venedig war die erste Fabrik der Welt. Erstmals urkundlich erwähnt um das Jahr 1200, wahrscheinlich aber 100 Jahre älter, stellte das Arsenal bereits im Mittelalter einen Vorläufer der modernen Massenproduktion dar: Auf eigens konstruierten "Montagestraßen" wurden bis zu 50 Galeeren pro Monat gebaut und von Stapel gelassen.

Hoch entwickeltes Sozialsystem

Das Sozialsystem war höher entwickelt als im übrigen Europa. Spezielle Versicherungen und Vereinigungen boten den mittelalterlichen Arbeitern und deren Familien ein enges soziales Netz, wie es sich im Rest der Welt erst im Lauf des 20. Jahrhunderts durchzusetzen begann. Witwenpension und Kindergärten waren hier schon im Spätmittelalter Standard und die Krankenversorgung war - gemessen an den damaligen Standards in Europa - vorbildlich.

Die Pest und das Lazarett - beides kommt aus Venedig

Arsenaleinfahrt Venedig
Arsenaleinfahrt Venedig
Quelle: ORF/Laufbild

Auch die Pest war ein venezianischer Import. An Bord einer venezianischen Handelsgaleere reiste sie nach Europa. In Venedig hatte man solches schon lange vorher befürchtet und eine eigene Quarantäneinsel eingerichtet. Auf Lazaretto Nuovo mussten alle Schiffe und Besatzungen wochenlang ausharren, bevor sie in Venedig einlaufen durften. Die Pest wartete nicht so lange. Sie wurde durch Ratten übertragen, und die schwammen einfach das letzte Stück der Reise.

Die von der Pest befallenen Kranken wurden auf die Quarantäneinsel Lazaretto Vecchio gebracht. Sie hieß ursprünglich "Nazaretto", abgeleitet von der Tatsache, dass hier eine Herberge für Pilger auf dem Weg ins Heilige Land stand. Später wurde aus "Nazaretto" "Lazaretto" und damit der Begriff "Lazarett".

Stadt der Lustbarkeiten

Das Venedig des 18.Jahrhunderts war ein Ort der lockeren Sitten, berauscht von Luxus und Ausschweifungen, Maskenbällen, Festen, Musik. Glücksspiel bis zum Exzess - als Einsatz Haus, Hof und Ehefrau - und Seitensprünge waren der bevorzugte Zeitvertreib der oberen Klasse. Das heutige "Casino" hat seinen Namensursprung in Venedig. "Casini" nannte man die Appartements, die Patrizier in der Nähe des Markusplatzes mieteten. Dort konnten sie sich zu den Sitzungen des Großen Rates umkleiden. Bald jedoch wurde das Casino zu einem Ort, wo man allerlei geselligen, auch amourösen Vergnügungen nachging.

Der Karneval - Phase der Ausschweifungen

Die offiziell genehmigte Phase der Ausschweifung, der Karneval, dauerte ein halbes Jahr, vom Oktober bis zur Fastenzeit. Während dieser heißen Phase war alles erlaubt, was gefällt. Selbst Priester konnten hinter der Maske ihren Leidenschaften freien Lauf lassen. Und so mancher soll seine Maske während dieser sechs Monate höchstens zum Schlafen abgelegt haben.

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