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Kleines durch einen Sturm beschädigtes Holzhaus in karger Natur

Dokumentation

Wunder der Karibik - Im Auge des Hurrikans

Das Postkartenidyll endloser Traumstrände und farbenprächtiger Natur ist trügerisch, denn die Karibik ist auch Schauplatz der stärksten Stürme auf unserem Planeten.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Sendetermin
26.04.2021
20:15 - 21:00 Uhr
Verfügbar in
D / CH / A

Jedes Jahr wird diese tropische Inselwelt von Hurrikans heimgesucht. Die Saison der Stürme dauert von Juni bis November; im bisherigen Rekordjahr 2005 wüteten in der Karibik 15 Wirbelstürme. Dramatische Aufnahmen dokumentieren die verheerenden Folgen der Hurrikans für Pflanzen, Tiere und Menschen. Und dennoch erholt sich die Natur immer wieder von diesen Katastrophen - eine faszinierende Geschichte über den unablässigen Kreislauf von Untergang und Überleben, von Zerstörung und Erneuerung. Im Bild oben ein durch Hurrikan Ivan beschädigtes Haus auf den Cayman Islands.

Wirbelsturm aus dem All gesehen.
Das Auge eines Hurrikans über den Karibischen Meeren vom All aus gesehen
Quelle: ORF/BBC/Scott Alexander.

Spektakuläre Computeranimationen und packende Realaufnahmen zeigen, wie ein Hurrikan entsteht: vom Tropensturm vor der afrikanischen Küste, der den Atlantischen Ozean überquert und dabei immer mehr an Energie gewinnt, bis zum vernichtenden Wirbelsturm, der schließlich die Karibik heimsucht.

Angetrieben von einem Hurrikan, brechen bis zu 20 Meter hohe Wellen über die karibischen Korallenriffe herein - stundenlang, ohne Unterlass. Die Dreharbeiten unter Wasser lieferten dramatische Aufnahmen: unter der Wucht der Riesenwellen zerbersten ganze Korallenstöcke - zurück bleibt eine Spur der Verwüstung. Andererseits dienen manche der Bruchstücke als Keimzellen und Fundamente für die Bildung neuer Korallenstöcke, und die Riffe erholen sich langsam wieder.

Aufgewirbelter Sand vor Bäumen
Tropischer Sturm auf Trinidad.
Quelle: ORF/BBC/Scott Alexander.

Während aufgepeitschte Wassermassen die karibischen Küsten heimsuchen, verrichten die Hurrikans ihr Zerstörungswerk auch weiter landeinwärts. Mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 250 Kilometer pro Stunde entlauben sie Regenwälder und machen ganze Waldgebiete dem Erdboden gleich. Der Vergleich zwischen den Aufnahmen früherer Zerstörungen und der aktuellen Situation zeigt jedoch eindrucksvoll, wie sich die Natur im Laufe der Zeit wieder regeneriert.

Die Gewalt der Hurrikans entwurzelt immer wieder zahllose Bäume. Wissenschaftler haben jedoch eine Baumart entdeckt, die angesichts der wiederkehrenden Wirbelstürme eine einzigartige Überlebensstrategie entwickelt hat. Zwar verliert auch der Tabonuco-Baum sein Laub und Geäst, aber dank eines genialen Tricks hat er einen sturmsicheren, festen Stand: seine Wurzeln reichen nicht nur tief in die Erde - an der Oberfläche verbinden sich manche von ihnen auch mit anderen Tabonucos in der Nähe. Und so bieten zehn bis zwanzig dieser Baumriesen in stürmischen Zeiten einander gegenseitig Halt.

Leguan auf Baustamm im Wasser
Leguane haben auf abgebrochenen Baumstämmen treibend neue Siedlingsräume gefunden.
Quelle: ORF/BBC/Scott Alexander.

Hurrikans bringen jedoch nicht nur Tod und Zerstörung: Wissenschaftler glauben, dass die Wirbelstürme zumindest in einem Fall einer Tierart zu einer neuen Heimat verholfen haben. Mitte der 1990er Jahre erschienen auf der Karibik-Insel Anguilla mit einem Mal Grüne Leguane, die dort noch nie zuvor gesehen worden waren. Auf der 300 Kilometer entfernten Insel Guadeloupe hingegen sind diese Reptilien häufig - und 1995 wurde Guadeloupe von gleich zwei Hurrikans kurz nacheinander heimgesucht. Die Forscher glauben, dass einige Leguane auf Baumstämmen oder abgebrochenen Ästen in einer wochenlangen Odyssee über das Meer bis nach Anguilla gelangten. Inzwischen haben die Tiere in ihrer neuen Heimat bereits Fuß gefasst und sich vermehrt.

Die Strände der Karibik sind nicht nur begehrtes Ziel sonnenhungriger Touristen: In manchen Abschnitten vergraben die Weibchen der Lederschildkröte ihre Eier im Sand. Wenn ein Hurrikan auf den Strand trifft, schleudert er die Sandmassen Hunderte Meter weit landeinwärts - und vernichtet dabei auch die Schildkröten-Gelege. Aber von diesem Schicksal ist meist nur eine Generation betroffen, denn von Jahr zu Jahr folgen die Hurrikans leicht unterschiedlichen Routen - selten ist ein Strand zweimal kurz nacheinander Schauplatz der Verwüstung. Und so kehren die Lederschildkrötenweibchen im folgenden Jahr zurück, um von neuem ihre Eier im Sand abzulegen.

Eine Dokumentation von Scott Alexander
Deutsche Bearbeitung: Ivo Filatsch

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