Dokumentation

Das Kleinwalsertal - Die schönste Sackgasse der Welt

Es ist eine der berühmtesten unbekannten Regionen Österreichs: das Kleinwalsertal ist auf der Straße nur über Deutschland erreichbar. Und auch sonst ist diese Region reich an Widersprüchen ...

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 20.09.2022

Die EinwohnerInnen stammen aus 47 Nationen, pflegen aber ein "Walsertum", das sich auf eine Besiedelung vor 750 Jahren beruft. Man lebt vom Massentourismus und der dazugehörigen Infrastruktur, möchte aber doch die Natur erhalten, weil die Gäste deretwegen kommen.

Schneeschuhwanderung mit Wanderführerin Daniela Schwendinger
Schneeschuhwanderung mit Wanderführerin Daniela Schwendinger durch unberührte Natur
Quelle: ORF/ORF-V.

Seit einem etwas aus dem Ruder gelaufenen PR-Besuch des österreichischen Bundeskanzlers in der ersten Phase der Corona-Pandemie ist das Kleinwalsertal in Österreich wieder etwas bekannter geworden: Viele wissen jetzt, dass das Tal zwar zu Österreich gehört, aber auf der Straße nur über Deutschland erreichbar ist. Und das ist längst nicht das einzige Spannungsfeld, mit dem sich die Bevölkerung des Tales beschäftigen muss, das manche fast ein bisschen trotzig als "schönste Sackgasse der Welt" bezeichnen.

Es ist eine der berühmtesten unbekannten Regionen Österreichs, und es ist zugleich ein Tal, das viele Widersprüche in sich birgt: Man gehört zu Vorarlberg, spricht aber einen Dialekt mit Anklängen an das Allgäu; die Kinder gehen in Deutschland ins Gymnasium, werden dort aber als Tiroler bezeichnet; die Einwohner*innen stammen aus 47 verschiedenen Nationen, pflegen aber ein "Walsertum", das sich auf eine Besiedelung vor 750 Jahren beruft; man lebt seit Jahrzehnten vom Massentourismus und der dazugehörigen Infrastruktur, möchte aber doch die Natur erhalten, weil die Gäste deretwegen kommen. Manche finden, man stecke deshalb nicht nur geografisch in einer Sackgasse, weshalb ein Prozess begonnen hat, in dem zugleich nach den Wurzeln und nach einer neuen Identität gesucht wird, indem aber auch versucht wird, eine neue, naturverträgliche Form des Tourismus zu entwickeln.

Kameramann Herbert Jochum  bei den Alphorntagen
Die besten Alphornbläser versammeln sich alle 2 Jahre.
Quelle: ORF/ORF-V.

Ein spannender Prozess, den wir begleiten wollen. Die Doku soll das Tal in seinen Widersprüchen, aber auch seinen Besonderheiten vorstellen: Natur und menschliche Eingriffe, Identitätssuche und Neudefinition, historische Besonderheiten und gern gepflegte Mythen werden vorgestellt. Die Palette reicht von den sommerlichen Aktivitäten zur Besucherlenkung in Natur-Schongebieten über die Diskussion über das Selbstverständnis als "Walser" bis zu den Erinnerungen an die Rolle des "Hotel Ifen" als Internierungslager für prominente Häftlinge des NS-Regimes. Highlights sind das alle zwei Jahre stattfindende Alphornfestival im September, aber auch einige historische Filmraritäten aus den Anfängen des Tourismus.

Eine Dokumentation von Markus Barnay

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