Dana Grigorcea

Geboren 1979 in Bukarest.

Nach dem Studium der Niederländischen und Deutschen Philologie in Bukarest und Brüssel beendete Dana Grigorcea 2004 den Masterstudiengang "Qualitätsjournalismus". Danach arbeitete sie bei der Tageszeitung "Kurier" in Wien, der Deutschen Welle in Bonn und bei Arte in Straßburg. Als Deutschland-Korrespondentin war sie auch für das rumänische Radio und Fernsehen tätig. Ihr erstes Werk "Baba Rada. Das Leben ist vergänglich wie die Kopfhaare" wurde mit der Schweizer Literaturperle 2011 ausgezeichnet. 2015 nahm sie am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil und gewann dort den 3sat-Preis. Dana Grigorcea lebt seit 2007 in Zürich.

Blick ins Werk

„Ein metallenes Schimmern, von dem anstehenden Gewitter herrührend, tilgt das Relief der Stadt und lässt sie zu einer gemalten Kulisse werden, so wie jene im Fotostudio Diamandi, in dem meine mondäne Großmutter die ominöse Aufnahme von sich als erster Bukaresterin in kurzem Rock machen ließ, am Arm meines Großvaters, der, ungeduldig, samt Spazierstock und Gangsterhut, in die Unschärfe der Zeit hinaustritt.

Jetzt, im aufziehenden Sturm, erscheint Bukarest ohnehin wie eine Nostalgie-Kulisse, eine, vor der keine Pose unpassend wirkt – ganz im Gegenteil, würde ich sagen.

Ich setze mich auf die marmorne Treppe vor der Nationalen Spar- und Anlagebank und rauche die allerletzte Zigarette, bevor ich definitiv mit dem Rauchen aufhören werde – ganz bewusst die Tatsache missachtend, dass dabei zwei weitere Zigaretten übrig bleiben werden im Päckchen und mich aber die in meinem Beruf unabdingbare Disziplin zwingt, angefangene Sachen immer schön abzuschließen. Die Ruhe für eine letzte Zigarette ist mir aber nicht vergönnt. „Küss die Hand, Fräulein Direktorin, mit ihrer Erlaubnis gehen wir jetzt, bevor es stürmt. Ihre Kollegen gehen auch.“

Unser Chef-Sicherheitsmann nennt fast alle Kollegen Direktor oder Direktorin. Das ärgert nicht einmal die, die es tatsächlich sind und die sich, laut unserer Direktorin für Teambildung und Angleichung an Europäische Standards, vom Rest der Angestellten wenn, dann nur durch die Tatsache unterscheiden sollten, dass sie auf Betriebsausflügen den Fisch mit der Hand essen dürfen.

Den Chef-Sicherheitsmann selbst nennen wir nur „Chef“. Schließlich streben wir eine flache Hierarchie an.“

(Leseprobe aus dem Roman „Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit“ -
© Dörlemann Verlag, Zürich)

Bücher

 

Baba Rada. Das Leben ist vergänglich wie die Kopfhaare

Roman, Zürich: KaMeRu Verlag 2012 – Neuauflage: Zürich: Dörlemann Verlag 2015

 

Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit

Roman, Zürich: Dörlemann Verlag 2015

Eine Auswahl

Auszeichnungen

 

2011

Schweizer Literaturperle

 

2015

3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb Klagenfurt

Eine Auswahl

oben

Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Dana Grigorcea

    Geboren 1979 in Bukarest.

    Nach dem Studium der Niederländischen und Deutschen Philologie in Bukarest und Brüssel beendete Dana Grigorcea 2004 den Masterstudiengang "Qualitätsjournalismus". Danach arbeitete sie bei der Tageszeitung "Kurier" in Wien, der Deutschen Welle in Bonn und bei Arte in Straßburg. Als Deutschland-Korrespondentin war sie auch für das rumänische Radio und Fernsehen tätig. Ihr erstes Werk "Baba Rada. Das Leben ist vergänglich wie die Kopfhaare" wurde mit der Schweizer Literaturperle 2011 ausgezeichnet. 2015 nahm sie am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil und gewann dort den 3sat-Preis. Dana Grigorcea lebt seit 2007 in Zürich.

  • Blick ins Werk

    „Ein metallenes Schimmern, von dem anstehenden Gewitter herrührend, tilgt das Relief der Stadt und lässt sie zu einer gemalten Kulisse werden, so wie jene im Fotostudio Diamandi, in dem meine mondäne Großmutter die ominöse Aufnahme von sich als erster Bukaresterin in kurzem Rock machen ließ, am Arm meines Großvaters, der, ungeduldig, samt Spazierstock und Gangsterhut, in die Unschärfe der Zeit hinaustritt.

    Jetzt, im aufziehenden Sturm, erscheint Bukarest ohnehin wie eine Nostalgie-Kulisse, eine, vor der keine Pose unpassend wirkt – ganz im Gegenteil, würde ich sagen.

    Ich setze mich auf die marmorne Treppe vor der Nationalen Spar- und Anlagebank und rauche die allerletzte Zigarette, bevor ich definitiv mit dem Rauchen aufhören werde – ganz bewusst die Tatsache missachtend, dass dabei zwei weitere Zigaretten übrig bleiben werden im Päckchen und mich aber die in meinem Beruf unabdingbare Disziplin zwingt, angefangene Sachen immer schön abzuschließen. Die Ruhe für eine letzte Zigarette ist mir aber nicht vergönnt. „Küss die Hand, Fräulein Direktorin, mit ihrer Erlaubnis gehen wir jetzt, bevor es stürmt. Ihre Kollegen gehen auch.“

    Unser Chef-Sicherheitsmann nennt fast alle Kollegen Direktor oder Direktorin. Das ärgert nicht einmal die, die es tatsächlich sind und die sich, laut unserer Direktorin für Teambildung und Angleichung an Europäische Standards, vom Rest der Angestellten wenn, dann nur durch die Tatsache unterscheiden sollten, dass sie auf Betriebsausflügen den Fisch mit der Hand essen dürfen.

    Den Chef-Sicherheitsmann selbst nennen wir nur „Chef“. Schließlich streben wir eine flache Hierarchie an.“

    (Leseprobe aus dem Roman „Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit“ -
    © Dörlemann Verlag, Zürich)

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  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Baba Rada. Das Leben ist vergänglich wie die Kopfhaare

    Roman, Zürich: KaMeRu Verlag 2012 – Neuauflage: Zürich: Dörlemann Verlag 2015

     

    Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit

    Roman, Zürich: Dörlemann Verlag 2015

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    2011

    Schweizer Literaturperle

     

    2015

    3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb Klagenfurt

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