Straße entlang eines Kanals im Gegenlicht

Dokumentation

Venedig und das Ghetto

Am 29. März 1516 fasste die Republik Venedig einen Beschluss mit weitreichenden Folgen: Sie wies den Juden ein Gebiet zu, in dem sie von nun an abgetrennt von der übrigen Bevölkerung leben mussten. Es war ein ödes Areal am Stadtrand, "Ghetto" genannt. Von hier aus verbreitete sich der Begriff auf der ganzen Welt als Synonym für Ausgrenzung und Verfolgung.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Sendetermin
08.03.2024
12:15 - 13:05 Uhr

In Venedig kam es anders: Das Ghetto ist heute ein Ort der Begegnung und ein beliebtes, bunt gemischtes Wohnviertel mit hoher Lebensqualität.

Wäscheleine über einem Seitenkanal
Alltag im "Ghetto Nuovo"
Quelle: ORF/METAFILM/Klaus Steindl

Wie kein anderer Ort spiegelt dieses Viertel die wechselhaften Beziehungen zwischen Juden, Venedig und der Welt wider - in kleinen Details, die große Geschichten erzählen wie z. B. von fünf prächtigen Synagogen hinter unscheinbaren Fassaden, sonderbaren Fenstern auf Höhe des Meeresspiegels.

Sie erzählen von uralten, dicht gedrängten Hochhäusern, die auf Sand gebaut sind, Wohnungen, in denen man kaum aufrecht stehen kann, einer Marmortafel, die Denunzianten ködert, und einem Kanal für die Toten.

Frau im Gewand sitzt mit Garnrollen in einem Gewölbe
Spielszene – Jüdische Stickerin am Markt
Quelle: ORF/METAFILM/Helmut Wimmer

Die ersten Juden, die im Ghetto ankamen, fanden verfallene Häuser, Schmutz und Unrat vor. Es war ein aufgelassenes Gewerbegebiet, rundum von Wasser umgeben und nur durch Tore zu betreten, die in der Nacht verschlossen und streng bewacht wurden. Dennoch kamen immer mehr Menschen hierher - auf der Flucht vor Kriegen und der Verfolgung auf dem Festland.

Die Tore des Ghettos verhießen ihnen nicht nur Ausgrenzung, sondern auch Schutz. Venedig gewährte diesen Schutz, forderte dafür aber auch massive Gegenleistungen: Juden mussten nicht nur hohe Steuern zahlen, sondern auch Geld an die venezianische Bevölkerung verleihen. Mit jeder Einwanderungswelle kamen mehr Juden ins Ghetto - aus anderen Kulturkreisen, mit fremden Sprachen, Sitten und Gebräuchen. Es gab Zeiten der Repression, der Armut, der Verfolgung, aber auch Zeiten der kulturellen und wirtschaftlichen Blüte - alles auf engstem Raum.

Menschen sitzen in einer prachtvollen Synagoge
Synagoge im "Ghetto Nuovo"
Quelle: ORF/METAFILM/Klaus Steindl

Erst Napoleon ließ die Tore des Ghettos öffnen. Von da an waren die Juden den übrigen Venezianern gleichgestellt, zumindest theoretisch. Von der dunklen Zeit der Naziherrschaft zeugen "Stolpersteine", ein Gedenkzentrum und ein Mahnmal am zentralen Campo des Ghettos.

Heute leben die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in ganz Venedig verstreut, aber das Ghetto und seine fünf Synagogen bilden noch immer den Mittelpunkt ihrer religiösen Identität. "Venedig und das Ghetto" entschlüsselt die verborgenen Rätsel des Ghettos und spürt in Spielszenen und in der Realität den Geschichten dahinter nach - von Menschen, die den Ort über Jahrhunderte prägten, bis hin zu jenen, die es heute tun.

Eine Dokumentation von Klaus T. Steindl.

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