Sabine Gruber

Geboren 1963 in Meran.
Sabine Gruber, die in Lana (Südtirol) aufgewachsen ist, studierte Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft in Innsbruck und Wien. Ihre Diplomarbeit trägt den Titel „Südtiroler Schriftstellerinnen der Gegenwart. Eine biobibliographische Bestandsaufnahme von 1969 bis 1986“. Ab 1988 war sie für vier Jahre als Universitätslektorin für Deutsch in Venedig tätig. Ihr erster Roman „Aushäusige“ erschien 1996 im Klagenfurter Wieser Verlag, ein Jahr später wurde ihr erstes Theaterstück „Bis dass ein Tod“ in Meran uraufgeführt. Ihre folgenden Lyrik- und Prosabände wurden mehrfach ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Reinhard-Priessnitz-Preis des Österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (1998), dem Anton-Wildgans-Preis der Österreichischen Industrie (2007) und dem Österreichischen Kunstpreis für Literatur (2016). Im Jahr 2007 war ihr Roman „Über Nacht“ für den Deutschen Buchpreis nominiert. Neben ihren belletristischen Arbeiten publiziert Sabine Gruber auch journalistische und germanistische Texte in diversen Zeitungen und Zeitschriften. Sie lebt in Wien.

Blick ins Werk

Die Vögel hatten wegen des Gefechtslärms die Bäume verlassen und waren davongeflogen.
Bruno Daldossi saß auf der Rückbank eines Kleinbusses, schaute aus dem Fenster. Sie fuhren auf das Dorf zu. Er versuchte zu verstehen, was in diesem Augenblick geschah oder was passieren könnte, war aber gleichzeitig abgelenkt. In zwei Tagen würde er wieder bei Marlis sein; er konnte selbst hier, auf dem Land, ihre Haut riechen, zerwühlte in Gedanken ihr Haar, küßte sie zwischen die Beine.
Am linken Straßenrand steckten rotbemalte Holzpfosten in der Erde. Danger hatte jemand auf ein Schild geschrieben.
Einmal hatte Daldossi in Bosnien die Straße verlassen müssen, um zu pinkeln. Während er den Schwanz zurück in die Hose gesteckt und den Reißverschluß zugezogen hatte, waren  zwei Männer ein Stück weit auf ihn zugelaufen und hatten geschrien. Daldossi war so in Gedanken versunken gewesen, daß er nicht gleich verstanden hatte, was sie von ihm wollten, warum sie nicht näher kamen. Zwei Stunden hatte er dann bewegungslos im Feld ausgeharrt, bis der Minensuchtrupp gekommen war, um ihn aus dem gefährlichen Gelände zu befreien.
Wieder war das Knattern eines Maschinengewehrs zu hören. Er wandte den Kopf, konnte aber nichts erkennen. Der Widerhall kam von weit her. Scharfe Munition erzeugt nach dem  Abfeuern einen zweiten Knall, manchmal einen dritten beim Einschlag.
Daldossi vermutete die Scharfschützen hinter dem bewaldeten Hügel. Dort war vor wenigen Minuten die Sonne untergegangen. Herbstkälte breitete sich aus.

(Leseprobe aus dem Roman „Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“ - © Verlag C.H.Beck, München)

Bücher

Eine Auswahl

 

Aushäusige
Roman, Klagenfurt: Wieser Verlag 1996

Fang oder Schweigen
Gedichte, Klagenfurt: Wieser Verlag 2002

Die Zumutung
Roman, München: C.H.Beck Verlag 2003

Über Nacht
Roman, München: C.H.Beck Verlag 2007

Stillbach oder Die Sehnsucht
Roman, München: C.H.Beck Verlag 2011

Zu Ende gebaut ist nie
Gedichte, Innsbruck: Haymon Verlag 2014

Daldossi oder Das Leben des Augenblicks
Roman, München: C.H.Beck Verlag 2016

Auszeichnungen

Eine Auswahl

 

1994
Stadtschreiberin von Klagenfurt

1998
Reinhard-Priessnitz-Preis

2000
Förderpreis zum Österreichischen Staatspreis für Literatur

2001
Stadtschreiberin von Innsbruck

2007
Walther-von-der-Vogelweide-Förderpreis des Südtiroler Kulturinstituts
Anton-Wildgans-Preis der Österreichischen Industrie

2015
Veza-Canetti-Preis der Stadt Wien

2016
Österreichischer Kunstpreis für Literatur

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Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Sabine Gruber

    Geboren 1963 in Meran.
    Sabine Gruber, die in Lana (Südtirol) aufgewachsen ist, studierte Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft in Innsbruck und Wien. Ihre Diplomarbeit trägt den Titel „Südtiroler Schriftstellerinnen der Gegenwart. Eine biobibliographische Bestandsaufnahme von 1969 bis 1986“. Ab 1988 war sie für vier Jahre als Universitätslektorin für Deutsch in Venedig tätig. Ihr erster Roman „Aushäusige“ erschien 1996 im Klagenfurter Wieser Verlag, ein Jahr später wurde ihr erstes Theaterstück „Bis dass ein Tod“ in Meran uraufgeführt. Ihre folgenden Lyrik- und Prosabände wurden mehrfach ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Reinhard-Priessnitz-Preis des Österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (1998), dem Anton-Wildgans-Preis der Österreichischen Industrie (2007) und dem Österreichischen Kunstpreis für Literatur (2016). Im Jahr 2007 war ihr Roman „Über Nacht“ für den Deutschen Buchpreis nominiert. Neben ihren belletristischen Arbeiten publiziert Sabine Gruber auch journalistische und germanistische Texte in diversen Zeitungen und Zeitschriften. Sie lebt in Wien.

  • Blick ins Werk

    Die Vögel hatten wegen des Gefechtslärms die Bäume verlassen und waren davongeflogen.
    Bruno Daldossi saß auf der Rückbank eines Kleinbusses, schaute aus dem Fenster. Sie fuhren auf das Dorf zu. Er versuchte zu verstehen, was in diesem Augenblick geschah oder was passieren könnte, war aber gleichzeitig abgelenkt. In zwei Tagen würde er wieder bei Marlis sein; er konnte selbst hier, auf dem Land, ihre Haut riechen, zerwühlte in Gedanken ihr Haar, küßte sie zwischen die Beine.
    Am linken Straßenrand steckten rotbemalte Holzpfosten in der Erde. Danger hatte jemand auf ein Schild geschrieben.
    Einmal hatte Daldossi in Bosnien die Straße verlassen müssen, um zu pinkeln. Während er den Schwanz zurück in die Hose gesteckt und den Reißverschluß zugezogen hatte, waren  zwei Männer ein Stück weit auf ihn zugelaufen und hatten geschrien. Daldossi war so in Gedanken versunken gewesen, daß er nicht gleich verstanden hatte, was sie von ihm wollten, warum sie nicht näher kamen. Zwei Stunden hatte er dann bewegungslos im Feld ausgeharrt, bis der Minensuchtrupp gekommen war, um ihn aus dem gefährlichen Gelände zu befreien.
    Wieder war das Knattern eines Maschinengewehrs zu hören. Er wandte den Kopf, konnte aber nichts erkennen. Der Widerhall kam von weit her. Scharfe Munition erzeugt nach dem  Abfeuern einen zweiten Knall, manchmal einen dritten beim Einschlag.
    Daldossi vermutete die Scharfschützen hinter dem bewaldeten Hügel. Dort war vor wenigen Minuten die Sonne untergegangen. Herbstkälte breitete sich aus.

    (Leseprobe aus dem Roman „Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“ - © Verlag C.H.Beck, München)

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  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Aushäusige
    Roman, Klagenfurt: Wieser Verlag 1996

    Fang oder Schweigen
    Gedichte, Klagenfurt: Wieser Verlag 2002

    Die Zumutung
    Roman, München: C.H.Beck Verlag 2003

    Über Nacht
    Roman, München: C.H.Beck Verlag 2007

    Stillbach oder Die Sehnsucht
    Roman, München: C.H.Beck Verlag 2011

    Zu Ende gebaut ist nie
    Gedichte, Innsbruck: Haymon Verlag 2014

    Daldossi oder Das Leben des Augenblicks
    Roman, München: C.H.Beck Verlag 2016

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    1994
    Stadtschreiberin von Klagenfurt

    1998
    Reinhard-Priessnitz-Preis

    2000
    Förderpreis zum Österreichischen Staatspreis für Literatur

    2001
    Stadtschreiberin von Innsbruck

    2007
    Walther-von-der-Vogelweide-Förderpreis des Südtiroler Kulturinstituts
    Anton-Wildgans-Preis der Österreichischen Industrie

    2015
    Veza-Canetti-Preis der Stadt Wien

    2016
    Österreichischer Kunstpreis für Literatur

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