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Ein Urwald in Neuseeland.

Dokumentation

Fremd im Inselparadies - aus der Reihe "Der Südpazifik"

Der Südpazifik ist die Heimat von skurrilen Geschöpfen – riesigen Echsen mit Affenschwänzen, flugunfähigen Papageien, Pinguinen, die im Wald brüten, und Kängurus, die auf Bäumen leben.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Sendetermin
20.04.2021
10:20 - 11:10 Uhr
Verfügbar in
D / CH / A

Und das sind nur einige der Besonderheiten, die sich in der Isolation der pazifischen Inselwelt entwickelt haben.

Das Fuchskusu (Trichosurus vulpecula) in Neuseeland kommt ursprünglich aus Australien.
Das Fuchskusu (Trichosurus vulpecula) in Neuseeland kommt ursprünglich aus Australien.
Quelle: ORF/BBC/Jonathan Clay

Auf Neuseeland etwa erfüllten lange Zeit Fledermäuse die ökologische Funktion von Mäusen, während die Wälder von bizarren Vögeln regiert wurden, bis Neuankömmlinge die Küsten Neuseelands erreichten – mit katastrophalen Folgen für die heimische Tierwelt. Und so erging es vielen pazifischen Eilanden: Während zum Beispiel vor der Besiedelung durch den Menschen alle 100.000 Jahre eine neue Art Hawaii eroberte, so tauchen heute etwa 30 neue Arten pro Jahr auf.

Manche der kuriosen Lebensformen auf den Pazifikinseln sind erst seit kurzer Zeit bekannt. 1994 entdeckte die Wissenschaft auf Neuguinea ein höchst eigenartiges Säugetier: Es lebt auf Bäumen, ist aber kein Affe, erreicht das Format eines größeren Hundes und wirkt mit seinem dicken Fell ziemlich bärenartig: das Dingiso, das Schwarz-Weiße Baumkänguru. Da auf Neuguinea keine Affen leben, haben sich die sprungstarken Grasfresser zu kletternden Laub-Feinspitzen entwickelt. Und das flauschige Fell verdankt sich dem Umstand, dass kein Känguru der Welt auf größerer Meereshöhe lebt als das Dingiso.

Einem Team der BBC gelang es, nach einer elftägigen Suche das merkwürdige Baumkänguru in den entlegenen Hochländern Westpapuas aufzuspüren. Zunächst hatten sich die Tierfilmer die Unterstützung des lokalen Moni-Stammes gesichert. Für diese Menschen sind die Dingisos göttliche Wesen, die den Geist der Vorfahren verkörpern. Und sie sind derart selten zu beobachten, dass selbst von den Moni-Führern nur drei Männer jemals eines der Baumkängurus gesehen haben. Tagelang zog sich die Suche hin, vom Disingo fehlte weiterhin jegliche Spur. Doch am Abend des elften Tages erlebten die britischen Filmer eine echte Überraschung: Der Moni-Dorfälteste tauchte auf und trug in einem umgeschlungenen Sack ein verdutzt dreinblickendes Dingiso.

"Toka Festival", Tanna Island's.
"Toka Festival", Tanna Island's.
Quelle: ORF/BBC/Jonathan Clay

Offenbar hatte es ein Missverständnis gegeben, die Filmer wollten doch das Baumkänguru in freier Wildbahn filmen. Am nächsten Morgen brachen sie auf, um das Tier wieder zu jenem Baum zurückzubringen, von dem es der Dorfälteste geholt hatte. Zum Glück schien das Dingiso seine Entführung unbeschadet überstanden zu haben, kletterte die Äste hoch und fuhr fort, Blätter zu verspeisen als wäre nichts geschehen. „Nach den ganzen Schwierigkeiten war es eine echte Erleichterung zu sehen, wie es an etwas herumknabberte und gleich viel glücklicher aussah“, sagt Kameramann Pete McCowen. „Es war wieder dort, wo es sein sollte – auf einem Baum.“

Der Südpazifik ist reich an sehr eigenartigen Tieren. Aber manche Tiere sind so eigenwillig, dass nicht einmal geklärt werden kann, was sie eigentlich sind. Sicher ist nur, dass der Kagu ein Vogel ist und auf der Insel Neukaledonien lebt. Nach diversen äußeren Attributen zu urteilen, könnte er ein weitschichtiges Familienmitglied von Reihern oder Tauben sein. Doch es besteht keinerlei Verwandtschaftsverhältnis. Am ehesten scheint er mit einem anderen Sonderling verwandt: mit der am anderen Ende der Welt in Südamerika lebenden Sonnenralle. Doch die beiden unterscheiden sich in einem wichtigen Punkt. Die Sonnenralle kann fliegen, was der Kagu schon lange verlernt hat.

Wickelschwanz-Skink, Solomon Islands
Wickelschwanz-Skink, Solomon Islands
Quelle: ORF/BBC/James Mair

Der längere Aufenthalt auf einer südpazifischen Insel wirkt sich mitunter nicht nur auf die Lebensgewohnheiten aus. Auch das Äußere kann sich erheblich verändern. Auf den Salomon-Inseln lebt ein spektakulärer Vertreter einer Familie von kurzbeinigen und eher kleinwüchsigen Reptilien: der Wickelschwanz-Skink. Er ist durchschnittlich rund 50 Mal so schwer wie seine Verwandten in anderen Weltgegenden und misst stattliche 70 Zentimeter. Auch sonst schlägt er ziemlich aus der Familie: Im Südsee-Idyll ist der Riese zum Vegetarier geworden und während sich Skinke normalerweise in Bodennähe aufhalten, klettert der riesige Wickelschwanz-Skink auf Bäume, um Früchte, Beeren und Blätter zu verspeisen. Der Wickelschwanz dient dabei als zusätzliche Kletterhilfe.

Aber nicht nur Tiere haben nach der Ankunft in fremden Inselparadiesen neue, geniale Lösungen gefunden. Auf der Insel Santa Catalina haben die Fischer ein ungewöhnliches Problem: Vor der Küste tummeln sich große Schulen von schmackhaften Hornhechten, nur leider sind diese Fische so schmal, dass sie keine Angelhaken schlucken können. Die Fischer suchen deshalb im Wald nach Spinnennetzen, die sie zu Ködern verknoten und mit Hilfe eines Lenk-Drachens über die Wasseroberfläche gleiten lassen. Die Hornhechte halten das Spinnennetz-Knäuel für Insekten und verstricken sich heillos in der superelastischen Spinnenseide. Wenn der Drachen zuckt, müssen die Fischer nur mehr die Leine einholen.

Durch ihre extreme Spezialisierung sind die Ökosysteme von Inseln die empfindlichsten überhaupt. Eine einzige Art kann alles zum Kippen bringen – wie das Beispiel der Stephenschlüpfer auf der Insel Stephens vor Neuseeland zeigt. Im Jahr 1894 wurde dort ein Leuchtturm errichtet, dessen ornithologisch überaus interessierter Wärter, ein gewisser Mister Lyall, die Vogelwelt der kleinen Insel erkundete. Lyall entdeckte auch einen ungewöhnlichen flugunfähigen Sperling und schickte ihn nach London zur Identifikation. Während die Systematiker des British Museum über dem Balg brüteten, begann Tibbles, des Leuchtturmwärters Katze, die hilflos herumhüpfenden Stephenschlüpfer im großen Stil zu jagen. Es ist nicht genau überliefert, ob auch andere Katzen an dem Massaker mitwirkten, jedenfalls war der Stephenschlüpfer bereits ausgestorben, als Mr. Lyall die Nachricht erreichte, er habe eine neue Vogelart entdeckt. Heute existieren nur mehr gezählte elf Exemplare in den Sammlungen diverser Museen, allesamt von Tibbles und ihresgleichen übel zugerichtet.

Eine Dokumentation von Jonathan Clay und Huw Cordey
Deutsche Bearbeitung: Martin Mészáros

Viele Wasservögel auf türkisblauem Wasser bei Petrel, Neuseeland
Dokumentation -

Zerbrechliches Paradies

Seit die ersten Pioniere den Südpazifik erkundeten, wird in seinen Gewässern auf erfinderische und zunehmend effektive Art gefischt.

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