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Tratschende Damen.

Dokumentation

Sisi, Schratt & Sacher: Wiens glamouröse Frauen

Kaiserin Elisabeth, Kathy Schratt, Anna Sacher, Pauline Metternich und „Erzsi, die rote Erzherzogin“ – Frauen wie sie hatten etwas zu sagen in einer ansonsten durch und durch männlichen Welt. Und sie verliehen Wien den Glanz einer Society-Metropole.

Produktionsland und -jahr:
Datum:

Patrice Fuchs zeigt, wie wirkungsmächtig Frauen wie diese im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert gewesen sind und welche zentrale Rolle sie in der damaligen Gesellschaft gespielt haben.

Glamouröse Frauen hat es schon immer gegeben. Sie wussten sich in Szene zu setzen, genossen die Bewunderung und den Glitzer. Sie liebten es Einfluss zu haben oder wollten sich aus ihrer miserablen wirtschaftlichen Lage retten - und sie prägten ihre Zeit.

Ihr Aussehen war ihr Kapital

Fanny Elssler.
Fanny Elssler, eine der bekanntesten Tänzerinnen des 19. Jahrhunderts
Quelle: ORF/Familie Rockt Media

Frauen sind immer macht- und mittellos gehalten worden, aber mit ihrer Erscheinung und ihrem Sexappeal konnten es manchen zu Wohlstand und Einfussnahme kommen. Mitte des 19. Jahrhundert katapultierten sich einige Bürgertöchter durch ihr Charisma in den Adelsstand.

Arme Mädchen verkaufen ihre Körper, manche um eben diesen zu nähren, andere um ihn in teure Roben kleiden zu können. Denn nur mit den richtigen Kostümen können sie auf der Bühne und auf Partys glänzen. Um die Jahrhundertwende verkauft sich jede 4. Wienerin.

Der Illustrator der Gesellschaft

Makart ist der Illustrator der Epoche. Er bringt glamouröse Frauen als Ikonen auf die Leinwände, manche nackt und einige von ihnen heiratet er sogar. Sie gewinnen durch ihn an Status und Reichweite.

Wie wohnen die glamourösen Frauen dieser Zeit?

Charlotte Wolter.
Burgschauspielerin Charlotte Wolter wurde von Hans Makart als Messalina porträtiert
Quelle: ORF/Familie Rockt Media

Marmor, Blattgold, dunkle Hölzer, Blumen, Statuetten und gemusterte Tapeten liefern das Setting der Liederabende, Salons und geheimen Treffen. Ganz wichtig ist dabei ein Accessoire: Die Palme! Ohne Palme geht gar nichts. Sie bringt Exotik in den Gesellschaftsraum. Wer eine Palme daheim hat, ist modern und, wie man sagt: "von Welt". Auch Makart liebt die Palme nicht nur in seinen Bildern, auch in seinem Atelier. Die Palme weißt auf Vermögen hin und ist auch sexuell besetzt. Die Palme winkt die Gesellschaft aus dem Alltag und in verträumte, fremde Welten. Die Damen des Hauses gestalten die Wohnzimmer, denn sie sind auch für gesellschaftliche Abende und Nachmittags-Teerunden zuständig. Je stilvoller das Ambiente, desto besser die Nachrede.

Adelige Netzwerke

Katharina Schratt
Katharina Schratt, Schauspielerin und langjährige Vertraute von Kaiser Franz Joseph I.
Quelle: ORF/Familie Rockt Media.

Der Nachmittags-Tee der feinen Damen mit Jourgebäck dient dem Austausch von Tratsch und Trends. Nicht selten wird von jenen Damen gesprochen, die Makart nackt Model standen. Skandalöses Verhalten wirkt eben auch oft anziehend. Pauline von Metternich ist die erste Adelige, die Lippenstift verwendet. Außerdem veranstaltet sie, gemeinsam mit einer Adelskollegin, einen Blumenkorso auf der Prater Hauptallee. Als die beiden sich über die Ausformung des Blumenschmucks nicht einig werden, setzen sie ein Duell an. Frauen duellieren sich damals nicht häufig, aber häufiger als bekannt. Und zwar mit nacktem Oberkörper. Denn die Kleidung soll nicht blutig werden bzw. entscheidet der erste Bluttropfen über den Sieg der einen Duellantin über die andere. Jedoch ist nicht davon auszugehen, dass die Damen tatsächlich ihre Brust herzeigten. Wahrscheinlich ließen sie das weiße Unterhemd an. Denn diese Aufmachung galt damals bereits als"nackt". Frauen waren auch damals nicht durchgehend sittsam und unauffällig.

Das gewisse Etwas

Oberteile von Emilie Flöge.
Oberteil, entworfen von Emilie Flöge.
Quelle: ORF/Familie Rockt Media

Um 1900 entsteht erstmals eine It-Girl-Kultur. Junge Frauen, die geistreich, selbstbewusst und mutig sind, putzen sich heraus, setzen sich in Szene und werden zum Modevorbild. Auch für die feinen Damen der Gesellschaft. Geheimnisvolle, attraktive und glamouröse Frauen auf Bühnen und Partys schütteln Traditionen und verstaubte Rollenbildern ab. Durch den Film beeinflusst, werden Entertainerinnen lebhafter in der Mimik und raffinierter in der Darstellung. Die Mode wird weniger kitschig und plump, dafür smarter und sportlicher.

Emilie Flöge wird einen ganz neuen modischen Zeitgeist kreieren. Keine enge Taille und überladener Protz. Alma Mahler kauft bei ihr ein. Aber nicht die reformkleidinspirierten Teile, sondern konventionellere Kleider. Auf diese lässt sie dann noch Extravaganzen drapieren, um nicht zu "schlicht" daherzukommen. Flöge macht aber nicht nur Mode sondern baut ein Frauennetzwerk sondergleichen auf. 80 Näherinnen arbeiten für sie. Und ausschließlich weibliche Kunden kaufen bei ihr ein. Die Haare verändern sich und charakterisieren den neuen Zeitgeist. Glamouröse Frauen leben nicht mehr das Operettenleben von früher, sondern tragen Modeschmuck und leben auf einem Filmset. Sie können wählen gehen und bekommen Lohn statt Kost und Logis. Es bleibt mehr Glitzer für alle übrig.

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