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Christian Hölbling, Carina Knebel

Dokumentation

Erzherzog Johann - Visionär & Menschenfreund

Erzherzog Johann, ein Bruder des österreichischen Kaisers Franz I., hat mit teilweise revolutionären Ideen die Kultur-, Bildungs- und Wirtschaftslandschaft Österreichs geprägt.

Produktionsland und -jahr:
Datum:

Stärker noch als seine Leistungen, die er gleichsam im politischen Exil in der Steiermark erbracht hat, wirkt sein Mythos bis heute. Erzherzog Johann wird als "Reichsverweser" zum ersten gewählten Staatsoberhaupt Deutschlands.

Erzherzog Johann (1782 - 1859) ist eine der fast schon mythisch überhöhten Figuren der 640-jährigen Geschichte der Habsburger in Österreich. Die historische Person des Kaisersohns und Kaiserbruders, des ersten gewählten Staatsoberhaupts Deutschlands, ist überlagert und zugekitscht von zeitgenössischer Propaganda und seiner Liebesgeschichte und Heirat mit der Bürgerstochter Anna Plochl.

Doch Erzherzog Johann ist tatsächlich eine der spannendsten und prägendsten Persönlichkeiten der Habsburger-Dynastie, in einer Reihe mit dem großen Reformer Josef II. und Maria Theresia zu nennen. Der Dokumentarfilm "Erzherzog Johann - Visionär und Menschenfreund" von Alfred Ninaus ist nicht nur eine Filmbiografie. Es ist eine kritische Auseinandersetzung mit Erzherzog Johanns Gesamtwirken und dem Fortwirken seiner gesellschaftlichen Gründungen, seiner wissenschaftlichen Ambitionen, seiner technologischen Innovationen, seiner politischen Abenteuer, seiner Niederlagen und seiner persönlichen Triumphe.

Ein Habsburger als erster deutscher Reichsverweser

Christoph Moosbrugger
Christoph Moosbrugger als Erzherzog Johann (Spielszene)
Quelle: ORF/Ran-Film

Erzherzog Johann ist ein Reformer, ein romantischer Berg- und Naturliebhaber, ein siegloser Schlachtenlenker, der hart an der Grenze des Hochverrats agierte und den Tiroler Freiheitshelden Andreas Hofer unterstützte und schließlich fallen lassen musste. Erzherzog Johann ist ein unglücklich Liebender, der das Unmögliche durchsetzte und als Kaisersohn eine Postmeisters-Tochter heiraten durfte.
Er scheitert mit vielen Ambitionen, droht fast an der verstaubten, längst überholten Hofetikette und der rückwärtsgewandten Politik seines Bruders Kaiser Franz und seines mächtigen Ministers Metternich zu zerbrechen. Er steckt Rückschläge, Demütigungen weg und baut sich sein eigenes Reich auf, zuerst in Tirol, dann in der Steiermark. Ein Erzherzog ohne reale Machtbasis wird zum steirischen Prinzen, zum Erzherzog der Herzen. Er vermittelt in den blutigen Wirren der Revolution 1848 und wird von der Frankfurter Paulskirche, dem ersten demokratischen Parlament Deutschlands zum "Reichsverweser", dem ersten Staatsoberhaupt Deutschlands gewählt. Er, ein Habsburger!

Das Leben am Hof interessierte den Erzherzog wenig

Christian Hölbling
In der freien Natur fühlte sich Erzherzog Johann am wohlsten (Spielszene)
Quelle: ORF/Ran-Film

Zwei Jahrhunderte liegen zwischen seinem Wirken und der Welt von heute. Zwei Jahrhunderte, in denen sich die Welt stärker und schneller verändert hat als in zwei Jahrtausenden zuvor. Wer war dieser Erzherzog Johann? Warum wurde gerade er zur (einzigen) herausragenden Habsburger-Figur seiner Zeit? Und warum wurde gerade die Steiermark zum Zentrum seines Wirkens?

Johann, Erzherzog von Österreich, 1782 in Florenz geboren und vor 150 Jahren in Graz gestorben, war das 13. Kind von Großherzog Leopold von Toskana (später Kaiser Leopold II.), Bruder von Kaiser Franz II. (I.). Ursprünglich für die militärische Laufbahn bestimmt, entwickelte Johann schon früh Interesse für Natur, Technik und Landwirtschaft; er sammelte Mineralien, war Alpinist und Jäger. In den napoleonischen Kriegen war Johann Feldmarschall und Generaldirektor für das Genie- und Fortifikationswesen.

Als Feldherr glücklos

Er verlor am 3. Dezember 1800 die Schlacht bei Hohenlinden und kämpfte 1805 gegen Franzosen und Bayern. 1808 organisierte er in Tirol und Innerösterreich die Landwehr für den Volkskrieg gegen Napoleon, förderte 1809 den Tiroler Freiheitskampf Andreas Hofers und übernahm den Oberbefehl über die Südarmee gegen Napoleons General Eugène de Beauharnais. Er siegte bei Sacile, wurde aber bei Raab geschlagen. Wegen seiner Teilnahme am Alpenbund und nach der Niederschlagung des Tiroler Volksaufstands verbot ihm sein kaiserlicher Bruder Franz I., Tirol zu betreten. Deshalb wandte er sich der Steiermark zu. 1811 legte er durch Stiftungen und die Schenkung seiner Sammlungen den Grundstein für das Joanneum in Graz.

Förderer der Steiermark und erster frei gewählter Bürgermeister

Christian Hölbling
Christian Hölbling als jüngerer Erzherzog (Spielszene)
Quelle: ORF/Ran-Film

Folgende weitere Institutionen basieren im Wesentlichen auf den Anregungen von Erzherzog Johann: Steiermärkisches Landesarchiv (1817), berg- und hüttenmännische Lehranstalt in Vordernberg (ab 1849 in Leoben, Montanuniversität Leoben), Steiermärkische Landwirtschaftsgesellschaft (1819), Wechselseitige Brandschadenversicherungsanstalt, Steiermärkische Sparkasse (1825), Landesoberrealschule (1845), Historischer Verein für Steiermark (1850).
Er erwarb 1818 den Brandhof bei Mariazell und schuf daraus ein alpenländisches Mustergut. 1822 erwarb er in Vordernberg zwei Radwerke und wurde Eisengewerke, wobei er auch durch Gründung der Vordernberger Radmeister-Communität Erzabbau und -förderung auf dem steirischen Erzberg revolutionierte (1835 erste Eisenschienenbahn auf dem europäischen Kontinent). Durch den Erwerb einer Blechfabrik in Krems bei Voitsberg und von Kohlengruben bei Köflach wurde er auch zum Fabrikanten und Kohlengewerken. 1841 kaufte er die Herrschaft Stainz mit dem ehemaligen Chorherrenstift, wo man ihn 1851 auch zum ersten frei gewählten Bürgermeister kürte.

Sein besonderer Verdienst ist die Durchsetzung der Trassierung der Südbahn von Wien nach Triest über den Semmering und durch Mürz- und Murtal nach Graz. Johanns Volksverbundenheit äußerte sich in engen Kontakten zu den Menschen, dem Tragen der einheimischen Tracht (Steireranzug), dem Sammeln und der Förderung der materiellen und geistigen Kultur des Landes.

Heirat mit einer Bürgerlichen gegen die Widerstände des Hofes

Carina Knebel
Carina Knebel als Anna Plochl (Spielszene)
Quelle: ORF/Ran-Film

1829 heiratete er die Ausseer Postmeisterstochter Anna Plochl, deren Nachkommen den Titel "Grafen von Meran" erhielten. Sein autobiografisches Werk "Der Brandhofer und seine Hausfrau" ist von dieser Lebenshaltung bestimmt. Johann umgab sich mit zahlreichen Künstlern ("Kammermalern") und Wissenschaftern.

1848 wurde er Stellvertreter des Kaisers und eröffnete den konstituierenden Reichstag in Wien. Die gesamtdeutsche Frankfurter Nationalversammlung wählte ihn 1848 zum Reichsverweser, 1849 legte er jedoch dieses Amt wieder zurück. Erzherzog Johann starb 1859, er liegt in Schenna bei Meran (Südtirol) begraben.

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