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Dokumentation

Es lebe der Zentralfriedhof

Wien kann mit einer Menge Sehenswürdigkeiten aufwarten: dem Stephansdom, Schloss Schönbrunn oder der Staatsoper. Aber kein Ort zieht mehr Besucher an als der Zentralfriedhof, die größte historische Begräbnisstätte Europas.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 06.12.2020

Hier ruhen die Namenlosen friedlich neben den Weltberühmten. Doch zwischen den Gräbern und Gruften blüht das Leben - Regenwürmer und Igel, Füchse und Dachse, sogar Rothirsche. Bis vor wenigen Jahren war der "Zentral" sogar offizielles Jagdgebiet, ein Waidmann sorgte im Auftrag der Stadtverwaltung für konstante Wildbestände.

Der alte Jüdische Friedhof
Der alte Jüdische Friedhof
Quelle: ORF/Media Wien

Unter Wiens Sehenswürdigkeiten zwischen Stephansdom, Schloss Schönbrunn und Staatsoper wird eine Attraktion oft übersehen: der Zentralfriedhof, das größte unter den klassischen Gräberfeldern Europas. Dabei ist "der Zentral" nicht nur wegen seiner Ruhestätten weltberühmter Persönlichkeiten bemerkenswert. Zwischen den Gräbern von Beethoven, Mozart, Strauß und Schubert, den Marmortafeln für Politiker und Wissenschafter und den Gruften für Künstler und Rockstars blüht das Leben. Turmfalken, Füchse und Dachse, seltene Vogelarten, sogar Rehe leben auf dem weitläufigen Areal des Zentralfriedhofs. Dieses ungewöhnliche Biotop bietet eine Reise durch jene Abschnitte des Friedhofs, die dem Besucher oft verborgen bleiben - erzählt von einem in Simmering Ortskundigen: Willi Resetarits, vormals "Ostbahn Kurti".

Lueger-Kirche auf dem Zentralfriedhof (Flugaufnahme)
Lueger-Kirche auf dem Zentralfriedhof
Quelle: ORF/Media Wien/Wolfgang Blauensteiner

Schon allein die Ausmaße des Friedhofs im Südosten Wiens sind außergewöhnlich: 2,5 Millionen Quadrtmeter bieten nicht nur eine Ruhestätte für drei Millionen Menschen, sondern auch viel Entfaltungsraum für Tiere. Turmfalken brüten auf den Zinnen der Karl-Borromäus-Kirche, Rehe naschen vom immergrünen Efeu auf dem alten jüdischen Friedhofsteil, Steinmarder und Waldkauze jagen sich gegenseitig die fettesten Mäuse ab, und die Feldhamster kommen den Mitarbeitern der städtischen Bestattung beim Ausheben neuer Gräber regelmäßig in die Quere. Es ist allerdings kein Zufall, dass sich im Simmeringer Biotop eine ungewöhnlich große natürliche Vielfalt bilden konnte. Spezielle Schutzprogramme fördern anspruchsvolle Arten wie Neuntöter oder Grünspechte, die sonst schon selten geworden sind. Die am Zentralfriedhof weit verbreiteten Feldhamster etwa sind auf der österreichischen "Roten Liste" schon als gefährdet eingestuft.

Ungestörtes Tierleben

Feldhamster frißt Grabschmuck
Dieser Feldhamster lässt sich den Grabschmuck schmecken.
Quelle: ORF/Media Wien/Kurt Kracher

Bei seiner Eröffnung im Jahr 1874 schien der Friedhof ein klein wenig überdimensioniert - und das, obwohl Wien damals nach der Eingemeindung der Vorstädte massiv an Einwohnern zugelegt hatte. Die Stadtplaner rechneten für Anfang des 20. Jahrhunderts mit ungefähr zwei Millionen Einwohnern, entsprechend großzügig sollte das Gräberfeld angelegt sein.

Bekanntlich fiel die Zuwanderung dann etwas moderater aus, dennoch hat sich bewährt, dass die Architekten des "Zentral" im großen Stil planten. Sonst gäbe es kaum so viele verschwiegene Winkel und wilde Ecken - wo zwar nur selten eine frische Kerze brennt, das Leben der Tiere sich aber ungestört entfalten kann.

Ein Reh mitten im Zentralfriedhof
Auch ein Zaungast bei Begräbnissen - ein Reh
Quelle: ORF/Media Wien/Kurt Kracher

Dabei nutzen sie die speziellen Angebote des Friedhofs. Dachse schätzen den Umstand, dass hier ständig irgendwo neu umgegraben wird - und damit die begehrten Regenwürmer ans Licht kommen. Hamster legen um Allerheiligen vor der Winterruhe Extraschichten ein, um mit den vielen frischen Blumen auf den Gräbern zurande zu kommen.

Und für die Krähen regnet es rote Grabkerzen: Die Vögel sind ganz wild auf das fetthältige Kerzenwachs. Um es aus den roten Plastikhüllen zu lösen, lassen die Krähen die Grabkerzen aus luftigen Höhen fallen. Dabei dürften sie so manchen arglosen Friedhofsbesucher schon einen Mordsschrecken eingejagt haben.

Auch die spezielle Architektur des Wiener Zentralfriedhofs ist für manche Tiere wie geschaffen: Jedes Jahr brüten Turmfalken in der Kirche zum heiligen Karl Borromäus. Das Jugendstil-Bauwerk mit seinen vielen Vorsprüngen, Zinnen und Verzierungen eignet sich für die Turmfalken als Neststandort ebenso wie als Flugschulgelände.

Hase
Dieser Hase hat ein windgeschütztes Plätzchen gefunden.
Quelle: ORF/Media Wien/Anton Weber.

Für diese Dokumentation versammelte Regisseur Manfred Corrine wieder das bewährte Team, das für den "Universum"-Erfolg "Die Insel" schon die Naturwunder der Wiener Donauinsel perfekt in Szene gesetzt hatte. Corrine verbindet am Wiener Zentralfriedhof charmante Tiergeschichten mit den Eigentümlichkeiten des Stadtlebens:
"Wir haben versucht, einmal aus der Perspektive der Tiere auf die vielfältigen Rituale rund um den Tod zu schauen. Dabei haben wir oft Momente erlebt, wo Leben und Sterben so dicht nebeneinander waren. Da war zum Beispiel dieses Armenbegräbnis, das junge Feldhamster von ihrem angegrabenen Bau aus mitverfolgten - da ist man zwischen menschlicher Anteilnahme und den amüsanten Darbietungen der Tiere hin und her gerissen."

A scheene Leich

Begräbnis.
Solch einen Leichenzug kann man in Wien heute noch bestellen!
Quelle: ORF/Media Wien/Irene Rohrmoser

Corrine und sein Team drehten zwei Jahre lang, wobei kein Aufwand gescheut wurde: Sogar einen historischer Leichenzug aus dem 19. Jahrhundert komplett mit schwarzer Kutsche, kostümierten Fackelträgern und federgeschmücktem Gespann ließ man auffahren, um die Faszination der Wiener für opulente Begräbniszeremonielle, "die scheene Leich'", zu zeigen. Manfred Corrine:
"Das Erstaunliche dabei ist, dass man solche Aufgebote bis heute bestellen kann. Eine derartige 'pompe funèbre' pflegt man heute nirgendwo sonst auf der Welt noch."

Für die stilechte Musikausstattung der Dokumentation sorgten Roland Neuwirth und seine Extremschrammeln.

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