Jonas Lüscher

Geboren 1976 in Zürich.
Jonas Lüscher wuchs in Bern auf, wo er von 1994 bis 1998 am Evangelischen Lehrerseminar Muristalden zum Primarlehrer ausgebildet wurde. Anschließend arbeitete er einige Jahre in der Münchner Filmwirtschaft, studierte dann von 2005 bis 2009 an der Hochschule für Philosophie in München. Nach seinem Magisterabschluss folgten Tätigkeiten als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften (TTN) der LMU München und als Ethiklehrer in München-Pasing. 2013 erschien bei C.H.Beck sein erstes Buch, die Novelle „Frühling der Barbaren“, die von der Kritik hoch gelobt und vielfach ausgezeichnet wurde, etwa mit dem Bayerischen Kunstförderpreises sowie mit Nominierungen zum Deutschen und zum Schweizer Buchpreis. Jonas Lüscher lebt in München.

Blick ins Werk

„Das Rumsfeldporträt hängt direkt in Krafts Blickachse. Wenn er wieder nicht weiterweiß und sein Blick über den Rand seines Notebooks hinweg in der Leere schwimmt, erscheint es als verwaschener Fleck in Rot, Blau und Grau vor der eichengetäfelten Wand. Es dauert immer nur wenige Atemzüge, bis sich die kalten Augen des Verteidigungsministers hinter der randlosen Brille ihr Recht verschaffen und eine Art Leitstrahl aussendend, sich Krafts Bewusstsein bemächtigen, ihn unwillkürlich zum Fokussieren zwingen, sodass sich die Farbflecken in einer einzigen schnellen, fließenden Bewegung zu einem konkreten Bild verdichten, die tiefen Nasolabialfalten hervortreten, der lippenlose Mundstrich, die etwas kurz geratene Nase – die so gar nicht zu der scharfen Ausdrucksweise, für die der alt- und ausgediente Falke berüchtigt war, zu passen scheint –, das akkurat gekämmte silberne Haar, der straffe Krawattenknoten, der den Hühnerhals fest umklammert hält und unter Zuhilfenahme des gestärkten Hemdkragens die selbstsichere, spöttische Visage daran hindert, dem nadelgestreiften Tuch zu entkommen, um auf den Adlerschwingen, die sich aus den Falten einer himmelblauen Fahne hinter dem rechten Ohr des berüchtigten Aphoristikers ausbreiten, in höhere Gefilde zu entschwinden.“

(Leseprobe aus dem Roman „Kraft“ - © Verlag C.H.Beck, München)

Bücher

 

Frühling der Barbaren

Novelle, München: C.H.Beck Verlag 2013

 

Kraft

Roman, München: C.H.Beck Verlag 2017

 

Eine Auswahl

Auszeichnungen

 

2013

Franz-Hessel-Preis

Bayerischer Kunstförderpreises des Freistaats Bayern

Berner Literaturpreis

 

2016

Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster

„Kraft“ von Jonas Lüscher – Eine Leseempfehlung von Sandra Kegel

Eine Auswahl

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Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Jonas Lüscher

    Geboren 1976 in Zürich.
    Jonas Lüscher wuchs in Bern auf, wo er von 1994 bis 1998 am Evangelischen Lehrerseminar Muristalden zum Primarlehrer ausgebildet wurde. Anschließend arbeitete er einige Jahre in der Münchner Filmwirtschaft, studierte dann von 2005 bis 2009 an der Hochschule für Philosophie in München. Nach seinem Magisterabschluss folgten Tätigkeiten als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften (TTN) der LMU München und als Ethiklehrer in München-Pasing. 2013 erschien bei C.H.Beck sein erstes Buch, die Novelle „Frühling der Barbaren“, die von der Kritik hoch gelobt und vielfach ausgezeichnet wurde, etwa mit dem Bayerischen Kunstförderpreises sowie mit Nominierungen zum Deutschen und zum Schweizer Buchpreis. Jonas Lüscher lebt in München.

  • Blick ins Werk

    „Das Rumsfeldporträt hängt direkt in Krafts Blickachse. Wenn er wieder nicht weiterweiß und sein Blick über den Rand seines Notebooks hinweg in der Leere schwimmt, erscheint es als verwaschener Fleck in Rot, Blau und Grau vor der eichengetäfelten Wand. Es dauert immer nur wenige Atemzüge, bis sich die kalten Augen des Verteidigungsministers hinter der randlosen Brille ihr Recht verschaffen und eine Art Leitstrahl aussendend, sich Krafts Bewusstsein bemächtigen, ihn unwillkürlich zum Fokussieren zwingen, sodass sich die Farbflecken in einer einzigen schnellen, fließenden Bewegung zu einem konkreten Bild verdichten, die tiefen Nasolabialfalten hervortreten, der lippenlose Mundstrich, die etwas kurz geratene Nase – die so gar nicht zu der scharfen Ausdrucksweise, für die der alt- und ausgediente Falke berüchtigt war, zu passen scheint –, das akkurat gekämmte silberne Haar, der straffe Krawattenknoten, der den Hühnerhals fest umklammert hält und unter Zuhilfenahme des gestärkten Hemdkragens die selbstsichere, spöttische Visage daran hindert, dem nadelgestreiften Tuch zu entkommen, um auf den Adlerschwingen, die sich aus den Falten einer himmelblauen Fahne hinter dem rechten Ohr des berüchtigten Aphoristikers ausbreiten, in höhere Gefilde zu entschwinden.“

    (Leseprobe aus dem Roman „Kraft“ - © Verlag C.H.Beck, München)

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  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Frühling der Barbaren

    Novelle, München: C.H.Beck Verlag 2013

     

    Kraft

    Roman, München: C.H.Beck Verlag 2017

     

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    2013

    Franz-Hessel-Preis

    Bayerischer Kunstförderpreises des Freistaats Bayern

    Berner Literaturpreis

     

    2016

    Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster