Frank Witzel

Geboren 1955 in Wiesbaden.

Frank Witzel, der zunächst eine musikalische Ausbildung am Wiesbadener Konservatorium absolvierte, veröffentlichte Mitte der 1970er-Jahre erste literarische Texte in Zeitschriften. Sein erstes Buch, der Lyrikband „Stille Tage in Cliché“, erschien 1978 bei der Edition Nautilus. Ab 2001 folgten weitere Prosa- und Essaybände. Sein Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969“ wurde 2015 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Frank Witzel lebt als Musiker, Illustrator, Übersetzer und Schriftsteller in Offenbach.

Blick ins Werk

„Es ist ein verschneiter Tag im Januar. Ich stehe auf einem schmalen und verschneiten Hügel, schaue in ein verschlafenes und ebenfalls verschneites Dorf, das unterhalb des Hügels liegt, und versuche mich zu erinnern, wie es war, dort unten in einer kaum möblierten und ungeheizten Wohnung zweieinhalb Monate zuzubringen, in einem Haus, das eher einem Schuppen ähnelte, dicht neben einem Bach, der halb zufror in diesem Winter vor so vielen Jahren. Ich stehe auf dem Hügel und schaue meinem gefrorenen Atem hinterher und dem Eichelhäher, der kurz auf einem der verschneiten Äste aufsetzt und dann in den grauen Himmel fliegt und hinter der nächsten Kuppe verschwindet.

Die Landstraße schlängelt sich wie auf einer Kinderzeichnung vom grauweißen Horizont zu dem Feld vor meinen Füßen. Und da kommt auch schon ein Auto angefahren. Es ist kein Ferrari 250 GT, 12 Zylinder 4-Takt, Hubraum 2953 cm³ mit 240 PS und 230 Stundenkilometern, noch nicht mal ein Porsche 501, 6 Zylinder 4-Takt, Hubraum 1995 cm³ mit 120 PS und 200 Kilometern, sondern nur ein NSU Prinz, 2 Zylinder 4-Takt, 578 cm³ mit 30 PS, der gerade mal 120 macht, mit Rückenwind, und hier geht es bergauf, raus aus dem verschneiten Dorf, und ich habe noch nicht mal den Mopedführerschein, und Claudia brüllt und Bernd schreit, ich soll mich weiter rechts halten, damit uns die Bullen in den Kurven aus den Augen verlieren, aber das ist gar nicht so leicht, denn unser NSU Prinz hat hinten fast platte Reifen, weshalb ich kaum die Balance halten kann.“

(Leseprobe aus dem Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969“ -
© Matthes & Seitz Verlag, Berlin)

Bücher

 

Stille Tage in Cliché

Gedichte, Hamburg: Edition Nautilus 1978

 

Bluemoon Baby

Roman, Hamburg: Edition Nautilus 2001

 

Revolution und Heimarbeit

Roman, Hamburg: Edition Nautilus 2003

 

Vondenloh

Roman, Hamburg: Textem Verlag 2008

 

Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen
manisch depressiven Teenager im Sommer 1969

Roman, Berlin: Matthes & Seitz Verlag 2015

Auszeichnungen

 

2012

Robert-Gernhardt-Preis des Landes Hessen und der WIBank

 

2015

Deutscher Buchpreis

oben

Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Frank Witzel

    Geboren 1955 in Wiesbaden.

    Frank Witzel, der zunächst eine musikalische Ausbildung am Wiesbadener Konservatorium absolvierte, veröffentlichte Mitte der 1970er-Jahre erste literarische Texte in Zeitschriften. Sein erstes Buch, der Lyrikband „Stille Tage in Cliché“, erschien 1978 bei der Edition Nautilus. Ab 2001 folgten weitere Prosa- und Essaybände. Sein Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969“ wurde 2015 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Frank Witzel lebt als Musiker, Illustrator, Übersetzer und Schriftsteller in Offenbach.

  • Blick ins Werk

    „Es ist ein verschneiter Tag im Januar. Ich stehe auf einem schmalen und verschneiten Hügel, schaue in ein verschlafenes und ebenfalls verschneites Dorf, das unterhalb des Hügels liegt, und versuche mich zu erinnern, wie es war, dort unten in einer kaum möblierten und ungeheizten Wohnung zweieinhalb Monate zuzubringen, in einem Haus, das eher einem Schuppen ähnelte, dicht neben einem Bach, der halb zufror in diesem Winter vor so vielen Jahren. Ich stehe auf dem Hügel und schaue meinem gefrorenen Atem hinterher und dem Eichelhäher, der kurz auf einem der verschneiten Äste aufsetzt und dann in den grauen Himmel fliegt und hinter der nächsten Kuppe verschwindet.

    Die Landstraße schlängelt sich wie auf einer Kinderzeichnung vom grauweißen Horizont zu dem Feld vor meinen Füßen. Und da kommt auch schon ein Auto angefahren. Es ist kein Ferrari 250 GT, 12 Zylinder 4-Takt, Hubraum 2953 cm³ mit 240 PS und 230 Stundenkilometern, noch nicht mal ein Porsche 501, 6 Zylinder 4-Takt, Hubraum 1995 cm³ mit 120 PS und 200 Kilometern, sondern nur ein NSU Prinz, 2 Zylinder 4-Takt, 578 cm³ mit 30 PS, der gerade mal 120 macht, mit Rückenwind, und hier geht es bergauf, raus aus dem verschneiten Dorf, und ich habe noch nicht mal den Mopedführerschein, und Claudia brüllt und Bernd schreit, ich soll mich weiter rechts halten, damit uns die Bullen in den Kurven aus den Augen verlieren, aber das ist gar nicht so leicht, denn unser NSU Prinz hat hinten fast platte Reifen, weshalb ich kaum die Balance halten kann.“

    (Leseprobe aus dem Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969“ -
    © Matthes & Seitz Verlag, Berlin)

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    Eine Auswahl

     

    Stille Tage in Cliché

    Gedichte, Hamburg: Edition Nautilus 1978

     

    Bluemoon Baby

    Roman, Hamburg: Edition Nautilus 2001

     

    Revolution und Heimarbeit

    Roman, Hamburg: Edition Nautilus 2003

     

    Vondenloh

    Roman, Hamburg: Textem Verlag 2008

     

    Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen
    manisch depressiven Teenager im Sommer 1969

    Roman, Berlin: Matthes & Seitz Verlag 2015

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    2012

    Robert-Gernhardt-Preis des Landes Hessen und der WIBank

     

    2015

    Deutscher Buchpreis

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